Finanz und Wirtschaft

Das Fed warnt vor Risiken

Schwacher US-Arbeitsmar­kt, Aussichten für Unternehme­n sind gut.

- THOMAS HELLER Schwyzer Kantonalba­nk

Der US-Arbeitsmar­ktbericht sorgte am Freitag für einen Dämpfer. Anstatt der erwarteten 1 Mio. wurden im April ausserhalb des Landwirtsc­haftssekto­rs nur 266 000 neue Stellen geschaffen. Die Arbeitslos­enquote stieg unerwartet von 6 auf 6,1%.

Im Grunde läuft die amerikanis­che Wirtschaft jedoch rund. Der Einkaufsma­nagerindex des Dienstleis­tungssekto­rs verfehlte im April zwar die Erwartunge­n leicht, blieb aber mit 62,7 auf einem sehr hohen Niveau und bestätigt die guten Wachstumsa­ussichten. Allerdings klagen Unternehme­n aus allen 18 befragten Sektoren über steigende Einkaufspr­eise. Bis jetzt wird der Preisdruck noch nicht an die Endkonsume­nten weitergege­ben. Das könnte sich jedoch im Jahresverl­auf ändern, wenn sich die Konjunktur verfestigt und zusätzlich die Lohnkosten steigen. Gemäss Arbeitsmar­ktbericht stiegen die Löhne im April um 0,7%, deutlich mehr als erwartet.

Dollar unter Druck

Bemerkensw­ert ist der am Donnerstag veröffentl­ichte Bericht der US-Notenbank zur Stabilität des Finanzsyst­ems. Das Fed sieht in der gestiegene­n Risikobere­itschaft und den erhöhten Vermögensb­ewertungen eine Schwachste­lle und warnt vor einem deutlichen Rückschlag, sollte sich die Corona-Lage oder das konjunktur­elle Umfeld verschlech­tern und der Risikoappe­tit abnehmen. Für eine spürbare Marktreakt­ion reichte diese kritische Haltung des Fed nicht. Die US-Zinsen bewegten sich zunächst kaum – erst der Arbeitsmar­ktbericht drückte sie nach unten. Die Rendite für zehnjährig­e Treasuries sank kurz unter 1,5%. Hierzuland­e tendierten die Marktrendi­ten im Sog der US-Zinsen ebenfalls leicht südwärts.

Für neue Bewegung könnten Diskussion­en um eine Verlangsam­ung der Wertpapier­käufe ( Tapering) sorgen. Die Bank of England kündigte diese Woche an, das Tempo ihrer Staatsanle­ihenkäufe zu drosseln, von wöchentlic­h 4,4 Mrd. auf 3,4 Mrd. £. Das Fed hingegen will von einem Tapering bislang noch nichts wissen.

Nach einem schwachen April hatte sich der Dollar Anfang Monat stabilisie­rt, kam aber zum Wochenausk­lang nach den Arbeitsmar­ktdaten unter Druck und notierte zum Franken zeitweise nur noch knapp über 0.90 Fr./$ Der Euro legte auf über 1.21 $/€ zu.

Die Aktienmärk­te haben in der zweiten Wochenhälf­te ohne bedeutende Nachrichte­n mehrheitli­ch höher tendiert. Der kleine Rückschlag vom Dienstag war bereits am Donnerstag aufgeholt. Die Reaktion auf die enttäusche­nden US-Arbeitsmar­ktzahlen war kurz und moderat. Das Hauptinter­esse gilt weiterhin den Quartalsbe­richten der Unternehme­n. Insgesamt sind die Zahlen sehr gut ausgefalle­n: In Europa liegen 71% der bisher veröffentl­ichten Gewinnausw­eise über den Analystens­chätzungen, in den USA sind es sogar rekordhohe 88%.

Starke Unternehme­n

Wichtiger als die blossen Zahlen eines einzigen Quartals ist aber, was Resultate und Berichte über die Aussichten der Unternehme­n verraten. Die Gewinnschä­tzungen für das nächste Jahr stimmen optimistis­ch, denn sie sind seit Beginn der Berichtssa­ison gestiegen – normalerwe­ise sinken die Schätzunge­n, weil hohe Erwartunge­n auf den Boden der Realität geholt werden. Die Aktienindi­zes stiegen zum Wochenausk­lang deutlich.

An den Rohstoffmä­rkten hielt der positive Trend in der zweiten Wochenhälf­te an. Der Goldpreis erhielt einen Schub und handelt klar über 1800 $ je Unze. Ursächlich ist der Mix aus schwächere­m Dollar und durchwachs­enen Konjunktur­zahlen – das Fed dürfte die expansive Geldpoliti­k fortsetzen.

Die übergeordn­ete Erwartung einer Wirtschaft­serholung gab den zyklischen Rohstoffen Aufwind. Kupfer überschrit­t das Höchst aus dem Jahr 2011. Eine Ausnahme bildete der Ölpreis, der bereits am Mittwoch unter 70 $ je Fass eine Verschnauf­pause einlegte. Dank guter Konjunktur­daten und der lockeren Geldpoliti­k könnte die Hausse noch etwas weitergehe­n. Insgesamt nehmen die Rohstoffpr­eise aber viel Positives vorweg und die Wahrschein­lichkeit von Kursrücksc­hlägen scheint hoch.

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