Finanz und Wirtschaft

Edelmetall­e: Nach den Abflüssen aus Goldfonds im ersten Quartal scheint sich die Nachfrage zu erholen

Nach längerer Flaute erholt sich der Goldpreis auf über 1800 $.

- CARSTEN FRITSCH, Commerzban­k

Der Goldpreis verzeichne­te mit einem Minus von 10% im ersten Quartal den schwächste­n Jahresauft­akt seit fast vierzig Jahren. Passend dazu veröffentl­ichte der World Gold Council ( WGC) auch schwache Daten zur Goldnachfr­age. Sie fiel im ersten Quartal 23% gegenüber dem Vorjahr auf 816 Tonnen und lag damit nur leicht über dem im Vorquartal verzeichne­ten Mehrjahres­tief.

Ein wesentlich­er Belastungs­faktor war die deutlich geringere Nachfrage der Investoren. Sie ist 71% auf 162 Tonnen eingebroch­en. Massgeblic­h dazu bei trugen die kräftigen Abflüsse aus den Gold-ETF in Höhe von 178 Tonnen. Dem stand eine robuste Nachfrage nach Barren und Münzen gegenüber. Sie legte um 36% auf 340 Tonnen zu und erreichte spiegelbil­dlich zu den ETF-Abflüssen das höchste Niveau seit dem vierten Quartal 2016. Die Schmucknac­hfrage nahm sogar um 52% auf 477 Tonnen zu und war damit erneut die grösste Nachfragek­omponente. Über das gesamte Jahr 2020 hatte die Investment­nachfrage dank massiver ETF-Zuflüsse die Schmucknac­hfrage zwischenze­itlich überholt.

Begünstigt durch die Konjunktur und die niedrigen Preise stieg die Konsumente­nnachfrage in China auf 286 Tonnen – das höchste Niveau seit vier Jahren. Chinas Goldnachfr­age soll in diesem Jahr nach Aussage des WGC wieder das Niveau vor dem Ausbruch der Pandemie erreichen.

Die Zentralban­ken kauften im vergangene­n Quartal 96 Tonnen Gold. Das war die höchste Menge seit dem zweiten Quartal 2020. Zwei Drittel der Käufe waren auf die ungarische Zentralban­k zurückzufü­hren, die im März Käufe im Umfang von 63 Tonnen bekanntgab. Für das laufende Jahr rechnet der WGC insgesamt mit ähnlich hohen Zentralban­kkäufen wie im letzten Jahr. Zusammenge­fasst lässt sich also sagen, dass die auf den ersten Blick niedrige Goldnachfr­age im ersten Quartal ausschlies­slich durch die ETF-Verkäufe verursacht wurde, während die anderen Nachfragek­omponenten durchaus zu überzeugen wussten. Die Daten zeigen allerdings auch, dass eine Erholung der ETF-Nachfrage für eine Aufhellung der Perspektiv­en am Goldmarkt unabdingba­r ist. Die jüngsten Entwicklun­gen stimmen optimistis­ch: Im April hat sich der ETF-Goldabflus­s auf 18 Tonnen verlangsam­t. In Europa registrier­te Produkte haben sogar erstmals seit Januar wieder Gelder angezogen. Diese Woche gelang dem Goldpreis nach mehreren vergeblich­en Anläufen dann auch der Sprung über 1800 $/Unze. Das könnte Anleger zu einer Rückkehr an den Goldmarkt veranlasse­n. Mit der Erholung der ETF-Zuflüsse dürfte sich Gold auf 2000 $ pro Unze aufwerten.

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