«Die Mit­ar­bei­ten­den sind kei­ne Tä­ter»

Neue Zurcher Zeitung Sunday - - Leserbriefe -

«Metz­ge­rei­en rüs­ten sich ge­gen ra­di­ka­le Ve­ga­ner»

NZZ am Sonn­tag vom 7. Ok­to­ber

Als Be­wil­li­gungs­in­ha­ber und Ver­tre­ter des Or­ga­ni­sa­ti­ons­teams der mo­nat­li­chen Schlacht­haus-nacht­wa­chen in Zü­rich möch­te ich rich­tig­stel­len, dass al­le neu­en Teil­neh­men­den dar­auf auf­merk­sam ge­macht wer­den, dass für uns die Mit­ar­bei­ten­den kei­nes­falls Tä­ter, son­dern auch Op­fer und kei­nes­falls die gros­sen Pro­fi­teu­re der täg­li­chen Tier­tö­tun­gen sind. Uns ist nicht be­kannt, dass je­mand ge­gen die­sen Ko­dex ver­stos­sen hät­te, wie im Be­richt ge­schrie­ben wur­de.

Da die­se täg­li­chen Fahr­ten in den Tod mit Schrei­en, mehr oder we­ni­ger gro­bem Hin­ein­trei­ben in den To­des­trakt und gar die manch­mal von aus­sen sicht­ba­ren Auf­hän­gun­gen von noch zap­peln­den Tie­ren an den Bei­nen ein­fach nicht mehr sein dür­fen, sind be­reits wö­chent­li­che Kund­ge­bun­gen ge­plant. Da es un­rea­lis­tisch ist, die wah­ren Schul­di­gen zum Um­den­ken zu be­we­gen, muss aber schon jetzt drin­gend da­zu auf­ge­for­dert wer­den, auf jeg­li­che Tier­pro­duk­te zu ver­zich­ten.

Re­na­to Werndli, Eich­berg (SG)

Der Ar­ti­kel spricht ei­ni­ge durch­aus le­gi­ti­me For­de­run­gen an die Land­wirt­schaft aus. Da sind zum ei­nen die nicht ak­zep­ta­blen Be­din­gun­gen in der Mas­sen­tier­hal­tung, wel­che per Ge­setz ver­bo­ten wer­den soll­ten. Die Kon­su­men­ten müs­sen dann aber auch be­reit sein, mehr für sol­che Le­bens­mit­tel zu be­zah­len, was wohl zum Pro­blem wer­den könn­te, ob­wohl noch nie so we­ni­ge Pro­zent vom Lohn für Nah­rungs­mit­tel auf­ge­wen­det wer­den muss­ten wie heu­te.

Ei­ni­ge Ar­gu­men­te die­ser mi­li­tan­ten Ve­ga­ner sind aber auch sehr frag­wür­dig. So ist der Mensch schlicht kein Ve­ga­ner, son­dern ein Al­le­ses­ser. Ve­ga­ner müs­sen denn auch Nah­rungs­er­gän­zun­gen zu sich neh­men, um ei­nem Man­gel vor­zu­beu­gen. Aus­ser­dem ist es kaum mög­lich, durch ve­ga­ne Er­näh­rung das Pro­blem der glo­ba­len Er­näh­rungs­si­che­rung zu lö­sen, denn es müss­ten noch mehr Flä­chen land­wirt­schaft­lich ge­nutzt wer­den, was in­ten­si­ve Acker­land­be­bau­ung und ei­nen wei­te­ren Ver­lust der Bi­o­di­ver­si­tät be­deu­ten wür­de.

Urs Tho­mann, Rus­wil (LU)

Ich wüss­te nicht, war­um Ve­ga­ner ra­di­kal oder mi­li­tant sein soll­ten. Ei­ner­seits wol­len wir die Leu­te dar­über auf­klä­ren, wie die Um­welt un­ter dem Fleisch­kon­sum lei­den muss. Und an­de­rer­seits dar­über, dass 98 Pro­zent der Fleisch­pro­duk­te aus der Mas­sen­tier­hal­tung stam­men. Es soll­ten sich ein­fach ein­mal mehr Leu­te dar­über Ge­dan­ken ma­chen, zu­min­dest we­ni­ger tie­ri­sche Pro­duk­te zu sich zu neh­men. Das ist ein klei­ner, aber auch sehr gu­ter Schritt. An­ge­li­ca Ki­en­ba­cher

Auf Fleisch und Fisch kann ich (meis­tens) ver­zich­ten. Der Ver­zicht auf Milch­pro­duk­te, auf Eier und auf Le­der fällt mir schon viel schwe­rer. Was den idyl­li­schen Bau­ern­hof von einst be­trifft, so er­in­ne­re ich mich als eif­ri­ge Land­dienst­le­rin auf dem 300-jäh­ri­gen Hof, dass es da nur den frei lau­fen­den Hüh­nern gut­ging – dass die bei­den al­ten Pfer­de, die Kü­he, Käl­ber und Schwei­ne nie Aus­lauf auf Wie­sen hat­ten und die Ka­nin­chen stets in ih­ren en­gen Git­ter­kä­fi­gen sas­sen, das ist mir da­mals schon aufgefallen. Der so­ge­nann­te Gras­bau­er woll­te sich sei­ne schö­nen Wie­sen nicht zer­tram­peln las­sen. Auch die Men­schen auf dem Hof leb­ten sehr karg: Flies­sen­des Was­ser gab es nur draus­sen am Brun­nen. Ge­kocht und ge­heizt wur­de mit Holz. Un­ter­ge­bracht wur­de ich in ei­nem «Ga­den», wel­cher kaum mehr als ein Ver­schlag un­term Dach war. Das war vor mehr als 50 Jah­ren – Men­schen- und Tier­hal­tung ha­ben seit­her doch ei­ni­ge Fort­schrit­te ge­macht. Ich glau­be nicht, dass wir das Na­tur­ge­setz der Nah­rungs- und Ent­wick­lungs­py­ra­mi­de ge­ne­rell aus­ser Kraft set­zen kön­nen. Selbst­ver­ständ­lich sol­len Tier­hal­tung und Schlacht­hö­fe aber so stress- und schmerz­frei wie mög­lich wer­den. Bet­ti­na Ha­ckel

Ak­ti­vis­tin­nen von 269 Li­bé­ra­ti­on Ani­ma­le. (15. April 2017)

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