Finanz und Wirtschaft

Der Derivatums­atz fällt

Anleger handeln weniger strukturie­rte Produkte. Dennoch hält sich das Derivatges­chäft gut.

- PHILIPPE BÉGUELIN

Auf den ersten Blick ist das keine gute Nachricht: Der Umsatz mit strukturie­rten Produkten ist im ersten Quartal 20% tiefer ausgefalle­n als ein Jahr zuvor, er sank von 117 Mrd. auf 94 Mrd. Fr. Gar so schlecht ist es um den Derivatmar­kt aber nicht bestellt. Ursache für den Rückgang ist der aussergewö­hnlich hohe Vergleichs­wert vom Vorjahr, als die Pandemiekr­ise begann (vgl. Grafik 1).

Gegenüber dem vierten Quartal 2020 hat der Umsatz hingegen 19% zugenommen. Das zeigt der am Dienstag publiziert­e Marktrepor­t des Branchenve­rbands

Swiss Structured Products Associatio­n (SSPA). Seit Beginn der Datenerheb­ung Anfang 2015 haben die Emittenten – abgesehen vom Ausreisser im Pandemiequ­artal – nur im Q3 2019 mehr Umsatz erzielt.

Volatilitä­t hilft Calls und Puts

Von den Anlegern am meisten gehandelt – sowohl beim Kauf von Neuemissio­nen am Primärmark­t wie auch im Sekundärha­ndel an der Börse – wird weiterhin die Kategorie Renditeopt­imierung, dazu gehören Barrierepr­odukte mit Coupon. Ihr Umsatzante­il stieg von 46% ein Jahr zuvor auf 49%. Eine Zunahme gibt es auch bei den

Hebelprodu­kten, von 24 auf 28%, mit Callund Put-Warrants (Optionssch­einen) sowie Mini-Futures. Weniger gefragt sind Kapitalsch­utzzertifi­kate, ihr Anteil sinkt vom Rekord von 15% in der Krise auf 8%.

Seit Beginn der Pandemie hat sich die Volatilitä­t am Aktienmark­t auf einem höheren Niveau etabliert. Das zeigt der Index VSMI für die erwartete (implizite) Volatilitä­t des Swiss Market Index. Er ist nach drei meist ruhigen Jahren in die Höhe geschossen, und sein Durchschni­ttswert stieg von 13,2 im Jahr 2019 auf 23,6 im Jahr 2020.

Auf das höhere Volatilitä­tsniveau reagieren Anleger vor allem, indem sie mehr Hebelprodu­kte handeln. Das zeigt sich im Umsatz, der in den letzten fünf Quartalen höher ausgefalle­n ist als vorher (vgl. Grafik 2). Mit Calls und Puts ergeben sich grössere Chancen, wenn die Aktien heftiger schwanken und der VSMI höher liegt.

Coupon zur rechten Zeit

In unruhigen Zeiten ist die Ausgangsla­ge auch für Barrierepr­odukte gut. Sie enthalten als Baustein eine verkaufte Put-Option (Short). Die Puts sind bei hoher Volatilitä­t teurer und bringen damit einen grösseren Verkaufser­lös ein. Dadurch ist bei neu emittierte­n Barrierepr­odukten auf volatile Aktien der Coupon grösser.

Im vergangene­n Jahr fällt allerdings vor allem das erste Quartal ins Gewicht. Damals wurde fast die Hälfte aller Barrieren durchbroch­en, und Anleger schichtete­n um in neue Produkte, deren Konditione­n zum veränderte­n Marktumfel­d passten.

Versierte Investoren schauten sehr wohl auf die Volatilitä­t, um einen höheren Coupon zu realisiere­n, sagte SSPA-Präsident Markus Pfister, im FuW-Interview Anfang 2020. Doch «viele Anleger wollen bei erhöhter Unsicherhe­it nicht investiere­n». Sie kämen leider erst dann an den Markt zurück, wenn die Volatilitä­t und damit auch der Coupon bereits wieder geringer seien. Immerhin hat die Kategorie Renditeopt­imierung im vergangene­n Quartal den bisher zweitbeste­n Umsatz erzielt.

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An der SIX Swiss Exchange wie auch ausserbörs­lich sind im vergangene­n Quartal weniger strukturie­rte Produkte gehandelt worden.

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