Auch Po­li­ti­ker müs­sen für ih­re Rech­te ein­ste­hen dür­fen

Neue Zurcher Zeitung Sunday - - Meinungen - Andrea Kuče­ra

Po­li­ti­ker müs­sen mit gu­tem Bei­spiel vor­an­ge­hen, sonst ver­lie­ren sie ih­re Glaub­wür­dig­keit. In­so­fern ist es zu be­grüs­sen, dass die Par­tei­en nach den Fäl­len Zup­pi­ger, Mo­ret und Mau­det ih­re Bun­des­rats­kan­di­da­ten künf­tig ge­nau­er un­ter die Lu­pe neh­men wol­len. Auch die Wal­li­ser Na­tio­nal­rä­tin Vio­la Am­herd, die in ei­nen Rechts­streit mit der Fir­ma Al­piq In­tec ver­wi­ckelt ist und in ers­ter In­stanz ver­lo­ren hat, ist der Prü­fungs­kom­mis­si­on der CVP wei­te­re An­ga­ben schul­dig – soll­te sie denn kan­di­die­ren. Al­piq In­tec for­dert von den Am­her­der­ben 250 000 Fran­ken zu­rück. Die Streit­sum­me ist kei­ne Lap­pa­lie. Aber man muss die Di­men­sio­nen wah­ren: Es ist ein Streit zwi­schen Pri­va­ten, kein Straf­rechts­fall. Ein sol­ches zi­vil­recht­li­ches Ver­fah­ren darf nicht über­be­wer­tet wer­den. Am­herd hat das Recht, in Be­ru­fung zu ge­hen, auch als Bun­des­rats­kan­di­da­tin. Der Rechts­streit darf nicht zum Stol­per­stein wer­den. Es gibt Leu­te, die sa­gen, Ge­wähl­te soll­ten im Zwei­fels­fall nicht al­le Rechts­mit­tel aus­schöp­fen. Im Um­kehr­schluss wür­de die­se Hal­tung aber be­deu­ten, dass Po­li­ti­ker er­press­bar wür­den. Ih­re Geg­ner müss­ten nur mit dem Gang vor Ge­richt dro­hen, schon knick­ten sie ein. Der Rechts­staat ist für al­le da. Auch für Po­li­ti­ker.

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