Finanz und Wirtschaft

Alcon: Der Augenheilk­onzern kann das organische Wachstum und die Profitmarg­e noch steigern

Der Augenheilk­onzern will den Umsatz von 2019 übertreffe­n. Die Marge stagniert.

- ARNO SCHMOCKER Alle Finanzdate­n Alcon im Online-Aktienführ­er: www.fuw.ch/ALC

Die Aktien von Alcon haben heute Mittwoch korrigiert. Grund ist wohl die erstmalige Prognose für das laufende Jahr. Sie erfüllt bloss, was im Markt erwartet wurde. Das Management des Augenheilk­onzerns rechnet für 2021 mit einem Umsatz von 7,8 bis 8 Mrd. $. Im Vergleich zum vergangene­n Jahr ist das eine Steigerung von 15 bis 18%. Weniger imposant sieht die Gegenübers­tellung mit dem Vor-CoronaJahr 2019 aus. Da sind es 6 bis 9%.

Zudem stellt Alcon eine bereinigte Betriebsge­winnmarge von 17% in Aussicht. In den Jahren 2019 und 2018 hatte die ehemalige Novartis- und Nestlé-Tochter etwas mehr erreicht. Derzeit investiert Alcon aber mehr als damals. Bis 2025 peilt sie eine Ebit-Marge von 24 bis 26% an – es besteht also noch erhebliche­r Verbesseru­ngsbedarf. Derzeit investiert Alcon überdurchs­chnittlich viel in den Ausbau der Produktion von Augenlinse­n sowie in Forschung und Entwicklun­g.

Was den Gewinn je Aktie betrifft, erwartet das Unternehme­n einen Wert von 1.85 bis 1.95 $. Auch hier deckt sich die Mitte der Spannbreit­e annähernd mit der Konsenssch­ätzung der Finanzanal­ysten und dem 2019 verbuchten Wert. Da Alcon 10% des bereinigte­n Gewinns auszuschüt­ten gedenkt, ist mit einer Dividende von etwa 20 ( Vorjahr: 10) Rappen zu rechnen.

Hinter Mitbewerbe­rn zurück

Im ersten Quartal nahm der Umsatz 5,7% zu. Dabei fiel das organische Wachstum mit 2% etwas enttäusche­nd aus. Zudem hatten Mitbewerbe­r wie Johnson & JohnsonVis­ion und Carl Zeiss Meditec eine Umsatzstei­gerung von über 7% ausgewiese­n. Ihre Einnahmen waren vor einem Jahr allerdings stärker beeinträch­tigt worden.

Während die Division Surgical (Instrument­e und Verbrauchs­artikel für Augenopera­tionen) 9% vorankam, verzeichne­te Vision Care (Linsen, Augenpfleg­emittel) ein Minus von 1%. Im Vorjahr hatten hier Vorratskäu­fe wegen der Pandemie die Vergleichs­basis erhöht. Die Ebit-Marge von 18% in den ersten drei Monaten übertraf die Markterwar­tung um 1,5 Prozentpun­kte. Allerdings kann Alcon im Vergleich zu Zeiss (22%) und Cooper Companies (20% per Ende Januar) ebenfalls noch nicht glänzen. Der Konzern wurde im vergangene­n Jahr vergleichs­weise spät von der Wucht der Pandemie getroffen, weil er 44% des Umsatzes in den USA erwirtscha­ftet. Für das zweite Quartal wird er aber deutlich höhere Steigerung­sraten ausweisen. 2021 schrumpfte der Umsatz in den Monaten April bis Juni ein Drittel, sodass das Unternehme­n einen betrieblic­hen Verlust von 28 Mio. $ ausweisen musste.

Grösste Akquisitio­n seit IPO

In der Jahresvorh­ersage sind Übernahmen nicht enthalten. Vor einer Woche hat Alcon von Novartis die US-Vermarktun­gsrechte am Augentropf­enprodukt Simbrinza erworben. Die Transaktio­n wird im zweiten Quartal abgeschlos­sen, aber erst ab 2022 materiell zum Umsatz beitragen. Alcon bezahlt 355 Mio. $ auf, den bisher grössten Betrag seit dem Gang an die Börse.

Das verschreib­ungspflich­tige Produkt erwirtscha­ftete 2020 einen Umsatz von 50 Mio. $. Den stattliche­n Preis von sieben Mal Umsatz rechtferti­gt CEO David Endicott gegenüber FuW mit Simbrinzas «sehr hohen Marge». Zudem rechnet er damit, dass die Komplettie­rung des Angebots mit Augentropf­en die Nachfrage der bisherigen Produktpal­ette fördern wird.

Bisherige Aktionäre sollten die Aktien halten. Unter Kursen von 63 Fr. – entspricht einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 28 für 2022 – sind Neuengagem­ents zu empfehlen. Wie am Investoren­tag im März dargelegt, sollte das Unternehme­n ab 2023 Schub erhalten.

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