UBS – Von der Cham­pi­ons Le­ague in die Eu­ro­pa Le­ague

Neue Zurcher Zeitung Sunday - - Anlagefonds - Ue­li Kneu­büh­ler

Dies war ei­ne schlech­te Wo­che für die UBS. Die Ak­tie fiel um 6,2% ver­gli­chen zu 4,2% bei SMI. Vor al­lem aber be­gann in Pa­ris der Pro­zess, in der die Schwei­zer Gross­bank vom fran­zö­si­schen Staat il­le­ga­le An­wer­bung von Kun­den auf fran­zö­si­schem Bo­den, Geld­wä­sche­rei von Er­trä­gen auf Steu­er­be­trug und Bei­hil­fe zu Steu­er­be­trug vor­ge­wor­fen wird. Die ers­ten An­trä­ge der Ver­tei­di­gung zu pro­ze­du­ra­len Fra­gen wur­den von der Rich­te­rin ab­ge­wie­sen. Der UBS droht ei­ne Bus­se von

5 Mrd. € (5,7 Mrd. Fr.). Die Rück­stel­lun­gen für Rechts­fäl­le der UBS be­tra­gen ge­mäss dem Be­richt über das zwei­te Quar­tal al­ler­dings bloss 2,4 Mrd. Fr.

Da­bei ist die UBS auch in den USA noch an­ge­klagt – we­gen an­geb­li­cher Ma­ni­pu­la­tio­nen bei Hy­po­the­kar­ver­brie­fun­gen. Die UBS äus­sert sich nicht zu den ein­zel­nen Rück­stel­lun­gen, da sie «nicht über die Hö­he ei­ner mög­li­chen Bus­se spe­ku­lie­ren» will. Am 25. Ok­to­ber wird die gröss­te Schwei­zer Bank die Zah­len für das drit­te Quar­tal vor­le­gen, da wird sich zei­gen, ob sie die Rück­stel­lun­gen er­höht hat.

Cou­rant nor­mal

Doch nicht nur die­se Wo­che hat die UBSAk­tie an Wert ver­lo­ren, seit An­fang Jahr ging der Kurs um 16% zu­rück, ver­gli­chen zu 8% des SMI, und seit drei Jah­ren hat die Ak­tie gar über ein Vier­tel ih­res Wer­tes ein­ge­büsst. Über­ra­schend ist, dass trotz die­ser Ne­ga­tiv­per­for­mance bei der UBS Cou­rant nor­mal herrscht.

Die Bank hat seit ih­rer gröss­ten Kri­se vor zehn Jah­ren ih­re Am­bi­tio­nen mas­siv her­un­ter­ge­fah­ren. Noch 2009 hat­te der da­ma­li­ge UBS-CHEF Os­wald Gr­ü­bel für 2014 ei­nen Jah­res­ge­winn von 15 Mrd. Fr. pro­gnos­ti­ziert. Die Rea­li­tät sieht an­ders aus. Für 2017 wies die Bank ei­nen Ge­winn von le­dig­lich 1,2 Mrd. Fr. aus. Die Bank be­grün­de­te die­ses ent­täu­schen­de Er­geb­nis da­mit, dass sie in den USA we­gen Trumps Steu­er­sen­kun­gen 2,9 Mrd. Fr. auf ih­ren Steu­er­gut­schrif­ten hat­te ab­schrei- Ser­gio Er­mot­ti hat so­eben sein sieb­tes Jahr als CEO der UBS an­ge­tre­ten. So lan­ge hat noch kein Ma­na­ger die gröss­te Schwei­zer Bank ge­lei­tet. (Sin­ga­pur, 17. Sep­tem­ber 2018) ben müs­sen. Nur: Es gibt je­des Jahr aus­ser­or­dent­li­che Er­trä­ge oder Auf­wän­de, und selbst oh­ne die­sen Ab­schrei­ber wä­re das Er­geb­nis nicht her­aus­ra­gend ge­we­sen. Zum Ver­gleich: Am Frei­tag hat JP Mor­gan ih­ren Quar­tals­ge­winn mit 8,4 Mrd. $ an­ge­ge­ben. Bei der UBS geht man von ei­nem Ge­winn von 1 Mrd. Fr. für das drit­te Quar­tal aus.

Der Re­kord-mann

Die UBS spiel­te vor der Fi­nanz­kri­se und ih­rer Ret­tung durch den Bund in der­sel­ben Li­ga wie die Us-ban­ken. Doch wäh­rend un­ter Ver­wal­tungs­rats­prä­si­dent Mar­cel Os­pel und CEO Pe­ter Wuf­fli um je­den Preis Wachs­tum an­ge­strebt wur­de, strebt Ser­gio Er­mot­ti nach Kon­ti­nui­tät und Si­cher­heit. Er ist im Ge­gen­satz zu sei­nen zahl­rei­chen Vor­gän­gern kein Mann der lau­ten Tö­ne. Da­für hat er jetzt sein sieb­tes Jahr als CEO der UBS be­gon­nen und ist da­mit nicht nur Re­kord­hal­ter in der 21-jäh­ri­gen Ge­schich­te der Bank. Er­mot­ti hat auch im­mer noch die Chan­ce, als ers­ter CEO der Bank un­ter nor­ma­len Um­stän­den zu­rück­zu­tre­ten. Mar­cel Os­pel wech­sel­te ins Ver­wal­tungs­rats­prä­si­di­um, nach­dem Ma­this Ca­bi­al­la­vet­ta zum Rück­tritt ge­zwun­gen wor­den und Alex Krau­er zu­rück­ge­tre­ten war. Lu­q­man Ar­nold, Pe­ter Wuf­fli und Mar­cel Roh­ner muss­ten ih­ren Sitz als CEO un­frei­wil­lig räu­men, und Os­wald Gr­ü­bel über­nahm die Ver­ant­wor­tung im Fall des Ubs-händ­lers Kwe­ku Ado­bo­li, der ei­nen Ver­lust von rund 2 Mrd. Fr. ver­ur­sacht hat­te, und ver­liess die Gross­bank.

Doch auch Er­mot­ti kennt das Po­wer-ga­me. So ent­mach­te­te er in der Kon­zern­lei­tung zwei wich­ti­ge Mit­spie­ler. Lukas Gäh­wi­ler, der Ubs­schweiz-chef, wur­de 2016 nach sechs Jah­ren zum Vor­sit­zen­den der Re­gi­on Schweiz weg­be­för­dert. Nach­fol­ger wur­de Mar­tin Bles­sing von der Com­merz­bank. En­de 2017 muss­te Jürg Zelt­ner sei­nen Stuhl räu­men. Er war seit 2009 Chef der Ver­mö­gens­ver­wal­tung ge­we­sen. Bles­sing wech­sel­te in die Ver­mö­gens­ver­wal­tung und lei­tet ge­mein­sam mit Tom Na­ra­til, dem frü­he­ren Fi­nanz­chef, die welt­wei­te Ver­mö­gens­ver­wal­tung.

Zieht man ei­ne Zwi­schen­bi­lanz der Ära Er­mot­ti, stellt man fest, dass er die Bank auf ei­nen ru­hi­ge­ren Pfad ge­führt hat – man­che spre­chen von ei­ner «lang­wei­li­gen» Bank, doch für die Mit­ar­bei­ten­den ist die­ser Weg mit grös­se­rer Job-si­cher­heit ver­bun­den nach Jah­ren der ex­tre­men Un­si­cher­heit. Er­mot­tis Weg spie­gelt sich aber bis heu­te we­der in kon­ti­nu­ier­lich stei­gen­den Er­trä­gen noch in ei­nem sta­bi­len Ak­ti­en­kurs.

Der Fuss­ball-fan Er­mot­ti gibt sich für den eins­ti­gen Cham­pi­ons Le­ague Play­er UBS mit ei­nen Eu­ro­pa-le­ague-platz zu­frie­den.

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