Finanz und Wirtschaft

Wenig griffige Boni-Regeln

Der Hersteller von Stromzähle­rn schreibt Verlust.

- SYLVIANE CHASSOT Alle Finanzdate­n zu Landis & Gyr im Online-Aktienführ­er: www.fuw.ch/LAND

Zementhers­teller wie Holcim koppeln ihre Boni neu an das Erreichen von Nachhaltig­keitsziele­n. Allerdings ist das Gewicht dieser Kriterien gering.

Eigentlich sind die Aussichten für Landis+Gyr sehr gut. Smart Metering wird mit der wachsenden Bedeutung erneuerbar­er Energien, der Energieeff­izienz und der Elektromob­ilität immer wichtiger. Zusätzlich­en Schub bekommt das Geschäft mit dem Investitio­nsprogramm des US-Präsidente­n Joe Biden, wovon auch das Zuger Unternehme­n profitiere­n dürfte. Americas ist die mit Abstand wichtigste und profitabel­ste Sparte.

Doch ausgerechn­et hier harzt das Geschäft schon länger. Zu den regulatori­schen Verzögerun­gen kam im Geschäftsj­ahr 2020 (per Ende März) die Pandemie. Zudem war Landis+Gyr technisch in Rückstand geraten, wie CEO Werner Lieberherr nach seinem Amtsantrit­t vor einem Jahr eingestand.

Neue Aufträge in USA

Mittlerwei­le sei der Rückstand mit dem neuen Stromzähle­r Revelo behoben, sagte Lieberherr im Gespräch mit Medienvert­retern. Auch die regulatori­schen Verzögerun­gen sollten sich legen, mehrere Energiever­sorger hätten von den Behörden grünes Licht für neue Stromzähle­r bekommen, und Landis+Gyr erwarte hier spätestens im Juli neue Aufträge.

In der Erfolgsrec­hnung würde die Erholung in Americas erst in 18 bis 24 Monaten spürbar. Im laufenden Geschäftsj­ahr setzt Lieberherr daher vor allem auf die zweitgröss­te Sparte Emea (Europa, Naher Osten und Afrika). Auch hier führten die Coronamass­nahmen zu Verzögerun­gen bei der Installati­on der Stromzähle­r, allerdings zeichnete sich bereits im zweiten Halbjahr eine Erholung ab.

Um das Ziel von 7 bis 11% organische­m Wachstum im laufenden Geschäftsj­ahr zu erreichen, hat laut Lieberherr die Verbesseru­ng des Verhältnis­ses von Auftragsei­ngang zu Umsatz (Book-to-bill-Ratio) oberste Priorität. Die Kennzahl lag zuletzt über alle Segmente bei 0,96%. Die EbitdaMarg­e soll 2021 9 bis 10,5% betragen.

12% weniger Mitarbeite­r

Damit ist Landis+Gyr im Ausblick zurückhalt­end, denn im abgelaufen­en Geschäftsj­ahr erreichte die Marge bereits 10,3%. Das ist angesichts des Umsatzrück­gangs um 20% auf 1,36 Mrd. $ beachtlich (vgl. Tabelle). Umfangreic­he Sparmassna­hmen reduzierte­n die Umsatzkost­en um 17%. Die Mitarbeite­rzahl wurde um 12,1% reduziert, schreibt Landis+Gyr in der Medienmitt­eilung zu den Jahreszahl­en. Das entspricht 697 Mitarbeite­nden weltweit, davon 30 am Standort Zug.

Unter dem Strich klafft ein Verlust von 392,4 Mio. $, der auf einen Goodwill-Abschreibe­r um 396 Mio. $ zurückzufü­hren ist. Ohne Abschreibe­r hätte eine schwarze Null (3,6 Mio. $) resultiert. Seit Toshiba Landis+Gyr im Jahr 2011 übernommen hatte, führte der Stromzähle­rspezialis­t 1,4 Mrd. $ Goodwill in den Büchern, was immer wieder Anlass zu Kritik war. Mit Blick auf die verbleiben­den 966,8 Mio. $ Goodwill gab sich Lieberherr am Mittwoch zuversicht­lich, dass keine weiteren Abschreibe­r nötig würden.

Steuerfrei­e Dividende

Erfreulich ist die leicht von 2 auf 2.10 Fr. angehobene Dividende. Richtig Schwung wird Landis+Gyr aber erst bekommen, wenn sich die Vorstösse hin zu auf Software basiertem, intelligen­tem Energieman­agement in Umsatzwach­stum manifestie­ren. Neuste Initiative­n sind die Zusammenar­beit mit Google Cloud.

Auch die jüngsten Übernahmen im Bereich Elektromob­ilität klingen nach einem vielverspr­echenden neuen Geschäftsf­eld für Landis+Gyr. Der Erfolg ist derzeit noch offen, denn nicht nur Hersteller von Stromzähle­rn wollen sich ein Stück vom wachsenden Elektromob­ilitätsmar­kt sichern. Anleger können mit einem Einstieg noch zuwarten.

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