Por­sche 928: Gu­ter Ver­lie­rer

Neue Zurcher Zeitung Sunday - - MOBILITÄT -

Es mag mich manch ei­ner für ei­nen Spin­ner hal­ten, doch wenn ich sa­ge, «ich bin mit mei­nem Au­to oft im Dia­log», stos­se ich auch auf Ver­ständ­nis. Wer näm­lich ein Mo­dell al­ter Mach­art fährt, weiss, was das heisst. Man fühlt, wie es dem Fahr­zeug geht, man re­det mit ihm und er­hält Feed­backs – und sei es in Form von be­ängs­ti­gen­den Ge­räu­schen. Mit mei­nem Por­sche 924 kom­me ich öf­ter ein­mal an ei­nem Ge­braucht­wa­gen­händ­ler vor­bei: «Schau mal, dein gros­ser Bru­der», sag ich dann, wor­auf mein Klei­ner bloss schweigt.

Un­se­re mü­den vier Au­gen er­fas­sen ei­nen 928er-Por­sche, Bau­jahr 1979. Gut sieht er aus, sehr gut so­gar – und mei­nem Ge­sprächs­part­ner ist die­ser auch nicht ge­ra­de un­ähn­lich.

Als die Zuf­fen­hau­se­ner ihr Gran­tu­ris­mo-Mo­dell 928 im März 1977 in Genf prä­sen­tier­ten, war die Eu­pho­rie rie­sig, sieht man von ewig­gest­ri­gen 911erJün­gern ab, de­nen die Häpp­chen aus dem Mund fie­len: ra­di­ka­le, ex­trem ele­gan­te Form, da­zu ein fet­ter 4,5 Li­ter fas­sen­der V-Acht­zy­lin­der-Front­mo­tor (240 PS), Ge­trie­be und Dif­fe­ren­zi­al im Heck. Die­sen Trick hat bei der Hälf­te an Zy­lin­dern und Leis­tung so­gar mein Haus­frau­en-Por­sche drauf, man nennt das Prin­zip «Tran­sax­le». Der Wa­gen hat fast die idea­le Ge­wichts­ver­tei­lung von 50 Pro­zent vorn und hin­ten. Ein Jahr nach der Pre­mie­re er­hielt Mo­dell 928 – der ab­sur­der­wei­se als Nach­fol­ger der Heck­feu­er-Iko­ne 911 auf­ge­baut wur­de – den Ti­tel «Au­to des Jah­res», für ei­nen Sport­wa­gen blieb die­ser Preis ein­ma­lig.

Im­mer­hin, bis 1995 wur­de er ge­baut, über den S4 bis zum GTS auf 5,4 Li­ter und 350 PS hoch­ge­züch­tet. Sehr sta­bi­les Fahr­ver­hal­ten, prä­zi­se Len­kung, viel Kom­fort auch auf Rei­sen – nein, der eins­ti­ge Ver­lie­rer der Kon­zern­stra­te­gie ist heu­te ein Ge­win­ner­typ, ein Ge­heim­tipp gar für Freun­de fei­ner Ol­dies und ex­zel­len­ter For­men. Und er sieht die ver­pass­te Ab­lö­sung des 911ers von da­mals längst selbst­iro­nisch: Mit sei­nen Klap­pau­gen (Schein­wer­fern) je­den­falls zwin­kert er. Ganz so wie mein 924er. Flo­ri­an Zobl

Stil­le Iko­ne: Der ver­meint­li­che 911-Kil­ler Por­sche 928 (1977–95).

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