Ka­na­da springt in die Bre­sche für Pa­läs­ti­nenser­hilfs­werk

Nach­dem die USA ih­re Zah­lun­gen ein­ge­stellt ha­ben, er­höht die ka­na­di­sche Re­gie­rung ih­re Fi­nanz­hil­fe.

Neue Zurcher Zeitung Sunday - - Aktuell - Vic­tor Mer­ten

Das Loch in der Kas­se des Uno­hilfs­werks für Pa­läs­ti­naflücht­lin­ge (UNRWA) ist gross. Ge­gen 300 Mil­lio­nen Dol­lar Fi­nanz­bei­trä­ge hat die Us-re­gie­rung An­fang Sep­tem­ber der Or­ga­ni­sa­ti­on ge­stri­chen. Doch jetzt kön­nen die Pa­läs­ti­nen­ser au­f­at­men – ein we­nig zu­min­dest: Ka­na­da hat am Frei­tag an­ge­kün­digt, es wer­de dem Hilfs­werk über zwei Jah­re um­ge­rech­net rund 38 Mil­lio­nen Dol­lar zur Ver­fü­gung stel­len.

Laut Marie-clau­de Bi­beau, Mi­nis­te­rin für in­ter­na­tio­na­le Ent­wick­lung, sol­len gut drei Vier­tel des Gel­des für Bil­dung, Ge­sund­heit und Le­bens­un­ter­halt der Flücht­lin­ge ein­ge­setzt wer­den. Der Rest kommt der me­di­zi­ni­schen Not­ver­sor­gung der 460 000 Pa­läs­ti­nen­ser in Sy­ri­en und in Li­ba­non zu­gu­te.

«Die­se neu­en Mit­tel für die UNRWA wer­den drin­gend be­nö­tigt, und sie wer­den der Or­ga­ni­sa­ti­on vor dem Hin­ter­grund wach­sen­der Be­dürf­nis­se vor Ort ei­ne ge­wis­se Vor­her­seh­bar­keit ver­schaf­fen», sag­te Bi­beau. Tat­säch­lich ist es für die UNRWA sehr schwie­rig ge­wor­den, ih­re Ar­beit im bis­he­ri­gen Um­fang fort­zu­set­zen. Die USA wa­ren bis­her der gröss­te Geld­ge­ber. Das Hilfs­werk er­bringt aber für rund 5 Mil­lio­nen pa­läs­ti­nen­si­sche Flücht­lin­ge im West­jor­dan­land und im Ga­za­strei­fen so­wie in Li­ba­non, Jor­da­ni­en und Sy­ri­en Di­enst­leis­tun­gen in Ge­sund­heits­ver­sor­gung, Bil­dung, So­zi­al­leis­tun­gen und In­fra­struk­tur. Pier­re Krä­hen­bühl, der Gen­fer UNRWA-CHEF, sag­te kürz­lich, das Geld rei­che nur noch bis Mit­te Ok­to­ber. Um bis En­de Jahr wei­ter­ar­bei­ten zu kön­nen, be­nö­ti­ge er noch un­ge­fähr 185 Mil­lio­nen Dol­lar.

Ver­schär­fend kommt hin­zu, dass die Us-re­gie­rung seit En­de Au­gust auch Di­rekt­hil­fe in Hö­he von 230 Mil­lio­nen Dol­lar für die pa­läs­ti­nen­si­sche Ver­wal­tung im Ga­za­strei­fen und im West­jor­dan­land so­wie 25 Mil­lio­nen Dol­lar für sechs Spi­tä­ler in Ost­je­ru­sa­lem ge­stri­chen hat. Im­mer­hin ver­spra­chen nam­haf­te Geld­ge­ber wie die EU, Deutsch­land, Gross­bri­tan­ni­en oder Ka­tar hö­he­re Bei­trä­ge.

Us-prä­si­dent Do­nald Trump be­grün­det sei­ne Här­te da­mit, dass die Pa­läs­ti­nen­ser nicht end­lich Hand bö­ten zu ei­nem Frie­den mit Is­ra­el. Als Haupt­grund da­für sieht er, dass die UNRWA nicht nur die 1948 Ver­trie­be­nen, die noch le­ben, als Flücht­lin­ge ein­stuft, son­dern auch de­ren Kin­der und En­kel. Da­mit po­chen Mil­lio­nen auf ein Rück­kehr­recht, das Is­ra­el ab­lehnt.

So hat Trumps Nah­ost­be­ra­ter und Schwie­ger­sohn Ja­red Kush­ner Jor­da­ni­en auf­ge­for­dert, den dort le­ben­den über 2 Mil­lio­nen Pa­läs­ti­nen­sern den Flücht­lings­sta­tus zu ent­zie­hen. Is­ra­els Vi­zeAus­sen­mi­nis­te­rin Tzi­pi Ho­to­vely er­klär­te am Frei­tag, ei­ne Stu­die ih­rer Re­gie­rung kom­me nur auf ei­ni­ge tau­send pa­läs­ti­nen­si­sche Flücht­lin­ge statt der von der UNRWA ge­zähl­ten 5 Mil­lio­nen.

Mäd­chen ei­ner UNRWA-SCHU­LE in Ost­je­ru­sa­lem. (10. 10. 2018)

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