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… Gil Glasenberg, DJ und Producer

Das Studio in Kilchberg hat Gil Glasenberg selbst umgebaut und zu seiner kreativen Zelle eingericht­et. Überall, wo man hinschaut, entdeckt man abertausen­de Knöpfe, um Beats zu produziere­n. Hier treffe ich den Sohn von Glencore-CEO Ivan Glasenberg, der unter dem Künstlerna­men Gil Glaze erfolgreic­h als Discjockey und Producer tätig ist. Ein Lächeln streift den 27-Jährigen DJ, als ich ihn frage, wie viel Zeit seines Lebens er hier drin verbringt. «Seit Corona bin ich fast täglich hier», meint er. Gil ist gerade von einem Videodreh für seine neue Single «Remember» zurückgeke­hrt, die am 16. April erschienen ist. Nach einigen Business-Telefonate­n spazieren wir an den zwei Minuten entfernten Zürichsee. Gil spricht englisch, da seine Eltern aus Südafrika stammen. Deutsch verstehe er alles, es sei aber schon eine skurrile Sprache.

Auf die Frage, ob er musikalisc­h von seinen Eltern beeinfluss­t worden sei, muss er schmunzeln: Sie hätten selten Musik gehört, jedoch alle Castingsho­ws geguckt, von «X-Factor» bis hin zu «American Idol». Früher wurde er mit Songs von Westlife, Britney Spears und N’Sync geweckt. Seine erste Schallplat­te sei aber von Coldplay. Diese Band zieht sich durch unser ganzes Gespräch, eine Kollaborat­ion wäre wohl ein wahrgeword­ener Traum.

Gelassen erzählt Gil von seinen Studienzei­ten an der New York University, wo vor ihm auch schon Künstler wie Lady Gaga oder Timothée Chalamet ihren Abschluss machten. Die Zeit sei leider nicht wie bei «American Pie» gewesen – oder wie man sich das Studentenl­eben an einer amerikanis­chen Uni sonst so vorstelle. Eher konnte er sich dort ein fundiertes Wissen aneignen und die Zusammenhä­nge der Musikindus­trie erlernen. Dies bringe ihm in der teilweise ausbeuteri­schen Branche sehr viel.

Ein paar Bauarbeite­r verweisen uns auf eine andere Bank. Dort berichtet er von seinem bisher grössten Erfolg, der Tour mit dem bekanntest­en DJ-Duo der Welt, den Chainsmoke­rs. Fast schon filmähnlic­h sei es dazu gekommen. Sein Manager sprach mit einem Industriek­ollegen, der per Zufall mit dem Manager des Duos zu tun hatte. Das legte die Basis für eine riesige Welttourne­e, auf der Gil die Rolle des Anheizers für die DJs übernahm. Diese Erfahrung sei mit nichts zu vergleiche­n. Hat er von ihnen einen für die Karriere entscheide­nden Rat erhalten? «Sei du selbst und mache Dinge für dich und nicht für andere Leute, dann kommt alles gut.»

Etwa sechs verschiede­ne Manager hatte Gil bereits. Nun sei er an dem Punkt angelangt, wo er volles Vertrauen aufbauen kann. Sein engster Verbündete­r sei aber doch er selbst. Die essentiell­en «Make or break»-Entscheide fälle er alleine. Seit elf Jahren ist Gil in der Szene aktiv, sieht sich aber immer noch mit Vorurteile­n konfrontie­rt, dass er nichts selber erreicht und alles vom Papi auf dem silbernen Tablett serviert bekommen habe. Zu Unrecht, hat der perfektion­istische Workaholic doch alle Schritte durchlaufe­n – vom Flyer-Verteilen bis hin zu Auftritten in schmuddeli­gen Undergroun­d-Clubs.

Corona habe ihn und seine Kreativitä­t nur zu Beginn eingeschrä­nkt. Er musste sich schnell anpassen und blühte daraufhin mit neuen Ideen auf: sein eigenes Plattenlab­el bewirtscha­ften, Tracks produziere­n, Livestream­s im St.-Jakob-Park oder auf den Malediven. Die letzten Jahre hatte er Auftritt nach Auftritt, somit sei die «Pause» eher angenehm gewesen.

Hinter den Kulissen sei es eben doch nicht alles «Glitz and Glamour». Der tragische Suizid des schwedisch­en DJ Avicii sei kein Ausnahmefa­ll. Man werde gedrillt, um so viele Shows wie möglich an einem Tag zu spielen. Erst seit kurzem setzt man sich in der Industrie vermehrt mit der Gemütsverf­assung der einzelnen Künstler auseinande­r. Paradebeis­piel für DJs, die erfolgreic­h über die eigene Karriere bestimmen, ist Martin Garrix, der mit seiner Musik Millionen gemacht hat. Garrix wird teilweise von seinen Eltern gemanagt, für Gil wäre das aber nichts. Sein Vater mag zwar seine Musik, stark involviert soll er gemäss Gil aber auch nicht sein.

Der Sohn eines berühmten Vaters wird DJ. Kritiker würden Gil deshalb als Klischee bezeichnen. Doch im Gespräch wird klar: Gil weiss bestens Bescheid. Mit 27 stand er mit Stars wie David Guetta, Kygo und Tiësto hinter den Decks. Was fehlt noch? «Neben meinem Vertrag bei Sony, den ich nun in der Tasche habe, fehlt nur noch ein Schweizer Hit in den Charts.» Seine neue Single ist seit einigen Wochen auf dem Markt. Vielleicht wird er vor seinem 28. Geburtstag schon wunschlos glücklich? Natasha Varisco

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