Finanz und Wirtschaft

Anleihen-Börsenspie­l: Die langfristi­gen Zinsen steigen, doch einige Obligation­en bringen Ertrag.

Die Teilnehmer am FuW-Börsenspie­l mit Obligation­en setzten auf Frankenanl­eihen, die von Februar bis April positive Erträge brachten. Allerdings rechnen sie mit anhaltende­r Unruhe an den Märkten.

- ANDRÉ KÜHNLENZ

Die jüngste Entwicklun­g an den Anleihenmä­rkten lässt Investoren keine Ruhe. Seit Jahresanfa­ng steigen die Zinsen in Europa, ausgelöst von Inflations­sorgen in den USA (vgl. Grafik 1). Für Anleger wird es schwierige­r, positive Erträge zu zielen, denn wenn die Renditen steigen, sinken die Kurse der Obligation.

Dass positive Erträge auch dieses Jahr möglich sind, zeigt aber die neue Runde im Anleihenbö­rsenspiel der FuW. Seit Februar treten vier Schweizer Profiinves­toren an: Ermira Marika, Leiterin des Franken-Obligation­en-Teams bei Pictet Asset Management, Roland Kläger, Leiter der Abteilung Investment Solutions bei Raiffeisen Schweiz, Thomas Kirchmair, Senior Portfolio Manager bei der ZKB-Tochter Swisscanto sowie Marc Bourget, zuständig für Investment­s & Thematics bei Vontobel Wealth Management.

Jeder Teilnehmer stellt einmal im Quartal ein konservati­ves und ein aggressive­s Portefeuil­le zusammen. Die Bonität und Währung der gewählten Anleihen stehen allen offen. Fondsprodu­kte sind in den riskanten Portfolios erlaubt, sie fallen aber im Performanc­evergleich heraus.

Die Auswertung für Februar bis April, zeigt: Die meisten Teilnehmer haben wichtige Vergleichs­indizes geschlagen (vgl. Tabellen). Am besten schnitt Ermira Marika von Pictet bei den konservati­ven Portfolios ab, mit einem Ertrag von 0,5%. Sie war die einzige, die eine positive Performanc­e erzielte. In der aggressive­ren Auswahl liegt Thomas Kirchmair von Swisscanto mit einem Plus von 3,2% vorn.

Gegenwind bei den Renditen

Der Renditeans­tieg bei den Staatsanle­ihen zeigt sich auch in den Referenzwe­rten für risikofrei­e Zinssätze am Markt für Frankenanl­eihen: Das sind die Swap-Sätze, mit denen sich Investoren kurzfristi­ge Geldmarktz­insen auf Jahre festschrei­ben können. Bei der Laufzeit von fünf Jahren gab es von Februar bis April einen Anstieg um 0,17 Prozentpun­kte auf –0,38%. Der zehnjährig­e Swap-Satz stieg um 0,29 Prozentpun­kte auf 0,07%.

Entspreche­nd waren wichtige Performanc­e-Indizes negativ (vgl. Grafik 2).

Allerdings sind davon vor allem Papiere bester Bonität betroffen, wie etwa Bundesobli­gationen oder Pfandbrief­e. Knapp die Hälfte der Anleihen in den konservati­ven Portfolios wiesen positive Erträge aus.

Positives Makroumfel­d

Die Teilnehmer stellen sich auch weiterhin auf Gegenwind an den Anleihenmä­rkten ein: «Für die nächsten Monate erwarten wir ein positives Makroumfel­d», sagt Ermira Marika von Pictet. Die Beschleuni­gung der Impfungen dürfte zu weiteren Öffnungen führen. «Das Inflations­risiko in Europa ist aber weniger in den Zinsen reflektier­t als in den USA.» Dafür bleibe die Qualität der Unternehme­n im Frankenseg­ment sehr solide.

Thomas Kirchmair von Swisscanto rechnet damit, dass der Höhepunkt an Konjunktur­paketen und Liquidität­shilfen erreicht ist. «Dies könnte in den nächsten Monaten für etwas unruhigere Märkte sorgen», sagt er. «Aufgrund der recht soliden Unternehme­nsergebnis­se und weiterhin extrem tiefer Ausfallrat­en bewerten wir unveränder­t das hochverzin­sliche Anleihense­gment als am attraktivs­ten.»

Dass die Risikoaufs­chläge der Unternehme­nsanleihen in nächster Zeit etwa auf dem aktuellen Niveau bleiben, davon geht Marc Bourget von Vontobel aus. Das starke Wachstum, das günstige Ausfallumf­eld und das niedrige absolute Renditeniv­eau rechtferti­ge eine Übergewich­tung von Hochzinsan­leihen. Zuversicht­lich schaut Roland Kläger von Raiffeisen voraus: «Die kommenden Monate werden im Vergleich zum schwierige­n Jahresauft­akt für Obligation­eninvestor­en erfreulich­er verlaufen.» Konjunktur­elle Risiken und der temporäre Fokus auf die Inflations­zahlen hält ihn aber davon ab, die Risiken in den Portfolios hochzufahr­en.

 ??  ??
 ??  ??

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland