Spa­nisch­kurs mit Do­nald Trump

Neue Zurcher Zeitung Sunday - - Anlagefonds - Jens Kor­te, New York

Der ame­ri­ka­ni­sche Prä­si­dent spricht im Grenz­streit mit Me­xi­ko häu­fig von den «bad hom­bres». Das Nach­bar­land soll­te da­für sor­gen, dass die bö­sen Bu­ben nicht in die USA kom­men. In die­ser­wo­chehat Do­nald Trump ein wei­te­res spa­ni­sches Wort in sei­nem Le­xi­kon ge­fun­den. Die Zins­er­hö­hun­gen der No­ten­bank sei­en «lo­co». Die Fed sei ver­rückt ge­wor­den, so der Prä­si­dent. Er wer­de No­ten­bank­chef Je­ro­me Po­well nicht feu­ern, aber glück­lich sei er mit sei­ner Geld­po­li­tik nicht. Ei­ne Ent­las­sung wä­re auch nicht mög­lich. Ein No­ten­bank­chef kann nicht vom Prä­si­den­ten und oh­ne Zu­stim­mung des Kon­gress des Am­tes ent­ho­ben wer­den.

Es ist nicht ver­kehrt, dass hö­he­re Zin­sen das Wirt­schafts­wachs­tum ab­wür­gen kön­nen. Doch die Kern­fra­ge lau­tet, war­um No­ten­bank­chef Po­well die Zin­sen im bis­he­ri­gen Jah­res­ver­lauf drei­mal an­ge­ho­ben hat und wei­te­re Zins­er­hö­hun­gen in Aus­sicht stellt. Die ag­gres­si­ve Wirt­schafts­po­li­tik des Prä­si­den­ten ist ei­ner der we­sent­li­chen Fak­to­ren. Die Job­zah­len zei­gen na­he­zu Voll­be­schäf­ti­gung an. Trotz­dem zün­de­te Trump An­fang des Jah­res ei­ne der gröss­ten Steu­er­sen­kun­gen der jün­ge­ren Ge­schich­te. Zu­dem wer­den Wa­ren in den USA über die ein­ge­führ­ten Zöl­le teu­rer. Bei­des wirkt ten­den­zi­ell in­fla­ti­ons­trei­bend, was die No­ten­ban­ker ent­spre­chend han­deln lässt, um ei­ne Über­hit­zung und zu star­ke In­fla­ti­on ab­zu­wen­den.

Nach dem jah­re­lan­gen und na­he­zu un­ge­brems­ten Auf­wärts­trend an der Wall Street macht sich lang­sam Ner­vo­si­tät breit. Am Mitt­woch sack­te der Dow Jo­nes um über 800 Punk­te ein, am Don­ners­tag ver­lo­ren Blue Chips über 500 Punk­te. Die Aus­sicht auf wei­te­re Zins­er­hö­hun­gen treibt die Ren­di­ten am An­lei­he­markt auf den höchs­ten Stand seit Jah­ren. Da­mit wer­den An­lei­hen po­ten­zi­ell at­trak­ti­ver und so­mit ei­ne An­la­ge­al­ter­na­ti­ve zu Ak­ti­en. Die Re­gie­rung spricht von ei­ner Kor­rek­tur im nach wie vor an­hal­ten­den Bul­len­markt. Das kann auch der Fall sein. Doch es zei­gen sich ers­te Ris­se im Fun­da­ment.

Die Zin­sen für Hy­po­the­ken mit ei­ner 30-jäh­ri­gen Lauf­zeit, die in den USA üb­lich ist, ha­ben erst­mals seit rund sie­ben Jah­ren die 5%-Mar­ke über­sprun­gen. Ban­ken wie JP Mor­gan oder Wells Far­go mel­den Ein­bus­sen im Im­mo­bi­li­en­ge­schäft. Die An­trä­ge auf neue Hy­po­the­ken fie­len bran­chen­weit um 1,7%. Da­für kön­nen Son­der­fak­to­ren ver­ant­wort­lich sein. Aber die hö­he­ren Zin­sen könn­ten die Bau­bran­che durch­aus tref­fen. JP Mor­gan, Wells Far­go und die Ci­ti­group ha­ben am Frei­tag die Quar­tals­zah­len prä­sen­tiert. Da­mit fiel der in­of­fi­zi­el­le Start­schuss in die neue Be-

Die ag­gres­si­ve Wirt­schafts­po­li­tik des Prä­si­den­ten ist ei­ner der we­sent­li­chen Fak­to­ren für die Zins­er­hö­hun­gen.

richts­sai­son. Im ab­ge­lau­fe­nen Quar­tal ha­ben die drei Ban­ken die Er­war­tun­gen über­trof­fen. Für die Zu­kunft sieht JP Mor­gan Chef Ja­mie Di­mon ei­ni­ge Ri­si­ko­fak­to­ren. Di­mon zählt auf: hö­he­re Zin­sen, hö­he­re Zöl­le, der Han­dels­streit mit Chi­na, Br­ex­it, Ita­li­en so­wie die Ten­denz, dass die Zen­tral­ban­ken welt­weit ih­re Auf­kauf­pro­gram­me dros­seln.

Die­se Lis­te dürf­te auch vie­le an­de­re Ma­na­ger in den USA be­schäf­ti­gen. Für das drit­te Quar­tal wird Cor­po­ra­te Ame­ri­ca ver­mut­lich ein star­kes Ge­winn­wachs­tum von durch­schnitt­lich über 20% mel­den. Doch in den kom­men­den Mo­na­ten kön­nen sich die oben ge­nann­ten Fak­to­ren durch­aus aus­wir­ken. Hin­zu kom­men die Pro­ble­me vie­ler Schwel­len­län­der, ein stär­ke­rer Dol­lar und mög­li­cher­wei­se ei­ne Ab­küh­lung von Chi­nas Wirt­schaft. In der kom­men­den Wo­che ge­hö­ren Gold­man Sachs, Net­flix, ei­ni­ge Flug­ge­sell­schaf­ten, Ame­ri­can Ex­press, Ho­ney­well und Proc­ter & Gam­ble zu den Un­ter­neh­men, die Quar­tals­zah­len ver­öf­fent­li­chen. «Ay, ca­ram­ba!»

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