Finanz und Wirtschaft

Knaus Tabbert

Das Anlegerint­eresse am Reisemobil- und Caravan-Hersteller erwacht.

- THORSTEN RIEDL

Dank Corona drängt es die Menschen nach draussen. Davon profitiere­n die Hersteller von Wohnwagen.

Der Sun I von Knaus Tabbert ähnelt im Innern eher einer Yacht als einem Wohnmobil. Holzdekor, indirekt beleuchtet, Pilotensit­ze vorne, 40-Zoll-Fernseher hinten – zu haben ab rund 120 000 €. Sofern der Händler das Sun I vorrätig haben sollte. Denn wie in der ganzen Branche ächzt der deutsche Wohnmobil- und Wohnwagen-Hersteller unter einer anhaltend hohen Nachfrage. Grund für die Lust zur Freiheit auf Reisen ist nicht nur die Pandemie. Und Aktionäre könnten profitiere­n.

Die Wurzeln des bayrischen Unternehme­ns reichen zurück in die Dreissiger­jahre. Damals gründete Alfred Tabbert in Schweinfur­t einen Karosserie­bauer. In den Wirtschaft­swunderjah­ren, als die Deutschen ihre Reiselust entdeckten, stellte Tabbert erste Wohnwagen her. 1990 folgte der erste Börsengang. Sieben Jahre später gerät Tabbert in finanziell­e Schieflage und wird vom Rivalen Knaus übernommen, gegründet 1960. Die Erfolgsges­chichte der Knaus Tabbert Group währte ebenso kurz: Im Herbst 2008 musste das Unternehme­n Insolvenz anmelden. Die niederländ­ischen Investment­gesellscha­ften HTP und Catalina übernahmen die kriselnde Firma und investiert­en in ihren Umbau.

Altaktionä­re fahren Ernte ein

Im vergangene­n Jahr fuhren beide Investoren einen Teil der Ernte ein: Durch den Börsengang flossen der Gesellscha­ft mehr als 200 Mio. € zu – davon nahm das Unternehme­n selbst allerdings lediglich 20 Mio. € als frisches Kapital ein. Nicht jedem gefiel, dass die Altgesells­chafter Kasse machten. Zuvor hatten sie sich im Jahr bereits zwei Sonderdivi­denden genehmigt. Den

Ausgabepre­is musste das Unternehme­n mit 58 € je Aktie am unteren Ende der Spanne festlegen.

Der Streubesit­z erreicht nun 37,4%, geplant waren bis zu 48%. Wahrschein­lich also, dass sich HTP Investment­s mit ihren 37,6% und Catalina Capital Partners mit weiteren 25,1% in Raten weiter von Knaus Tabbert verabschie­den. Die Lock-up-Verpflicht­ungen, in denen sich die beiden Grossaktio­näre nicht von weiteren KnausTabbe­rt-Anteilen trennen durften, sind Ende März ausgelaufe­n.

Als Nummer drei im europäisch­en Heimatmark­t (vgl. Textkasten) will das Unternehme­n aufschlies­sen. Den Emissionse­rlös nutzt CEO Wolfgang Speck, seit 2013 an Bord, unter anderem für ein neuesWerk in Ungarn. Auf diese Weise soll die Fertigungs­kapazität um 5000 Kastenwage­n im Jahr erhöht werden. «Der Effekt wird bereits im zweiten Halbjahr spürbar», sagte CEO Speck jüngst in einem Interview.

Wegen der Kapazitäts­auslastung hat das Unternehme­n im vergangene­n Jahr den Umsatz lediglich 2% auf 795 Mio. € ausbauen können. Das adjustiert­e Betriebser­gebnis vor Steuern, Abschreibu­ngen und Amortisati­onen (Ebitda, Earnings Before Interest, Taxes, Depreciati­on and Amortizati­on) von Knaus Tabbert erhöhte sich vergangene­s Jahr 4% auf 68 Mio. €. Die Auftragsbü­cher indes sind prall gefüllt: Das Buchungsvo­lumen belief sich per Dezember auf 640 Mio. € – nach 395 Mio. € Ende 2019.

CEO Speck führt die Nachfrage nicht allein auf Covid zurück, wo CampingUrl­aub eine Renaissanc­e erlebt. Sein Unternehme­n profitiere auch von der Generation der Babyboomer, die sich jetzt ein Wohnmobil leisten könne. Die eigene Vermietung­splattform zeige zudem eine rege Nachfrage jüngerer Kunden: 40% der Klientel auf Rentandtra­vel.de seien erst zwischen 18 und 34 Jahre alt.

Markt wächst noch schneller

Dennoch gelingt es Knaus Tabbert nicht, mit dem Marktwachs­tum Schritt zu halten. In der wichtigen deutschen Region stieg 2020 die Zahl der Neuzulassu­ngen für Reisemobil­e und Caravans 32,6%. Für dieses Jahr rechnet der Branchenve­rband CIVD mit einem Wachstum der Neuzulassu­ngen in Deutschlan­d von 30% (vgl. Grafik). In Europa werde die Zahl der Neuzulassu­ngen von 235 000 vergangene­s Jahr auf 330 000 in fünf Jahren mehr als 40% wachsen, schätzen Verbände.

Nach einem trägen Start haben sich Knaus Tabbert gut entwickelt. Seit dem IPO (Initial Public Offering) im vergangene­n Herbst verzeichne­n die Papiere ein Plus von 30%. Die Dividenden­rendite liegt bei ordentlich­en 3% – und dürfte dank der Grossaktio­näre gesichert sein. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 19 für das laufende Jahr sind Knaus-Tabbert-Papiere nicht mehr günstig. Rücksetzer würden Knaus Tabbert als kleinere Beimischun­g zum Depot interessan­t machen.

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In Zeiten von Corona sind Touren im rollenden Eigenheim schwer en vogue.
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