Cvp-kon­ser­va­ti­ve auf hek­ti­scher Su­che

Bundesratswahl: Am­herd und Hegg­lin fa­vo­ri­siert – Rech­te prü­fen Sze­na­rio Z'grag­gen

Neue Zurcher Zeitung Sunday - - Schweiz - Da­ni­el Fried­li

Vio­la Am­herd / Pe­ter Hegg­lin. Wer ei­ne Wo­che vor der ent­schei­den­den Sit­zung in der CVP nach dem wahr­schein­lichs­ten Ti­cket für die Bun­des­rats­wah­len fragt, hört am häu­figs­ten die­se Ant­wort. Das Gros der Cvp-par­la­men­ta­ri­er geht der­zeit da­von aus, dass die Frak­ti­on am nächs­ten Frei­tag die Wal­li­ser Na­tio­nal­rä­tin und den Zu­ger Stän­de­rat auf ei­nem ge­misch­ten Zweier­ti­cket zu of­fi­zi­el­len Bundesratskandidaten kü­ren wird.

Doch die­se Ein­schät­zung deckt sich nicht über­all auch mit der ei­ge­nen Prä­fe­renz. Und dar­um wer­den hin­ter vor­ge­hal­te­ner Hand fleis­sig Sze­na­ri­en dis­ku­tiert, um al­len­falls ei­nen an­de­ren Aus­gang her­bei­zu­füh­ren. Zu re­den gibt da­bei pri­mär der männ­li­che Part: Meh­re­re Par­la­men­ta­ri­er wünsch­ten sich ne­ben Hegg­lin ei­ne zwei­te männ­li­che Op­ti­on, so dass man der Bun­des­ver­samm­lung ein star­kes ge­misch­tes Ti­cket prä­sen­tie­ren kön­ne. Und ei­ni­ge lieb­äu­geln da­her im­mer noch da­mit, am Frei­tag Ger­hard Pfis­ter oder Wal­ter Thurn­herr «zu tes­ten», wie es heisst.

So­wohl Par­tei­prä­si­dent Pfis­ter wie auch Bun­des­kanz­ler Thurn­herr gel­ten als fä­hi­ge und chan­cen­rei­che Kan­di­da­ten; von Thurn­herr heisst es gar, er wür­de im Par­la­ment mit Ab­stand am meis­ten Stim­men auf sich ver­ei­nen. Al­lein: Bei­de ha­ben mehr- fach und klar ab­ge­sagt. Pfis­ter, weil er sei­ne Par­tei ein Jahr vor den Wah­len nicht im Stich las­sen will, Thurn­herr, weil er sich mehr als Mann der Ver­wal­tung denn als Po­li­ti­ker sieht. Der be­sag­te «Test» könn­te nun dar­in be­ste­hen, dass man die bei­den in der Frak­ti­on auf­for­dert, doch noch zu kan­di­die­ren, oder dass man ih­nen im ers­ten Wahl­gang so vie­le Stim­men wie mög­lich gibt und dann schaut, ob sie es sich mit die­sem Wind im Rü­cken nicht doch noch an­ders über­le­gen.

Oder doch drei?

Die Er­folgs­chan­cen sol­cher Ma­nö­ver wer­den je­doch als ge­ring ein­ge­schätzt, nicht zu­letzt weil da­mit der gan­ze bis­he­ri­ge No­mi­na­ti­ons­pro­zess ad ab­sur­dum ge­führt wür­de. Da­her spre­chen sich ei­ni­ge Frak­ti­ons­mit­glie­der für die Va­ri­an­te ei­nes Dreier­ti­ckets aus.

Dar­auf hof­fen vor al­lem die An­hän­ger von Eli­sa­beth Schnei­der-schnei­ter und Hei­di Z’grag­gen. Bei­den wer­den in der Frak­ti­on nur Aus­sen­sei­ter­chan­cen zu­ge­spro­chen – Schnei­der, weil man sie zu gut, Z’grag­gen, weil man sie zu we­nig kennt. Der Ba­sel­bie­ter Na­tio­nal­rä­tin Schnei­der wird da­bei in der Frak­ti­on er­staun­lich we­nig Kre­dit ge­ge­ben, sie gilt vie­len als zu sprung­haft. Die Ur­ner Re­gie­rungs­rä­tin fin­det der­weil un­ter de­nen, die schon mit ihr zu tun hat­ten, ei­ni­ge An­hän­ger. «Hei­di Z’grag­gen bringt Exe­ku­ti­ve­r­fah­rung mit, was für ei­ne Bun­des­rats­kan­di­da­tur nicht zu un­ter­schät­zen ist», sagt et­wa der In­ner­rho­der Na­tio­nal­rat und Lan­d­am­mann Da­ni­el Fäss­ler. Sie leis­te in Uri gu­te Ar­beit und «hat dar­um ei­ne Chan­ce ver­dient, sich auch vor der Bun­des­ver­samm­lung zu prä­sen­tie­ren».

Al­ter­na­ti­ve für die Rech­te

Z’grag­gen sel­ber ver­sucht der­weil, ih­re man­geln­de Be­kannt­heit wett­zu­ma­chen und hat da­zu in den letz­ten Ta­gen mit meh­re­ren Cvp-po­li­ti­kern Kon­takt auf­ge­nom­men. Vor al­lem aber setzt sie auf ih­ren Auf­tritt am Frei­tag in der Frak­ti­on. Dort wird die Ur­ne­rin al­ler­dings wohl auch er­klä­ren müs­sen, wie­so sie letz­te Wo­che an ei­nem Po­di­um ei­nen Fra­ge­stel­ler lei­se als Dep­pen be­zeich­net und dies trotz gut hör­ba­rer Auf­nah­me spä­ter kur­zer­hand in ein «akus­ti­sches Miss­ver­ständ­nis» um­ge­deu­tet hat.

Soll­te Z’grag­gen in­des den Sprung aufs Ti­cket schaf­fen, wä­re am Wahl­tag sel­ber ei­ne Über­ra­schung nicht aus­ge­schlos­sen. Sie könn­te zur Al­ter­na­ti­ve für all je­ne wer­den, de­nen Am­herd zu links ist und Hegg­lin zu blass. Die­ses Sze­na­rio hört man auch aus der Cvp-fin­dungs­kom­mis­si­on. Und in der SVP heisst es, Z’grag­gen wä­re – so­fern sie no­mi­niert wer­de – durch­aus ei­ne ernst­zu­neh­men­de Al­ter­na­ti­ve.

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