Fe­de­rer ver­liert und ist trotz­dem zu­frie­den

Neue Zurcher Zeitung Sunday - - Sport - Schang­hai-mas­ters-1000-tur­nier Do­ris Hen­kel, Schang­hai

Drei­mal war Ro­ger Fe­de­rer in der Wo­che von Schang­hai nach gu­tem Start ins Tru­deln ge­ra­ten, aber drei Sie­ge hat­ten ihn in sei­ner Ein­schät­zung be­stärkt, auf gu­tem Weg zu sein. Er hof­fe, dass es so wei­ter­ge­hen wer­de und dass er ei­ne Chan­ce ha­ben wer­de, sei­nen Ti­tel zu ver­tei­di­gen, mein­te er da­nach. Doch im Halb­fi­nal ge­gen den jun­gen Kroa­ten Bor­na Co­ric lief es an die­sem küh­len Abend von An­fang an nicht gut; das En­de kam re­la­tiv schnell, und der Schwei­zer konn­te of­fen­bar nicht viel da­ge­gen tun.

Bei leich­ter Bri­se und re­la­tiv küh­len Tem­pe­ra­tu­ren gab Fe­de­rer gleich sein Auf­schlag­spiel ge­gen Co­ric ab, der in drei Spie­len nur ei­nen Satz ver­lo­ren hat­te, den ers­ten der ers­ten Run­de ge­gen Stan Wa­wrin­ka. Und aus der per­fek­ten Aus­gangs­po­si­ti­on mit der frü­hen Füh­rung ent­fern­te er sich mit gros­sen, schnel­len Schrit­ten. Er schlug stark auf und mach­te auf dem su­per­schnel­len Bo­den kaum Feh­ler, Fe­de­rer ver­such­te ver­geb­lich, den Rück­stand auf­zu­ho­len. Und nach dem Ver­lust des ers­ten Sat­zes wie­der­hol­te sich das Mus­ter im zwei­ten; wie­der gab er gleich zu Be­ginn sein Auf­schlag­spiel ab, und aus die­ser Bre­douil­le be­frei­te er sich auch nicht mehr.

In bei­den Sät­zen kei­nen gu­ten Start zu er­wi­schen, das sei ei­ne Men­ge Bal­last ge­we­sen, mein­te Fe­de­rer hin­ter­her. Co­ric sei schlicht und ein­fach bes­ser ge­we­sen. Aber al­les in al­lem sah er of­fen­bar kei­nen Grund, sich Sor­gen zu ma­chen. «Ganz ehr­lich, ich bin zu­frie­den mit mei­ner Re­ak­ti­on nach dem US Open. Ich ha­be beim La­ver Cup gut ge­spielt und hier jetzt auch. Der Auf­schlag hät­te bes­ser sein kön­nen, aber ich bin froh, dass der Kör­per al­les gut ver­kraf­tet hat.» Die Fort­set­zung folgt in Kürze beim Tur­nier in Ba­sel und auf je­den Fall beim Sai­son­fi­na­le Mit­te No­vem­ber in Lon­don. Ob er da­zwi­schen auch beim letz­ten Mas­ters-1000 in Pa­ris Ber­cy spie­len wird, wird wie im­mer von den Er­kennt­nis­sen in Ba­sel ab­hän­gen.

Bor­na Co­ric hin­ge­gen wird nun heu­te Sonn­tag im ers­ten Fi­nal sei­ner Kar­rie­re bei ei­nem Mas­ters-1000-tur­nier ver­su­chen, den über­ra­gen­den Mann der zwei­ten Hälf­te die­ses Jah­res auf­zu­hal­ten. No­vak Djo­ko­vic brauch­te für sei­nen Sieg ge­gen Alex­an­der Zverev (6:2, 6:1) im an­de­ren Halb­fi­nal nur ge­nau ei­ne St­un­de. Der jun­ge Deut­schen pro­du­zier­te Feh­ler über Feh­ler und wuss­te am En­de selbst nicht, war­um we­nig bis gar nichts funk- tio­niert hat­te. Selbst Djo­ko­vic mein­te, es sei ein merk­wür­di­ger Auf­tritt von Zverev mit eher be­schei­de­ner Qua­li­tät ge­we­sen. Mit der ei­ge­nen Leis­tung beim 1000. Sieg sei­ner Kar­rie­re war der Ser­be hin­ge­gen oh­ne die kleins­te Ein­schrän­kung zu­frie­den und fand, das sei die pas­sen­de Art ge­we­sen, den Mei­len­stein zu fei­ern.

In der neu­en Welt­rang­lis­te am Mon­tag wird Djo­ko­vic auf Platz zwei vor Fe­de­rer ste­hen, und die Aus­sich­ten, dem­nächst auch den der­zeit noch füh­ren­den Ra­fa­el Na­dal von der Spit­ze zu ver­drän­gen, sind bes­tens. Im Spiel macht er seit vier Mo­na­ten kaum ei­nen fal­schen Schritt, nur im Rah­men­pro­gramm feh­len ein paar Fe­der­stri­che. Als er nach dem Sieg ge­gen Zverev ver­such­te, chi­ne­si­sche Schrift­zei­chen auf die Ka­me­ra zu zeich­nen, kam er beim Zei­chen für «Chi­na» leicht vom Weg ab. Ver­mut­lich wird ihm das beim nächs­ten Mal nicht mehr pas­sie­ren.

Ro­ger Fe­de­rer (r.) muss sich Bor­na Co­ric ge­schla­gen ge­ben.

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