Kon­fron­ta­ti­on oder kon­struk­ti­ve Po­li­tik?

Neue Zurcher Zeitung Sunday - - International Usa -

Kaum wa­ren die Wah­len vor­über, sorg­te Do­nald Trump für den nächs­ten Pau­ken­schlag. Er ent­liess am Mitt­woch sei­nen Jus­tiz­mi­nis­ter Jeff Ses­si­ons und er­nann­te als des­sen Nach­fol­ger den bis­he­ri­gen St­abs­chef Mat­t­hew Whi­ta­ker. Die Ak­ti­on hat um­ge­hend Pro­tes­te auch von kon­ser­va­ti­ven Ju­ris­ten aus­ge­löst. Jus­tiz­mi­nis­ter und de­ren Stell­ver­tre­ter müs­sen vom Se­nat be­stä­tigt wer­den. Des­halb hät­te der Prä­si­dent Ses­si­ons zu­nächst mit des­sen Vi­ze Rod Ro­sen­stein er­set­zen müs­sen.

Whi­ta­ker, der 49-jäh­ri­ge Ju­rist aus Io­wa, hat­te sich Trump als Tv-kom­men­ta­tor durch har­sche Kri­tik an Son­der­er­mitt­ler Ro­bert Mu­el­ler emp­foh­len. Er skiz­zier­te zu­dem Mass­nah­men wie Bud­get­kür­zun­gen, um die Un­ter­su­chun­gen über all­fäl­li­ge Ko­ope­ra­tio­nen zwi­schen dem Kreml und dem Wahl­team von Trump 2016 zu stop­pen. Der Prä­si­dent zwang Ses­si­ons des­halb vor ei­nem Jahr, Whi­ta­ker zum St­abs­chef zu ma­chen. Heu­te ver­mu­ten Kri­ti­ker, dass Trump schon da­mals die Ent­las­sung von Ses­si­ons und die Ein­stel­lung der Kreml-er­mitt­lun­gen vor­be­rei­te­te. In­zwi­schen wur­de auch be­kannt, dass Whi­ta­ker von 2014 bis 2017 für ei­ne Fir­ma tä­tig war, die mit Pa­ten­ten be­trog.

In der Kri­se um Whi­ta­ker und die Mu­el­ler-er­mitt­lun­gen hel­fen den De­mo­kra­ten ih­re Wahl­sie­ge je­doch we­nig: Sie über­neh­men die Macht im Re­prä­sen­tan­ten­haus erst An­fang Ja­nu­ar. Bis sie im Jus­tiz­aus­schuss ge­gen Trump und Whi­ta­ker vor­ge­hen kön­nen, sind sie auf die Ko­ope­ra­ti­on ih­rer re­pu­bli­ka­ni­schen Kol­le­gen an­ge­wie­sen. Und die ha­ben auf ent­spre­chen­de Ap­pel­le an­hin nur mit Schwei­gen re­agiert.

Bei den De­mo­kra­ten ist zu­dem ein Streit aus­ge­bro­chen. Wol­len sie ih­re neue Macht nut­zen, um mit Un­ter­su­chungs­kom­mis­sio­nen in der un­te­ren Kon­gress­kam­mer ge­gen Trump per­sön­lich vor­zu­ge­hen? Oder stel­len sie mit Ge­set­zes­ent­wür­fen spe­zi­ell zur Ge­sund­heits­po­li­tik prag­ma­ti­sche Kon- zep­te für die Ver­bes­se­rung der Le­bens­um­stän­de der Be­völ­ke­rung vor? Par­tei­lin­ke wol­len um­ge­hend auf den Kriegs­pfad ge­gen den ver­hass­ten Prä­si­den­ten zie­hen und ihn zur Her­aus­ga­be sei­ner Steu­er­er­klä­run­gen zwin­gen. Auch ein Amts­ent­he­bungs­ver­fah­ren ge­gen Trump ist im Ge­spräch. Da­vor hat nun der New Yor­ker De­mo­krat Ha­keem Jef­fries ge­warnt: Die Frak­ti­on dür­fe sich nicht in ei­ner Schlamm­schlacht mit Trump ver­zet­teln, der die De­mo­kra­ten oh­ne­hin seit sei­nem Amts­an­tritt als Volks­fein­de und Blo­ckie­rer de­nun­ziert. Bür­ger­li­che Wech­sel­wäh­ler er­war­te­ten ei­ne kon­struk­ti­ve Po­li­tik.

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