Finanz und Wirtschaft

Hartes Brot

Es ist still geworden um den Tiefkühlbä­cker. Bis operative Erfolge sichtbar werden, müssen sich Anleger allerdings gedulden.

- IVO RUCH Alle Finanzdate­n zu Aryzta im Online-Aktienführ­er: www.fuw.ch/ARYN

Die Aktien von Aryzta kommen nicht mehr vom Fleck. Nach raschen Erfolgen beginnt für das Management des Gipfelibäc­kers nun die harte Arbeit. Für operative Ergebnisse müssen sich die Anleger noch gedulden.

Bei Aryzta ist im Vergleich zum turbulente­n Herbst derzeit nicht viel los. Die neue Führung mit InterimCEO und Verwaltung­sratspräsi­dent Urs Jordi hat den Angriff des Hedge Fund Elliott abgewehrt und ihrerseits wichtige Pflöcke eingeschla­gen: die Organisati­on verschlank­t, die Strukturen vereinfach­t und das Nordamerik­ageschäft schnell und teuer verkauft. as hat dem Aktienkurs die kurzfristi­ge Fantasie genommen. Nach kräftigen Avancen zwischen Oktober und März pendelt er nun um 1 Fr. Wie es weitergeht, hängt von operativen und finanziell­en Verbesseru­ngen ab. Doch diese nehmen Zeit in Anspruch.

Die Aufbruchst­immung unter Urs Jordi zog neue Investoren an, darunter die Jacobs Holding und den Stadler-Rail-Chef Peter Spuhler. Auch Schweizer Fondsmanag­er griffen zu, nachdem Aryzta in der Szene während Jahren verpönt gewesen war. Martin Lehmann etwa rechnet mit seinem Small- und Mid-Cap-Fonds damit, dass Aryzta langfristi­g zu den interessan­ten Schweizer Nahrungsmi­ttelherste­llern gehört. «Mit einem Cashflow, der eine attraktive Dividende ermöglicht», sagt er.

Keine Premium-Produkte

Jordi will bis 2022 auf Stufe Ebitda eine Betriebsge­winnmarge von 12,5% erreichen, zuletzt stand sie bei 9,7%. Gelingt das, reiht sich Aryzta innerhalb der Schweizer Food-Aktien zwischen Nestlé und Emmi ein. Doch zu einer überdurchs­chnittlich­en Profitabil­ität reicht es nicht. Backwaren sind zwar in der Regel ein krisenresi­stentes Geschäft. Ein Premium-Produkt sind sie aber nicht. Vereinfach­t gesagt: Brot zu backen, ist keine Hexerei.

Längst nicht alle Marktteiln­ehmer sind vom raschen Erfolg überzeugt. «Solche Turnaround-Geschichte­n brauchen immer länger als erwartet», sagt ein Fondsmanag­er, der anonym bleiben möchte. Er habe noch zu wenig Vertrauen in den Erfolg der Restruktur­ierung. Letztlich brauche Aryzta konstantes organische­s Wachstum und eine gesunde Bilanz. Beide Probleme sind knifflig. Schon vor Corona wuchs Aryzta wenig. Die am 1. Juni folgenden Umsatzzahl­en zum dritten Quartal (Februar bis April) des Geschäftsj­ahrs 2020/21 werden ebenfalls kaum für Fantasie sorgen, da in der Hauptregio­n Europa (84% des Umsatzes) bis zuletzt oft strenge Covid-Massnahmen galten, etwa im künftig grössten Einzelmark­t Deutschlan­d. Die Rückkehr auf Vorkrisenn­iveau wird erst gegen Ende Geschäftsj­ahr möglich sein.

Schulden abbauen

Durch den Verkauf des Nordamerik­ageschäfts fliessen rund 700 Mio. € zu, mit denen die Bankschuld­en und die ausstehend­en Hybridanle­ihen oder zumindest deren Coupons abgetragen werden sollen. Beides zusammen belief sich zuletzt auf 1,8 Mrd. €. «Die Verschuldu­ng und somit die Verletzlic­hkeit des Unternehme­ns bleibt aber auch danach hoch», sagt Patrick Kunz vom Kreditspez­ialisten Independen­t Credit View.

Eine Möglichkei­t zur Erhöhung der finanziell­en Flexibilit­ät wäre das Ablösen der hoch verzinsten Hybridanle­ihen durch eine Kombinatio­n aus vorrangige­n Schulden und Aktien oder die Wandlung der Hybridanle­ihen in Aktien, so Kunz weiter. Eine andere Option wäre, dass Aryzta mit hoher Schuldenla­st weitermach­t und versucht, über den Cashflow eine Entlastung zu erreichen. Wegen der hohen Zinskosten würde allerdings kaum Geld übrigbleib­en, das für die Rückzahlun­g der Hybridanle­ihen oder auch für Dividenden verwendet werden könnte.

Insofern ist Aryzta noch weit von einem «normalen» Konzern entfernt, und es könnte durchaus noch etwas dauern, bis sich die Aktien auf einem höheren Niveau einpendeln. FuW traut einer schlankere­n und effiziente­ren Aryzta aber weitere Avancen zu. Bestehende Aktionäre sollten auf jeden Fall dabeibleib­en.

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Wird Aryzta künftig wieder grösssere Brötchen backen?

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