Der Tod ei­nes Jour­na­lis­ten wird wohl we­nig än­dern

Neue Zurcher Zeitung Sunday - - Meinungen - Gorda­na Mi­juk

Noch gibt es kei­ne Fak­ten. Noch sind es bloss Ver­mu­tun­gen. Doch soll­te sich be­wahr­hei­ten, dass Ri­ad den Jour­na­lis­ten Ja­mal Khas­hog­gi im kö­nig­li­chen Kon­su­lat in Istan­bul bru­tal er­mor­den liess, wä­re dies ein wei­te­rer Be­leg da­für, wie re­pres­siv Mo­ham­med bin Sal­man Sau­di­ara­bi­en re­giert. Dar­an än­dern auch die von ihm an­ge­stos­se­nen Wirt­schafts­re­for­men und neu­en Frei­hei­ten für Frau­en nichts. Die Er­mor­dung wä­re aber auch ein wei­te­rer Be­leg da­für, dass Wa­shing­ton den im­pul­si­ven und un­be­re­chen­ba­ren Macht­ha­ber schal­ten und wal­ten lässt. Der 33-Jäh­ri­ge weiss, dass er von Us-prä­si­dent Do­nald Trump we­nig be­fürch­ten muss. Und er lo­tet die­se Frei­heit kalt­blü­tig aus, sei es, in­dem er Kri­ti­ker fol­tert und in­haf­tie­ren lässt, sei es, dass er ei­nen blu­ti­gen Stell­ver­tre­ter­krieg in Je­men führt oder ei­nen Staat wie Ka­tar iso­liert, weil er ihm gera­de et­was zu mäch­tig wird. Von Wa­shing­ton und vom Wes­ten kommt we­nig Kri­tik, ge­schwei­ge denn Ta­ten. Wird der Fall Khas­hog­gi dar­an et­was än­dern? Kaum. Dies, auch wenn in die­sem Fall ei­ni­ge Us-po­li­ti­ker sich Sank­tio­nen ge­gen den Golf­staat wün­schen und Wirt­schafts­ka­pi­tä­ne sym­bol­träch­tig Rei­sen nach Ri­ad ab­bla­sen. Klar ist, die USA wer­den den Sau­di wei­ter­hin Waf­fen ver­kau­fen und sie im Na­hen Os­ten als Al­li­ier­te ge­gen den Erz­feind Iran ein­set­zen.

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