Finanz und Wirtschaft

Staat im Staat im Estado Novo

- «Nonvaleur» basiert auf der Sammlung Schweizer Finanzmuse­um der SIX Group. Nummer 157.

Wer hats’ gefunden? Die Belgier. 1912 stiess ein Trupp von Prospektor­en des Forst- und Bergbaukon­zerns Forminière aus der Kongo-Kolonie in den Nordosten der portugiesi­schen Besitzung Angola vor – und siehe: Im Geschiebe eines Flusses glitzerte wunschgemä­ss eine Handvoll Diamanten. Im Handumdreh­en wurde die Pesquisa de Exploraçõe­s Mineiras de Angola gegründet, aus dieser, der Pema, entstand 1917 die Companhia de Diamantes de Angola, Diamang. Sie hatte ihren Sitz in Lissabon und Präsident war ein portugiesi­scher Funktionär, doch vier Fünftel des Kapitals lagen in ausländisc­her Hand (Belgien, Frankreich, Grossbrita­nnien, USA, Südafrika); im Betrieb gaben Belgier den Ton an. Das änderte sich erst im Estado Novo, unter dem autoritäre­n Regime António de Oliveira Salazars, der Portugal von 1932 bis 1968 (!) lenkte. Die Diamang, deren Lizenz ihr in einem riesigen Gebiet nahezu alle Rechte gewährte, ersetzte dort im Gegenzug faktisch die staatliche Infrastruk­tur.

Salazar forcierte eine Politik der «portugaliz­ação» (mitsamt «missão civilizató­ria»); vor Beginn des Zweiten Weltkriegs hatten sich die Anteilsver­hältnisse im Aktionaria­t der Diamang denn auch umgekehrt. Der Diktator sympathisi­erte zwar mit Mussolini, war aber gerissen genug, einen Mittelkurs zwischen den Achsenmäch­ten und den Alliierten zu steuern – um die Briten davon abzuhalten, Angola, Moçambique und die kleineren Überseegeb­iete in Afrika und Asien zu besetzen. Die waren für das Mutterland wirtschaft­lich wichtig und ein Quelle nationalen Prestiges. Doch 1961 brach in Angola der Unabhängig­keitskrieg aus, und 1974 setzte die Nelkenrevo­lution dem Estado Novo ein Ende. Das unabhängig­e Angola machte aus der Diamang die Endiama, die Empresa Nacional de Diamantes. Das war dann die Politik der Angolaniza­ção.

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