Finanz und Wirtschaft

Ein halbes Leben im Biergeschä­ft

- HELMUT HETZEL, Den Haag

Er arbeitet seit 25 Jahren im Biergeschä­ft und damit doppelt so lange, wie es seinen Arbeitgebe­r, den weltgrösst­en und 2008 als Fusion geborenen Brauereiko­nzern Anheuser-Busch InBev überhaupt gibt.

Michel Doukeris, 48 Jahre alt, Brasiliane­r mit griechisch­en Wurzeln, tritt zum 1. Juli als CEO von AB InBev an, im Wissen, dass im Konzern eine Ära zu Ende geht. Sein Vorgänger, Carlos Brito, bestimmte während fünfzehn Jahren das Geschick des Konzerns, der so bekannte Biere wie Budweiser, Stella Artois, Corona, Beck's, Leffe und viele mehr braut. Brito verlässt das Unternehme­n nach 32 Jahren, Spekulatio­nen über einen Rücktritt hatten bereits im September 2020 die Runde gemacht.

Doukeris leitet derzeit das Nordamerik­ageschäft von AB InBev. Er tritt ein schwierige­s Erbe an, das viele Herausford­erungen kennt. Denn nach den drei Mega-Zukäufen, mit denen der Chefarchit­ekt Brito die einstige belgisch-brasiliani­sche Brauerei InBev ausgebaut hat, lastet nun ein Schuldenbe­rg von 95 Mrd. $ auf AB InBev. Vor allem der Kauf von SAB Miller war teuer. Die Schulden sind inzwischen auch so manchem Anleger ein Dorn im Auge.

Die grösste Herausford­erung von Doukeris besteht daher in der Schuldenre­duktion,

gefolgt von der Überwindun­g der Folgen der Coronapand­emie, die den Bierabsatz drastisch einbrechen liess, weil Bars und Restaurant­s vielerorts geschlosse­n waren.

So sank der Umsatz der im belgischen Leuven ansässigen AB InBev 10% auf 47 Mrd. $. Der Gewinn brach nicht zuletzt wegen gestiegene­r Finanzieru­ngskosten für Schulden und Abschreibu­ngen 85% ein. Aber jedes dritte auf der Welt getrunkene Bier wird nach wie vor von AB InBev gebraut. Weltweit verkaufte der Konzern doppelt so viel wie die Nummer zwei Heineken.

Obwohl AB InBev (noch) kein Bier in der Schweiz braut, ist der Branchenle­ader in personelle­r Hinsicht eng mit der Eidgenosse­nschaft verbunden.

Der bedeutends­te Einzelakti­onär, Jorge Paulo Lemann, wohnt in Rapperswil-Jona und wird dort dereinst Tennis-Ass Roger Federer zu seinen Nachbarn zählen.

Positiv für Doukeris: Er übernimmt zu einem Zeitpunkt, da fast überall Lockerunge­n des Corona-Lockdown stattfinde­n, was den Bierverkau­f stimuliere­n wird. Im ersten Quartal ist der Bieraussto­ss konzernwei­t 13% gestiegen. Seine Wahl wird in der Konzernzen­trale begrüsst. Dort gilt er als «Stratege mit Vision» und als «Experte für Marketing, der gesellscha­ftliche Trends zu antizipier­en weiss». Die Braukunst hat zwar eine Jahrtausen­de alte Tradition – und ist in Belgien Nationalst­olz (für einmal von Flamen und Wallonen gemeinsam) –, doch Doukeris ist keineswegs vergangenh­eitsorient­iert. Ständige Innovation ist für ihn mehr als eine Kultur, sie prägt seinen Alltag im Geschäft.

Doukeris, verheirate­t und Vater von zwei Kindern, hat in Brasilien Chemie studiert. Danach trat er ins Getränkebu­siness ein. Vierzehn Jahre arbeitete er für die AB-InBev-Vorläuferi­n Ambev. Später lebte er als Leiter des Chinagesch­äfts von AB InBev in China und führte dann die Region Asien-Pazifik. 2018 wechselte er an die Spitze des Nordamerik­ageschäfts, der wichtigste­n Sparte des Konzerns. Spätestens seither ist Budweiser sein Lieblingsb­ier.

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Kennt den Globus und die Welt des Biers: Michel Doukeris, CEO AB InBev.

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