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Das CO2-Gesetz betrifft den Schweizer Eigenheimm­arkt in mehreren Aspekten. Im Fokus stehen die alten Heizungen mit hohen Emissionen.

- WOLFGANG GAMMA

Das CO2-Gesetz betrifft den Besitz von Wohneigent­um in mehreren Aspekten. Im Fokus stehen die alten Heizungen mit hohen Emissionen. Sie erhalten mit dem neuen Gesetz ein Ablaufdatu­m.

Die Schweiz will bis 2030 ihre CO2-Emissionen um mindestens 50% im Vergleich zu 1990 reduzieren. Rund ein Viertel aller Treibhausg­ase wird landesweit von den 2,3 Mio. Gebäuden ausgestoss­en. Der Gebäudepar­k, von dem drei Viertel auf Wohnbauten entfallen, stellt deshalb einen Kernpunkt der Totalrevis­ion des CO2 -Gesetzes von 2020 dar, das am 13. Juni zur Abstimmung gelangt. Und das Potenzial zur CO2Redukti­on ist gross: Gemäss einer UBS-Studie werden in der Schweiz rund 60% der Einfamilie­nhäuser und 70% der Mehrfamili­enhäuser mit fossilen Energieträ­gern beheizt.

Das Gesetz betrifft den Eigenheimm­arkt im Wesentlich­en in vier Aspekten:

• In Neubauten dürfen ab 2023 keine fossilen Heizungen (Öl/Gas) mehr eingebaut werden.

• Bei einem Heizungser­satz im Altbau unterliegt ab 2023 der CO2 -Ausstoss proWohnflä­cheneinhei­t eines Gebäudes einer Obergrenze von 20 kg CO2 pro m². Diese Limite wird alle fünf Jahre um weitere 5 kg reduziert.

• Die Abgabe auf fossile Brennstoff­e wird steigen (von heute 96 auf max. 210 Fr. pro Tonne CO2) und so den Heizbetrie­b verteuern.

• Energetisc­he Sanierunge­n werden über einen Klimafonds subvention­iert.

Werden Bauten neu erstellt, ist der Einbau erneuerbar­er Systeme nahezu Standard. Auch Einfamilie­nhäuser mit Baujahr 2011 bis 2015 werden kaum noch mit Öl geheizt, Gasheizung­en sind in dieser Kategorie mit 14% vertreten. CO2-Emissionen bleiben erlaubt, wird aber die Heizung ersetzt, kommt ab 2023 die Obergrenze zum Zug.

In Kantonen, die ihr Energieges­etz revidiert haben, gelten die Grenzwerte ab 2026. Ob das auch in Zürich der Fall sein wird, ist offen. Der Hauseigent­ümerverban­d Zürich hat gegen das vom Kantonsrat genehmigte Energieges­etz das

Referendum ergriffen. Spätestens 2032 – wenn die zulässige Ausstoss-Obergrenze bei 10 kg CO2 pro m² liegt – dürften Ölheizunge­n nicht mehr neu installier­t werden, denn der Grenzwert liesse sich auch mit bester Dämmung nicht einhalten.

Die Frage der Rentabilit­ät

Die Vorgaben sind nicht einfach zu erfüllen. Drei Viertel der Wohnbauten würden den Wert nicht erreichen, schätzt der Hauseigent­ümerverban­d. Laut Bundesamt für Umwelt entscheide­n die Hausbesitz­er selbst, mit welchen Massnahmen sie die Grenzwerte erfüllen. Der Einsatz von Solarwärme zählt ebenso dazu wie die Sanierung der Gebäudehül­len. Am effektivst­en ist jedoch die Erneuerung der Heizanlage.

Ein wichtiger Punkt ist die Frage der Rentabilit­ät. Ob sich der Ersatz einer bestehende­n Öloder Gasheizung durch eine nachhaltig­ere Energieque­lle lohnt, hängt von verschiede­nen Faktoren ab. Die CO2-Abgabe ist nur einer davon. Weitere sind der Energiebed­arf der Immobilie, was die laufenden Kosten mitbestimm­t, und die verbleiben­de Lebensdaue­r der eingebaute­n Heizung, womit das Thema Amortisati­on angesproch­en ist. So sind die laufenden Kosten einer Wärmepumpe klar niedriger als diejenigen einer Ölheizung, dafür liegen die Investitio­nskosten deutlich über denen eines neuen Ölbrenners. Das heisst, die Investitio­n lohnt sich, wenn die höheren Einbaukost­en durch geringere Betriebsko­sten im Verlauf der erwarteten Lebensdaue­r der Wärmepumpe amortisier­t werden können.

Die UBS-Studie macht dazu zwei Beispiele (vgl. Grafik). Im ersten Beispiel wird eine Ölheizung durch eine Erdwärmepu­mpe ersetzt. In Variante eins wird ohne Subvention gerechnet, in

Variante zwei sind Zuschüsse von 10000 Fr. (inkl. Steuerabzu­g) einkalkuli­ert, was gemäss UBS in mehreren Kantonen ein realistisc­her Betrag ist. Einfluss haben zudem die Qualität der Gebäudeiso­lation und die Höhe der CO2-Abgabe. Bei einem schlecht isolierten Gebäude lohnt sich der Wechsel auf eineWärmep­umpe fast immer wegen des hohen Energiever­brauchs. Ist das Gebäude schlecht isoliert, kann es ohne Subvention­en und CO2-Abgabe sinnvoll sein, die Ölheizung bis zum Ende ihrer Lebensdaue­r weiterzube­treiben. Mit Subvention verbessert sich die Rentabilit­ät der Wärmepumpe in fast allen Fällen. Die Tage der Ölheizung sind gezählt, so das Fazit der UBS-Studie.

Weniger eindeutig ist ihr Fazit, wenn eine Gasheizung durch eine Erdwärmepu­mpe ersetzt wird. Der Wechsel dürfte sich bei einem schlecht isolierten Gebäude tendenziel­l auszahlen. Bei einem gut isolierten Haus geht die Rechnung laut UBS nicht eindeutig auf, da die Einsparung­en im Betrieb im Vergleich zu den Investitio­nen oft zu gering seien. Der Wechsel lohne sich nur, wenn die Gasheizung am Ende ihrer Tage angelangt ist und das Gesetz die maximale CO2-Abgabe vorgibt.

Finanziell­e Vorteile

Argumente für eine energetisc­he Sanierung finden sich auch ausserhalb des CO2-Gesetzes. Mittelfris­tig dürften Hausbesitz­er Finanzieru­ngsvorteil­e erhalten. Denkbar sind eine höhere Belehnung, weil die Nutzungsko­sten niedriger sind.

Hypotheken dürften für grüne Gebäude nicht zwingend günstiger werden. Doch müssen Hypothekar­nehmer für energetisc­h schlecht sanierte Altbauten mit etwas höheren Kosten rechnen, weil die Kapitalgeb­er dem Aspekt Nachhaltig­keit mehr Beachtung schenken dürften. Langfristi­g drohen Besitzern von Eigenheime­n mit fossilen Heizungen zudem Nachteile in Sachen Finanzieru­ng und Verkaufswe­rt.

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