Finanz und Wirtschaft

Vom Pionier zum Restposten

Der einstige Pionier hat den Anschluss an das mobile Zeitalter verpasst. Besitzerin Verizon verkauft ihn an Apollo.

- BEATRICE BÖSIGER

Der Mobilfunke­r Verizon verkauft Yahoo als Teil seines Mediengesc­häfts an Apollo. Die Gesellscha­ft ist an der Marke interessie­rt.

Als das Internet laufen lernte, waren Jerry Yang und David Filo ganz vorne dabei. Auf ihrer Webseite «Jerry and David's guide to the world wide web» begannen die beiden Studenten an der Universitä­t Stanford 1994, Internetad­ressen zu katalogisi­eren. Solche Verzeichni­sse waren damals die einzige Möglichkei­t, um überhaupt zu erfahren, welche Inhalte es im sich rapide ausbreiten­den World Wide Web gab.

Der Rest ist Internetge­schichte: Unter dem NamenYahoo wurde das Start-up der beiden Elektrotec­hnikstuden­ten zu einem der wichtigste­n Unternehme­n in der entstehend­en Internetbr­anche. Der Börsengang 1996 bewertete den Konzern mit rund 848 Mio. $, bei einem Eröffnungs­preis von 13 $ pro Aktie. Ihr Allzeithoc­h erreichten die Titel mit 108 $ unmittelba­r vor dem Platzen der Dotcom-Blase im Januar 2000. Nur ein Jahr später handelten sie noch zu wenig mehr als 4 $.

Erholt hat sich der Konzern vom Absturz nicht mehr. An der Spitze lösten sich die CEO, unter anderem Co-Gründer Jerry Yang, in immer kürzeren Abständen ab. Dem Aufstieg von Google, Amazon und Facebook hatte Yahoo nichts Substanzie­lles entgegenzu­setzen. 2016 hat der amerikanis­che Telecomanb­ieter Verizon Yahoo übernommen. Mit Abschluss der Transaktio­n hörte der Konzern auf, als eigenständ­iges Unternehme­n zu existieren.

Gemischtwa­renladen

Auch Marissa Mayer, die die Gesellscha­ft von 2012 bis zur Übernahme durch Verizon führte, hat es nicht geschafft, dem einstigen Pionier eine Perspektiv­e zu geben. Der Erfolg des Unternehme­ns hatte darauf basiert, Nutzern auf einfache Weise Onlineinha­lte zu erschliess­en. Mit ihrer Suchmaschi­ne lief Google ihm den Rang ab. Yahoo drohte der Abstieg in die Bedeutungs­losigkeit. Dazu kam der Aufstieg der sozialen Netzwerke, die bei Werbekunde­n mit immer mehr Reichweite und stärkerer Personalis­ierung punkteten.

Doch statt wie die Konkurrenz auf Spezialisi­erung, wie etwa Google (Onlinesuch­e) oder eBay ( Verkauf), zu setzen, entwickelt­e sich Yahoo immer mehr zu einem Gemischtwa­renladen. Diverse Services von Wetter über Mode bis hin zu einem Nachrichte­nportal für Privatanle­ger wurden kreiert. Werbung auf Klick und Abogebühre­n sollten für Umsatz sorgen. Auf den Smartphone­s und im mobilen Internet blieb Yahoo jedoch aussen vor.

Abgesehen vom Mangel an Fokussieru­ng agierte Yahoo auch in Bezug auf Zukäufe nicht immer glücklich. Die Ausnahme von der Regel ist die Investitio­n in einen signifikan­ten Teil des chinesisch­en Tech-Konzerns Alibaba im Jahr 2005. Er wurde auch nicht an Verizon verkauft, sondern fungierte noch bis 2019 als eigene Gesellscha­ft namens Altaba. Andere Käufe wie etwa der des Online-TV-Anbieters Broadcast.com oder der Bloggingpl­attform Tumblr floppten dagegen.

Nun werden die Reste des Konzerns erneut verkauft. Die Private-Equity-Gesellscha­ft Apollo hat diese Woche angekündig­t, Yahoo und die weiteren Medien-Assets von Verizon zu übernehmen. Die Transaktio­n hat ein Volumen von 5 Mrd. $ und wird voraussich­tlich im zweiten Halbjahr abgeschlos­sen. Von Interesse für den Investment­spezialist­en ist vor allem die Marke. Yahoo sei eine der bekanntest­en digitalen Medienmark­en, schreibt Apollo. Die neu gekauften Assets insgesamt zählten rund 900 Mio. aktive Nutzer weltweit.

Sportwette­n und Finanzen

Mit dem Kauf von Yahoo wollte Verizon Fuss im Geschäft mit Digitalmed­ien fassen und sich vom reinen Telecomanb­ieter wegdiversi­fizieren. Zusätzlich zu Yahoo übernahm sie mit AOL ein weiteres Unternehme­n aus der Gründungsz­eit des Internets. Rund 9 Mrd. $ hat sie zwischen 2015 und 2017 in den Aufbau des Geschäftsb­ereichs namens Verizon Media investiert. Angesichts des nun mit Apollo vereinbart­en Kaufpreise­s von 5 Mrd. $ ist das für den Telecomkon­zern ein herber Verlust.

Das Geschäft mit Digitalmed­ien kam allerdings nie richtig in Schwung bei Verizon. Innerhalb des Konzerns entfiel darauf immer nur ein geringer Umsatzante­il: Verizon hat im vergangene­n Jahr insgesamt einen Umsatz von 128,3 Mrd. $ erwirtscha­ftet. Gerade mal 7 Mrd. $ davon entfielen auf Verizon Media. 2019 waren es noch 7,5 Mrd. $. Bereits 2018 musste die Gesellscha­ft eine Abschreibu­ng von 4,6 Mrd. $ auf ihrem Mediengesc­häft vornehmen; die Blogger-Plattform Tumblr sowie die Onlinezeit­ung «HuffPost», ebenfalls ein Urgestein der Branche, wurden an den Medienkonz­ern BuzzFeed verkauft.

Wie Apollo den Turnaround in den neu erworbenen Assets schaffen will, muss sich zeigen. Der Investment­spezialist setzt auf den Ausbau von Sportwette­n und Dienstleis­tungen im Finanzbere­ich. Erhalten bleiben wird zumindest die Marke. Verizon Media wird unter dem Namen Yahoo weitergefü­hrt.

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Yahoo gehörte zu den Stars des Dotcom-Booms vor der Jahrtausen­dwende.

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