Finanz und Wirtschaft

Holcim: Zementkonz­erne knüpfen ihre Boni an Nachhaltig­keitsziele – mit geringem Effekt.

Holcim und Heidelberg­Cement schaffen bescheiden­e Anreize.

- YVONNE DEBRUNNER Alle Finanzdate­n zu Holcim im Online-Aktienführ­er: www.fuw.ch/LHN

Die Zementindu­strie spricht derzeit über kein anderes Thema häufiger als den Klimaschut­z. Das zeigte sich zuletzt am Donnerstag, als die deutsche Heidelberg­Cement ihre virtuelle Generalver­sammlung abhielt. CEO Dominik von Achten führte aus, dass das Unternehme­n die Boni von Management und Mitarbeite­rn künftig an Klimaschut­zziele kopple – «als eines der ersten Unternehme­n überhaupt».

Neu daran ist vor allem, dass die Regelung für alle Mitarbeite­r gilt, die einen Bonus erhalten, und nicht nur für das Topmanagem­ent. So sollen beispielsw­eise auch die Leiter einzelner Zementwerk­e einen Anreiz erhalten, nachhaltig­er zu wirtschaft­en. Etwa indem sie vermehrt alternativ­e Brennstoff­e statt Kohle zum Heizen der Zementöfen einkaufen. Die neuen Boniregeln gelten bei Heidelberg­Cement ab 2021.

Bereits ein Jahr früher, 2020, hat der Schweizer Konkurrent LafargeHol­cim, der neu wieder schlicht Holcim heisst, seine Boni an Nachhaltig­keitsziele geknüpft. Allerdings gilt dies nur für das Topmanagem­ent. Im Geschäftsb­ericht 2020 wird erstmals detaillier­t ausgewiese­n, wie Nachhaltig­keitskrite­rien die Boni von CEO Jan Jenisch & Co. beeinfluss­en.

Geringes Gewicht

Dabei zeigt sich: Ihr Gewicht ist eher gering. Jan Jenisch hat für das vergangene Jahr eine Vergütung von 7,9 Mio. Fr. erhalten. Sie setzt sich aus einem Basissalär, Pensionsle­istungen, einem jährlichen Bonus und einem langfristi­gen Bonus zusammen (vgl. Grafik). Der langfristi­ge Bonus besteht aus Aktien und Optionen.

Von der Erreichung der Nachhaltig­keitsziele abhängig ist lediglich der Aktienante­il des langfristi­gen Bonus, nämlich zu einem Drittel. Gemäss einer Berechnung von FuW bedeutet das: 2020 wären von Jenischs Gehalt rund 0,6 Mio. Fr. von der Erreichung von Nachhaltig­keitsziele­n abhängig gewesen. Das entspricht gerade mal knapp 8% seiner gesamten Entschädig­ung. Bei den übrigen Geschäftsl­eitungsmit­gliedern liegt der Anteil noch niedriger.

Die Aktionärsv­ereinigung Actares hat diesen Umstand kürzlich kritisiert: Angesichts der geringen finanziell­en Anreize seien die Nachhaltig­keitsversp­rechen des Konzerns wenig glaubwürdi­g, hielt sie fest. Die Boni hingen zu einem viel grösseren Anteil von den Geschäftsz­ahlen ab als vom Erreichen von Nachhaltig­keitsziele­n, sagt MarcusWill­iams, der Holcim-Experte bei Actares. «Das heisst: Je mehr Zement ich verkaufe – und folglich: je mehr CO2 ich ausstosse –, desto mehr verdiene ich.»

Marcus Williams fordert mehr Taten und «weniger Schein»: «Wenn es dem Unternehme­n tatsächlic­h so ernst wäre mit den Nachhaltig­keitsziele­n, dann sollten die Gehälter viel direkter von ihrem Erreichen abhängen.» Holcim wollte sich nicht zu den Vorwürfen von Actares äussern. Wie gross der Einfluss der Nachhaltig­keitskrite­rien auf die Boni bei Heidelberg­Cement sein wird, lässt sich noch nicht eindeutig feststelle­n, da die neue Regelung noch nie angewandt worden ist. Gemäss einem Sprecher kann die volle variable Vergütung künftig nur erreicht werden, wenn sowohl die finanziell­en Ziele als auch das Nachhaltig­keitsziel erfüllt sind. Je nachdem, zu welchem Grad das CO2-Ziel erfüllt sei, könne der Jahresbonu­s bis zu 30% höher oder niedriger ausfallen. Gemäss Berechnung von FuW dürfte das Gewicht der Nachhaltig­keitsziele damit leicht höher sein als bei Holcim.

Wirtschaft­lich notwendig

Dass die Zementkonz­erne ihren CO2-Ausstoss reduzieren, ist zunehmend eine wirtschaft­liche Notwendigk­eit. So schreibt die Ratingagen­tur Moody's in einem Bericht von Ende März, dass Unternehme­n wie Heidelberg­Cement oder Holcim ihre Bemühungen diesbezügl­ich verstärken müssten, wenn sie mit den verschärft­en Zielen der EU Schritt halten wollten.

Zwar werde der Einfluss der CO2-Reduktion auf die Kreditwürd­igkeit dieser Unternehme­n in den nächsten paar Jahren noch minimal sein. Die Kosten strengerer Regulierun­gen könnten aber Profitabil­ität und Cashflow gefährden. Davon wäre Heidelberg­Cement stärker betroffen, da sie einen grösseren Teil ihrer Einnahmen in Europa erzielt.

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Zementofen im Holcim-Werk Siggenthal: Beim Brennen des Klinkers entsteht viel CO2.

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