«Re­pu­blik» steht vor Här­te­pro­be

Das On­line-magazin «Re­pu­blik» steckt in ei­ner heik­len Pha­se: Mit­grün­der ge­hen, die Re­dak­ti­on be­fin­det sich in ei­ner Re­or­ga­ni­sa­ti­on.

Neue Zurcher Zeitung Sunday - - Schweiz - Lau­ri­na Wal­ter­sper­ger

Der «Re­pu­blik» steht die bis jetzt gröss­te Prü­fung be­vor: Im Ja­nu­ar lau­fen 16 000 der rund 20 000 Mit­glied­schaf­ten aus. Min­des­tens die Hälf­te der Le­ser muss ihr Abon­ne­ment er­neu­ern, da­mit das On­line-magazin fort­be­steht. Das ist kein leich­tes Un­ter­fan­gen für die jun­ge Pu­bli­ka­ti­on.

Aus­ge­rech­net jetzt ver­las­sen vier Mit­glie­der der Ge­schäfts­lei­tung das Star­t­up. Vor we­ni­gen Ta­gen hat die «Re­pu­blik» den ers­ten Ge­schäfts­be­richt pu­bli­ziert. Das ne­ga­ti­ve Er­geb­nis sei im Rah­men des Bu­si­ness­plans, heisst es. Die Rech­nungs­le­gung zeigt, dass das jun­ge Un­ter­neh­men be­reits ei­nen or­dent­li­chen Bat­zen Geld ver­braucht hat und mit ei­ner 50-köp­fi­gen Be­leg­schaft ho­he Per­so­nal­kos­ten ver­zeich­net.

Ab­gang zur Un­zeit

Es ist ein de­li­ka­ter Zeit­punkt für ei­nen vier­fa­chen Ab­gang in ope­ra­tiv und stra­te­gisch wich­ti­gen Po­si­tio­nen des jun­gen Un­ter­neh­mens. Die Ge­schäfts­lei­tung ha­be den öko­no­mi­schen Bo­den für das Un­ter­neh­men ge­schaf­fen und die not­wen­di­gen ope­ra­ti­ven Pro­zes­se aus­ge­stal­tet, sagt die ab­ge­tre­te­ne Ge­schäfts­füh­re­rin Su­san­ne Su­gi­mo­to. Zu den Ge­rüch­ten stei­gen­der Un­stim­mig­kei­ten un­ter den Grün­dern sagt sie: «Es gab stän­dig Rei­bun­gen. Sie sind Teil der in­ter­nen De­bat­te.» Es sei­en aber stets al­le hin­ter dem Pro­jekt ge­stan­den.

Ne­ben Su­gi­mo­to ha­ben Fi­nanz­chef François Zos­so und die Grün­der Lau­rent Burst und Nad­ja Sch­netz­ler die «Re­pu­blik» ver­las­sen. Bis auf die Ge­schäfts­füh­rung sind die Stel­len neu be­setzt. Den­noch ver­liert die «Re­pu­blik» sub­stan­zi­el­les Wis­sen. Man ste­he den Nach­fol­gern wei­ter­hin für Aus­künf­te zur Ver­fü­gung, sagt Su­gi­mo­to. Sie über­nimmt ab No­vem­ber die Ge­schäfts­füh­rung des Thea­ters Ne­u­markt in Zü­rich. «Wenn das Kind lau­fen ge­lernt hat, muss man es ge­hen las­sen.»

Kann es das? Mit der Abo-er­neue­rung im Ja­nu­ar steht dem Star­t­up der gröss­te Stol­per­stein noch be­vor. Die Grün­der zei­gen sich zu­ver­sicht­lich, bei den Mit­glied­schaf­ten ei­ne Er­neue­rungs­quo­te von min­des­tens 50 Pro­zent zu er­rei­chen, avi­siert sind gar 66 Pro­zent. Ver­gleich­ba­re Me­di­en wie der nie­der­län­di­sche «Cor­re­spon­dent» hät­ten es vor­ge­macht. Den­noch: «Nie­mand an Bord ist sich nicht be­wusst, dass die ‹Re­pu­blik› ein Pro­jekt ge­gen die Wahr­schein­lich­keit war und ist», sagt Mit­grün­der Christof Mo­ser.

Trotz Zu­ver­sicht rüs­tet sich das Un­ter­neh­men für ei­ne har­te Lan­dung. Es be­rei­tet die zwei­te Fi­nan­zie­rungs­run­de vor. Der Mit­tel­be­darf sei ab­hän­gig von der Abon­nen­ten-ent­wick­lung im Ja­nu­ar, so Mo­ser. Nach der­zei­ti­gem Stand sei die Fi­nan­zie­rung bis Ju­li 2019 ge­si­chert. Trotz der gros­sen Un­be­kann­ten im Ja­nu­ar hält die «Re­pu­blik» am Ziel fest, nach den ers­ten drei Ge­schäfts­jah­ren ei­ne schwar­ze Null zu schrei­ben. Bes­ten­falls. Ma­xi­mal gibt sich das Star­t­up da­für fünf Jah­re. Beim Start im Ja­nu­ar leg­te das On­line-magazin mit rund sie­ben Mil­lio­nen Fran­ken los. Der Be­trag stamm­te zur Hälf­te aus dem Crowd­fun­ding so­wie von In­ves­to­ren und Spen­dern.

Der Ka­pi­tal­be­darf ist wei­ter­hin hoch. Des­halb löst das Un­ter­neh­men dem­nächst auch ei­nen noch aus­ste­hen­den Dar­le­hens­an­teil von ei­ner Mil­li­on Fran­ken ein. Das Geld stammt von den Ge­brü­dern Mei­li; sie sind die gröss­ten Geld­ge­ber der «Re­pu­blik». Erst kürz­lich hat das Star­t­up fast ei­ne hal­be Mil­li­on Fran­ken in die Lan­cie­rung sei­nes Feuille­tons in­ves­tiert – und es sucht nach wei­te­ren Stif­tungs­gel­dern für die lau­fen­de Fi­nan­zie­rung die­ses Pro­jek­tes. Seit kur­zem hat die Re­dak­ti­on ein In­land­team. Die nächs­ten gros­sen Ar­ti­kel sind an­ge­kün­digt, im No­vem­ber star­tet ei­ne neue Staf­fel des Tv-for­mats «An der Bar».

Pu­bli­zis­tik muss auf­ho­len

Da­mit setzt die Re­dak­ti­on zur Of­fen­si­ve an. Die­se kommt spät. Ei­gent­lich woll­ten die Jour­na­lis­ten die­sen Herbst pu­bli­zis­tisch auf vol­ler Flug­hö­he sein, be­vor die Le­se­rin­nen im Ja­nu­ar über ih­re Abos ent­schei­den. Doch es kam zu Ver­zö­ge­run­gen. Die ba­sis­de­mo­kra­ti­schen Pro­zes­se sei­en in­ef­fi­zi­ent, teil­wei­se zer­mür­bend, heisst es aus der Re­dak­ti­on. Das füh­re zu Rei­bungs­ver­lus­ten. Zu viel Frei­heit ver­hin­de­re den Fo­kus. Pro­zes­se sei­en un­klar, was pu­bli­zis­tisch in ei­ne ge­wis­sen Be­lie­big­keit mün­de. Der Ver­wal­tungs­rat griff im Au­gust ein und stell­te der Re­dak­ti­on ei­nen Coach zur Sei­te. Die Or­ga­ni­sa­ti­ons­be­ra­te­rin Eli­sa­beth Mi­chel Alder soll die un­ter­schied­li­chen Ar­beits­kul­tu­ren zwi­schen Jour­na­lis­ten, It-ent­wick­lern und Com­mu­ni­ty­Ex­per­ten bes­ser ver­schrän­ken. An­stel­le ei­nes ro­tie­ren­den Chef­re­dak­tors wird bald ei­ne Co-chef­re­dak­ti­on er­nannt. Ein Vor­schlag des Ver­wal­tungs­ra­tes liegt vor.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.