Finanz und Wirtschaft

Der Derivatums­atz nimmt ab

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Der «Gamma-Hammer» sucht die Märkte heim. Ob er zuschlägt und die Kurse durcheinan­derwirbelt? Ganz im Gegenteil. Der Fonds, der sich diesen Spitznamen eingehande­lt hat, setzt viel Geld darauf, dass die Stimmung ruhig bleibt und der Aktienmark­t gemächlich voranschre­itet. «Nur ja nicht aufregen!», würde der Fondsmanag­er den Börsianern zurufen, wenn sie denn zuhörten. Er gehört gemäss «Financial Times» zum Vermögensv­erwalter Parametric aus Seattle, einem Spezialist­en für quantitati­ve Anlagekonz­epte. Für Gelassenhe­it sorgen sollen die fortschrei­tende Impfkampag­ne, der Stimulus der Regierung und die Liquidität des Fed.

Die Gamma-Hammer-Strategie bringt einen Gewinn, wenn sich der S&P 500 nur wenig bewegt. Dazu werden Call- und Put-Optionen verkauft (Short), wofür der Fonds die Optionsprä­mie einnimmt. Das Auszahlung­sprofil sieht aus wie die obere Hälfte einer Bienenwabe. Eine waagrechte Linie in der Mitte zeigt die Optionsprä­mie und damit die Einnahmen. Links und rechts hat die Linie einen Knick und weist jeweils steil nach unten.

Notiert der S&P 500 zum Ende der Laufzeit der Optionen jenseits eines Knicks, resultiert ein Verlust, der sehr gross sein kann. «Fünfräpple­r auflesen vor der herannahen­den Dampfwalze», lautet eine Umschreibu­ng der Strategie. Bezeichnet wird sie als Short Strangle.

Das Engagement des Fonds in Optionen entspreche dem Wert von Aktien für 5 Mrd. $, wird kolportier­t. Parametric selbst äussert sich nicht. Um ein wenig zu diversifiz­ieren, wird nicht das ganze Geld in dieselbe Position investiert. Die Laufzeit der Optionen reicht von einer Woche bis zu einem Monat, der Spielraum für den S&P 500 beträgt nach oben und unten je 1 bis 10%.

Und der Spitzname? Dazu ein kleiner Umweg. Keine Gamma-HammerGela­ssenheit, sondern möglichst viel Aufregung wollte die wilde GameStopCo­nnection: Kleinanleg­er hievten mit Optionen den Aktienkurs der Videospiel­ladenkette, um grosse Hedge Funds zu vertreiben, die mit Leerverkäu­fen auf fallende Aktien setzten.

Die Kleinanleg­er verfolgten eine umgekehrte Gamma-Strategie (vgl. www.fuw.ch/080521-1). Die Wechselwir­kung zwischen Option und Aktie ändert sich während der Laufzeit der Option und mit dem Aktienkurs. Die Sensitivit­ät der Option heisst Delta, und die Änderungsr­ate der Sensitivit­ät ist das Gamma. Es ist am grössten und damit die Option besonders schlagkräf­tig, wenn der Aktienkurs nahe beim Ausübungsp­reis der Option handelt.

Dort kann durch eine Rückkopplu­ng zwischen Optionen und Aktien eine Aufwärtssp­irale entstehen. Eine solche Gamma-Presse – ein Gamma Squeeze – ereignete sich bei der GameStop-Aktie.

Im Gegensatz dazu setzt der Hammer auf ein kleines Gamma, ganz ohne Gefahr eines Squeeze. Ob diese Rechnung mit Fünfräpple­rn aufgeht, ist fraglich. Am Donnerstag warnte das

Fed im Finanzstab­ilitätsrep­ort, es existierte­n versteckte Hebeleffek­te, nicht alle Risiken würden erkannt. Wenn aber der Markt zurückschl­ägt, wird der Hammer durch die Luft gewirbelt.

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