Wie Zü­rich zum Mek­ka der se­hen­den Com­pu­ter wur­de

Neue Zurcher Zeitung Sunday - - Wirtschaft Microsoft - Mar­kus Stä­de­li

Mi­cro­soft grün­det ein Schwei­zer For­schungs-lab und fi­nan­ziert ei­ne Rei­he von Eth-dok­to­ran­den. Wie­so App­le, Face­book und Goog­le eben­falls hier for­schen.

Jetzt feh­len ei­gent­lich nur noch Ama­zon und die Chi­ne­sen. Nach dem Ein­tritt von Mi­cro­soft be­trei­ben sonst al­le Gros­sen der Tech­no­lo­gie­welt in Zü­rich an­ge­wand­te For­schung. «Das neue Lab von Mi­cro­soft hier in Zü­rich fo­kus­siert auf län­ger­fris­ti­ge The­men im Be­reich ma­schi­nel­les Se­hen», sagt Eth-pro­fes­sor Marc Polle­feys, der die­ses in ei­nem 50%-Pen­sum lei­ten wird. Das Team wer­de an­fangs et­wa 15 Per­so­nen um­fas­sen.

«Zu­sätz­lich ist ei­ne en­ge Zu­sam­men­ar­beit zwi­schen der ETH und Mi­cro­soft im Be­reich Mi­xed Rea­li­ty ver­ein­bart wor­den. Mi­cro­soft wird da­bei meh­re­re Dok­to­ran­den­stel­len fi­nan­zie­ren, um den aka­de­mi­schen Teil des Öko­sys­tems zu stär­ken», so der Bel­gi­er. Bei Mi­xed Rea­li­ty ver­mischt sich die Wahr­neh­mung der Men­schen von ih­rer Um­ge­bung mit ei­ner vom Com­pu­ter er­zeug­ten Wirk­lich­keit. Polle­feys will mit sei­nem Lab an der ETH wei­ter­hin mit an­de­ren Part­nern aus der Wirt­schaft zu­sam­men­ar­bei­ten.

Zü­rich sei zu­sam­men mit dem Si­li­con Val­ley und Se­at­tle füh­rend im Be­reich ma­schi­nel­les Se­hen. «Es gibt ein reich­hal­ti­ges lo­ka­les Öko­sys­tem. Dar­um in­ves­tie­ren ne­ben Mi­cro­soft auch App­le, Face­book, Goog­le, Ma­gic Leap und ei­ne Rei­he an­de­rer Fir­men in Zü­rich», so Polle­feys. Die Fir­men wür­den nicht nur die reich­lich vor­han­de­nen lo­ka­len Ta­len­te an­wer­ben, son­dern bräch­ten auch aus­län­di­sche Spe­zia­lis­ten nach Zü­rich, so dass das Öko­sys­tem wei­ter­wach­se und zu­sätz­li­che Fir­men an­zie­he.

Mi­cro­soft-chef Sa­tya Na­del­la sagt, dass man sich mit dem Lab in Zü­rich nicht nur neue For­scher er­schlies­sen wol­le. «Na­tür­lich gibt es hier Welt­klas­se­ta­len­te, die zu den Pro­duk­ten bei­tra­gen kön­nen, die wir bei Mi­cro­soft ent­wi­ckeln.» Aber er sei auch ge­spannt, zu se­hen, was Polle­feys und sein Team tun kön­nen, um die Ver­brei­tung die­ser Tech­no­lo­gie bei hie­si­gen Un­ter­neh­men zu för­dern – in­dem sie et­wa mit ei­ner ABB zu­sam­men­ar­bei­te­ten. «Es geht nicht nur um die Pro­duk­te, die wir her­stel­len, son­dern auch dar­um, dass un­se­re Tech­no­lo­gie das ge­sam­te Spek­trum von Klein­fir­men bis Mul­tis pro­duk­ti­ver und wett­be­werbs­fä­hi­ger macht und den öf­fent­li­chen Sek­tor ef­fi­zi­en­ter», so Na­del­la.

Er ha­be das gros­se Glück ge­habt, wäh­rend sei­nes For­schungs­auf­ent­halts bei Mi­cro­soft di­rekt mit Alex Kip­man ar­bei­ten zu kön­nen, sagt Polle­feys. Kip­man lei­tet den gan­zen Be­reich Mi­xed Rea­li­ty. «So konn­te ich von An­fang an zur Pro­dukt­ent­wick­lung bei­tra­gen und hel­fen, die Vi­si­on und die Plä­ne für die Zu­kunft zu ge­stal­ten.» Ent­spre­chend sei es für Mi­cro­soft sinn­voll ge­we­sen, wei­ter mit ihm zu­sam­men­zu­ar­bei­ten. Polle­feys will im Mi­cro­soft-lab Pro­ble­me an­pa­cken, die ir­gend­wo zwi­schen der Grund­la­gen­for­schung der ETH und der Pro­duk­te­ent­wick­lung von Mi­cro­soft lie­gen.

«Pro­duk­te wie die Ho­lo­lens neh­men zwar be­reits ei­nen Teil ih­rer Um­ge­bung wahr, doch die­ses Se­hen ist auf ein ein­zel­nes Ge­rät li­mi­tiert. Ich möch­te in Zü­rich dar­an ar­bei­ten, dass in Zu­kunft meh­re­re Da­ten­bril­len auch mit­ein­an­der kom­mu­ni­zie­ren kön­nen», sagt der For­scher. Auch der PC sei ja un­gleich nütz­li­cher ge­wor­den, als er mit dem In­ter­net ver­bun­den wur­de. Man sol­le In­for­ma­tio­nen über sei­ne Um­ge­bung, wel­che die Da­ten­bril­len ge­ne­rie­ren, auch mit an­de­ren tei­len kön­nen.

Das zwei­te Ziel sei, dass Da­ten­bril­len wie die Ho­lo­lens den lo­ka­len Kon­text bes­ser ver­ste­hen könn­ten. Dass sie bes­ser er­kenn­ten, wel­che Ob­jek­te sich in ei­nem Raum be­fin­den und was die Men­schen mit die­sen mach­ten.

«Das drit­te Ziel ist, Sy­ner­gi­en zwi­schen Da­ten­bril­len und an­de­ren Com­pu­tern zu schaf­fen, die ih­re Um­ge­bung eben­falls se­hen sol­len, zum Bei­spiel Smart­pho­nes oder Ro­bo­ter», so Polle­feys.

Die ETH sieht kei­ne Pro­ble­me bei der neu­en Ko­ope­ra­ti­on. «Die Zu­sam­men­ar­beit mit der Wirt­schaft ist ein zen­tra­ler Fak­tor für den Er­folg der ETH», sagt de­ren Spre­che­rin Va­nes­sa Bleich. In Ko­ope­ra­ti­ons­ver­ein­ba­run­gen wür­den die Be­din­gun­gen der Zu­sam­men­ar­beit in­klu­si­ve In­ter­es­sen­kon­flik­ten und des Im­ma­te­ri­al­gü­ter­rechts aus­führ­lich ge­re­gelt. Die For­schungs­frei­heit ha­be stets obers­te Prio­ri­tät. In der spe­zi­fi­schen Ko­ope­ra­ti­ons­ver­ein­ba­rung mit Mi­cro­soft sei fest­ge­hal­ten, dass bei­de Par­tei­en in je­der Hin­sicht un­ab­hän­gig und frei blie­ben.

Polle­feys müs­se si­cher­stel­len, dass es zu kei­nen in­kom­pa­ti­blen Über­schnei­dun­gen sei­ner Ak­ti­vi­tä­ten kom­me, sagt Bleich. Aus­nahms­los al­le For­schungs­re­sul­ta­te dürf­ten pu­bli­ziert wer­den.

Die Da­ten­bril­le Ho­lo­lens wird nun auch in Zü­rich wei­ter­ent­wi­ckelt.

Eth-pro­fes­sor Marc Polle­feys.

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