War­um Lau­bers Vor­ge­hen so hei­kel ist

Neue Zurcher Zeitung Sunday - - Schweiz - Lu­kas Häupt­li

Bun­des­an­walt Micha­el Lau­ber traf Fi­fa-prä­si­dent Gi­an­ni In­fan­ti­no – ob­wohl die­ser ein po­ten­zi­el­ler Be­schul­dig­ter in ei­nem Straf­ver­fah­ren war.

Die bei­den Tref­fen zwi­schen dem Bun­des­an­walt und dem Fifa­prä­si­den­ten wa­ren durch die Be­richt­er­stat­tung der Ta­me­dia-zei­tun­gen über die «Foot­ball Leaks» be­kannt ge­wor­den: Ein ers­tes Mal traf Micha­el Lau­ber Gi­an­ni In­fan­ti­no am 22. März 2016 im Ho­tel Schwei­zer­hof in Bern, ein zwei­tes Mal am 22. April 2016 im Re­stau­rant Au Pre­mier in Zü­rich. Was die bei­den ge­nau be­spro­chen ha­ben, gibt die Bun­des­an­walt­schaft nicht be­kannt. Sie hält le­dig­lich fest, es sei um ei­ne «all­ge­mei­ne Ei­n­ord­nung des Un­ter­su­chungs­kom­ple­xes zum Fuss­ball» ge­gan­gen, um ei­ne «Klä­rung der Stel­lung der Fi­fa als An­zei­ge­er­stat­te­rin und ge­schä­dig­te Par­tei» so­wie um die «Klä­rung von ver­fah­rens­spe­zi­fi­schen Fra­gen» – was auch im­mer das heisst.

Da­zu muss man wis­sen, dass die Bun­des­an­walt­schaft seit 2015 ge­gen meh­re­re ehe­ma­li­ge Fi­fa-funk­tio­nä­re Straf­ver­fah­ren we­gen des Ver­dachts auf un­ge­treue Ge­schäfts­be­sor­gung und Geld­wä­sche­rei führt. In die­sen Ver­fah­ren ist der Welt­fuss­ball­ver­band Ge­schä­dig­ter und Gi­an­ni In­fan­ti­no sein Ver­tre­ter.

Man muss aber auch wis­sen, dass die Bun­des­an­walt­schaft am 6. April 2016 ein Straf­ver­fah­ren we­gen des Ver­dachts auf un­ge­treue Ge­schäfts­be­sor­gung und Ver­un­treu­ung im Zu­sam­men­hang mit dem eu­ro­päi­schen Fuss­ball­ver­band Ue­fa er­öff­ne­te. Kon­kret ging es um Tv-rech­te, wel­che die Ue­fa wo­mög­lich zu bil­lig an ei­ne Sport­rechte­fir­ma ver­kauft hat­te. Die ent­spre­chen­den Ver­trä­ge aus den Jah­ren 2006 und 2007 wa­ren von Gi­an­ni In­fan­ti­no un­ter­schrie­ben wor­den, der da­mals die Rechts­ab­tei­lung des Fuss­ball­ver­bands Ue­fa ge­lei­tet hat­te.

Zwar er­öff­ne­te die Bun­des­an­walt­schaft das be­sag­te Ver­fah­ren am 6. April 2016 ge­gen Un­be­kannt. Aber selbst­ver­ständ­lich war In­fan­ti­no zu je­nem Zeit­punkt ei­ner von meh­re­ren mög­li­chen Be­schul­dig­ten. Um­so bri­san­ter ist, dass Lau­ber be­reit war, den Fi­fa-prä­si­den­ten nur zwei Wo­chen nach der Ver­fah­rens­er­öff­nung in ei­nem Re­stau­rant zu tref­fen und mit ihm über «ver­fah­rens­spe­zi­fi­sche Fra­gen zu spre­chen». Die Nach­fra­ge, ob es da­bei auch um das (spä­ter üb­ri­gens ein­ge­stell­te) Ue­fa-ver­fah­ren und den mög­li­chen Be­schul­dig­ten In­fan­ti­no ge­gan­gen sei, liess die Bun­des­an­walt­schaft un­be­ant­wor­tet.

Ein lang­jäh­ri­ger Staats­an­walt wer­tet Lau­bers Tref­fen mit In­fan­ti­no als «Tod­sün­de». «Dass ein Straf­ver­fol­ger ei­nen mög­li­chen Be­schul­dig­ten aus­ser­halb des Straf­ver­fah­rens trifft, ist jen­seits von Gut und Bö­se.» Ähn­lich tönt es bei ei­nem an­de­ren lang­jäh­ri­gen Staats­an­walt: «In An­be­tracht des­sen, dass Gi­an­ni In­fan­ti­no ein po­ten­zi­el­ler Be­schul­dig­ter war, muss man das Tref­fen als sehr, sehr hei­kel be­ur­tei­len.»

Die bei­den Tref­fen ha­ben für Micha­el Lau­ber kei­ne Fol­gen – da­für für ei­nen sei­ner Ka­der­mit­ar­bei­ter. Am letz­ten Frei­tag mach­ten die Ta­me­dia-zei­tun­gen be­kannt, dass Bun­des­an­walt Micha­el Lau­ber den Lei­ter der Ab­tei­lung Wirt­schafts­kri­mi­na­li­tät, Oli­vier Thor­mann, we­gen wo­mög­lich straf­ba­ren Ver­hal­tens frei­ge­stellt hat­te. Die Vor­wür­fe stün­den im Zu­sam­men­hang mit den Fi­fa-ver­fah­ren der Bun­des­an­walt­schaft, für die Thor­mann ver­ant­wort­lich war.

Bun­des­an­walt Micha­el Lau­ber.

Fi­fa-prä­si­dent Gi­an­ni In­fan­ti­no.

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