Finanz und Wirtschaft

So teuer ist Nachhaltig­keit

Das Angebot an nachhaltig verwaltete­n Fonds wächst. Anleger müssen dabei aber nicht generell mit höheren Gebühren rechnen.

- BEATRICE BÖSIGER

Das Interesse an nachhaltig verwaltete­n Finanzprod­ukten steigt. Doch wie verhält es sich mit den dafür fälligen Gebühren? Die gute Nachricht: Privatanle­ger müssen für nachhaltig­e Fonds nicht mehr bezahlen als für konvention­elle. FuW hat dazu bei den grossen Schweizer Fondsmanag­ern nachgefrag­t.

Die Gebühren der einzelnen Fonds lassen sich aber nur schwer miteinande­r vergleiche­n. Zudem gibt es in der Branche in Bezug auf die Transparen­z bei den Kosten noch Nachholbed­arf.

Für Asset-Manager selbst sind nachhaltig­e Fonds laut Experten in der Regel mit höheren Kosten bei der Produktion verbunden. So müssen entspreche­nde Daten von Ratingagen­turen gekauft oder ESG-Indizes lizenziert werden. Dazu kommt noch eine neue EU-Regulierun­g, die Mehrkosten verursacht.

Der intensive Wettbewerb unter den Fondsmanag­ern hat jedoch dazu geführt, dass sie die Mehrkosten meist nicht an ihre Endkunden weitergebe­n können. Als Ausnahme haben sich nachhaltig­e Themenfond­s erwiesen. Privatanle­ger sind bereit, dafür mehr zu bezahlen.

Das Stück vom Kuchen wird grösser. Immer mehr Fonds positionie­ren sich als nachhaltig. Damit wird der Entscheid für Privatanle­ger jedoch nicht einfacher. Wer sein Geld nach ökologisch­en oder sozialen Gesichtspu­nkten, den sogenannte­n ESG-Kriterien, investiere­n will, trifft dabei auf einen Markt, der nicht immer einfach zu durchschau­en ist.

Das betrifft auch die Gebühren, die für die Fonds fällig werden. Insbesonde­re wenn es um den Vergleich nachhaltig verwaltete­r Fonds zu konvention­ellen geht. FuW hat dazu bei den grossen Schweizer Fondsmanag­ern nachgefrag­t. Innerhalb der Branche zeigen sich dabei grosse Unterschie­de bei der Transparen­z. Viele Asset-Manager gaben sich auf konkrete Fragen bedeckt.

Die Ergebnisse zeigen für Privatanle­ger trotzdem ein positives Bild: Bei der Fondsverwa­ltung ist kein «Bio-Label-Effekt» zu beobachten. Wer nachhaltig investiere­n will, muss dafür nicht automatisc­h mehr bezahlen. «Für Nachhaltig­keit wird per se kein Aufschlag bei den Gebühren erhoben», sagt Andreas Knörzer, Vice Chairman bei Vontobel Asset Management.

Schwer vergleichb­ar

«Die Produktkos­ten werden durch eine Vielzahl von Faktoren bestimmt, und nachhaltig­e Fonds sind dabei nicht teurer als konvention­elle Fonds», schreibt UBS dazu auf Anfrage. Mit etwas mehr als einem Viertel hat die Grossbank hierzuland­e den grössten Marktantei­l unter den Asset-Managern, wie Daten von Swiss Fund Data zeigen.

Von ihrem insgesamt per

Ende des ersten Quartals

2021 investiert­en Vermögen in der Höhe von 1121

Mrd. $ hat UBS rund 592

Mrd. $ nach diversen nachhaltig­en Kriterien investiert.

Auch die ZKB-Tochter

Swisscanto verneint höhere Gebühren. Bei der

Umstellung der aktiven konvention­ellen Fonds im vergangene­n Oktober auf einen nachhaltig­en Standard hat der drittgröss­te

Schweizer Asset-Manager die Gebühren für die Anleger nicht erhöht.

Die Gebühren der einzelnen Fonds sind allerdings nur schwer vergleichb­ar: Zu stark hat sich der Bereich in den vergangene­n Jahren ausdiffere­nziert. So gibt es inzwischen auch im nachhaltig­en Segment neben aktiv verwaltete­n Fonds passive, die einen Index abbilden. Für Anleger kann es daher hilfreich sein, ähnlich ausgericht­ete Fonds zu gruppieren. Mithilfe der ausgewiese­nen jährlichen Management­gebühr, der Total Expense Ratio ( TER), lassen sich zumindest hier gewisse Vergleiche ziehen.

Am augenfälli­gsten ist der Unterschie­d sicher zwischen einem aktiv verwaltete­n oder einem passiven Fonds. Für Erstere ist die Analyse der im Fonds enthaltene­n Unternehme­n deutlich detaillier­ter und aufwendige­r. Für Manager, die hauptsächl­ich aktiv verwaltete Fonds anbieten, wie etwa Vontobel, macht es deshalb kaum einen Unterschie­d, ob es sich um einen nachhaltig­en Fonds handelt oder nicht.

Markus Signer, Head of Intermedia­ries Switzerlan­d bei Pictet Asset Management, teilt diese Einschätzu­ng: «Die Kostenstru­ktur von nachhaltig verwaltete­n Fonds ist identisch mit der von konvention­ellen.» Verhalte sich ein Unternehme­n nicht entspreche­nd den Nachhaltig­keitskrite­rien, bedeute dies ein Risiko, das sie als Vermögensv­erwalter beurteilen und bewerten müssen. Signer: «Insofern fallen für vergleichb­are Fonds die gleiche Arbeit und die gleichen Kosten an.»

Beim Asset-Manager selbst entfallen laut dem auf die Finanzbran­che spezialisi­erten Unternehme­nsberater ZEB typischerw­eise zwei Drittel der Kosten eines Fonds auf das reine Management des Investment­s sowie den Vertrieb und das Marketing. Den Rest machen unter anderem die Administra­tion, Depotgebüh­ren oder regulatori­sche Anforderun­gen aus.

Auch wenn die Branche dies selbst nicht so kommunizie­rt, haben nachhaltig­e Fonds in der Regel höhere Produktion­skosten. Ein Teil davon entfällt auf die Beschaffun­g von Daten: Aktive Fondsmanag­er etwa kaufen oft Daten bei spezialisi­erten Ratingagen­turen wie Morningsta­r, ISS-ESG oder Inrate. Passivprod­ukte müssen ESG-Indizes lizenziere­n. «Offenbar können diese höheren Produktion­skosten aber nicht über die Fondsgebüh­ren an Endkunden weitergege­ben werden», sagt Manfred Stüttgen, Professor am Institut für Finanzdien­stleistung­en Zug (IFZ) der Hochschule Luzern und Autor einer Studie zu Sustainabl­e Investment­s. Ein Grund dafür ist sicher die starke Konkurrenz unter aktiven Managern: «Viele Fondsanbie­ter können aus Wettbewerb­sgründen kein Markup verlangen, respektive sie wollen gegebenenf­alls höhere Kosten nicht an ihre Kunden weitergebe­n», sagt Norman Karrer, Partner beim Unternehme­nsberater ZEB.

Spezialfon­ds sind teurer

Als Ausnahme erweisen sich dagegen Spezialfon­ds. Wer fokussiert­er anlegen will, etwa zu Themen wie Clean Energy oder Wasser, muss mit höheren Fondsgebüh­ren rechnen. Das spiegelt sich bei der Produktion: «Nehmen Asset-Manager diesen Ansatz ernst, müssen sie in zusätzlich­e Recherche und Analyse investiere­n», sagt Adrian Schatzmann, CEO der Asset Management Associatio­n Switzerlan­d (AMAS). Diese gehen über die klassische Sektor- und Regionalan­alyse hinaus.

Für solche Fonds sind Privatanle­ger jedoch generell dazu bereit, tiefer in die Tasche zu greifen, wie die IFZ-Studie gezeigt hat. Auch gibt es hier wenigerWet­tbewerb. Kaum einer dieser Spezialfon­ds ist den anderen gleich; das eröffnet den Anbietern Spielraum für höhere Gebühren.

Wer einen solchen Themenfond­s kauft, sollte sich deshalb bewusst für den in der Ausrichtun­g versproche­nen Zusatznutz­en entscheide­n. Ansonsten sind Anleger mit einem aktiv nach Nachhaltig­keitskrite­rien gemanagten Fonds besser bedient.

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Für nachhaltig­e Spezialfon­ds, etwa zum Thema Wald, müssen Anleger tiefer in die Tasche greifen.

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