Ein biss­chen mehr Op­ti­mis­mus Eu­ro­pa ge­gen­über wä­re an­ge­bracht

An­la­ge­stra­te­gen von J. P. Mor­gan zeich­nen ein po­si­ti­ves Bild des Kon­ti­nents – die po­li­ti­schen Hür­den sei­en über­wind­bar.

Neue Zurcher Zeitung Sunday - - Invest - Von Eu­gen Stamm

Eu­ro­pa tau­melt von Kri­se zu Kri­se – die­sen Ein­druck be­kommt, wer die wirt­schaft­li­chen Schlag­zei­len ver­folgt. Auch an der Jah­res­pres­se­kon­fe­renz von J. P. Mor­gan As­set Ma­nage­ment, die vor kur­zem in Lon­don statt­ge­fun­den hat, wa­ren po­li­ti­sche Wir­ren ein Ge­sprächs­the­ma. Nur woll­ten die An­la­ge­stra­te­gen des Us-geld­hau­ses gar nicht so recht schwarz­ma­len wie an­de­re. Es gibt näm­lich, so lau­te­te der Te­nor, für An­le­ger gu­te Grün­de, vor­sich­tig zu­ver­sicht­lich zu sein, was Eu­ro­pa an­geht.

Zu den gröss­ten Be­las­tungs­pro­ben der na­hen Zu­kunft zählt der Br­ex­it. Trotz der Be­deu­tung die­ses Er­eig­nis­ses, das für den 29. März 2019 ter­mi­niert ist, bleibt Ka­ren Ward ei­ni­ger­mas­sen sor­gen­frei. «Wir wer­den ei­nen Deal zu­stan­de brin­gen», sagt die bri­ti­sche Markt­stra­te­gin. Der so­ge­nann­te Che­quers-plan, der die De­tails des Aus­tritts aus der EU re­gelt, sei zwar nicht über­all be­liebt, aber die ein­zi­ge Op­ti­on für das Ver­ei­nig­te Kö­nig­reich.

Das Hin und Her zwi­schen den Re­gie­run­gen der Län­der und der Eu-zen­tra­le in Brüs­sel wer­de wei­ter an­hal­ten und für vo­la­ti­le Märk­te sor­gen – mit ein Grund, war­um Us-in­ves­to­ren so skep­tisch ge­gen­über Eu­ro­pa sind. Der Eu­ro als Ge­mein­schafts­wäh­rung aber wer­de über­le­ben und die EU auf ei­ne im­mer en­ge­re Ko­ope­ra­ti­on zu­steu­ern, sagt Ward. Für Eu­ro­pä­er, die die Not­wen­dig­keit der EU als In­stru­ments des Frie­dens er­ken­nen, er­öff­ne das Chan­cen – man dür­fe sich nicht zu stark von schlech­ten News ab­len­ken las­sen.

Die eu­ro­päi­sche Wirt­schaft ist näm­lich wei­ter­hin auf ei­ni­ger­mas­sen gu­tem Kurs. Zwar hat sich das Wachs­tum die­ses Jahr leicht ab­ge­schwächt, aber dies ist vor al­lem auf ei­ne ge­rin­ge­re Nach­fra­ge nach eu­ro­päi­schen Ex­por­ten zu­rück­zu­füh­ren, vor al­lem in Chi­na. Der Zu­stand der eu­ro­päi­schen Bin­nen­wirt­schaft hin­ge­gen ist im­mer noch ro­bust. Die Ar­beits­lo­sig­keit ist in den ver­gan­ge­nen Jah­ren ste­tig ge­sun­ken (sie­he Chart). Die Ver­sor­gung von Fir­men mit Kre­di­ten funk­tio­niert wie­der, die Vo­lu­men stei­gen.

So­li­de Aus­sich­ten

Die Aus­sich­ten für die Wirt­schafts­macht Deutsch­land sei­en so­li­de, sagt Tilmann Gal­ler, Markt­stra­te­ge von J. P. Mor­gan As­set Ma­nage­ment. Die Kon­su­men­ten sind gu­ten Mu­tes, weil die Ar­beits­lo­sig­keit auf ei­nem Re­kord­tief liegt und die ver­füg­ba­ren Ein­kom­men stei­gen. Von­sei­ten des Staa­tes sei­en aber kei­ne gros­sen Im­pul­se zu er­war­ten, um die Nach­fra- Ei­ne De­mons­tra­ti­on ver­deut­licht den Un­mut ge­gen­über dem Br­ex­it. Als An­le­ger soll man da­mit rech­nen, dass Lon­don und Brüs­sel ei­ne Lö­sung fin­den wer­den. (Lon­don, 20. 10. 2018) ge wei­ter zu stei­gern, weil die Re­gie­rung, wie in der Schweiz, ge­setz­lich ver­pflich­tet ist, ein aus­ge­gli­che­nes Bud­get vor­zu­le­gen.

Al­ler­dings ent­wi­ckeln sich die Un­ter­neh­mens­ge­win­ne in Eu­ro­pa, ver­gli­chen mit den USA, im­mer noch we­ni­ger stark po­si­tiv. Das dämpft die At­trak­ti­vi­tät des eu­ro­päi­schen Ak­ti­en­mark­tes. Da­mit die­ser nächs­tes Jahr po­si­tiv ab­schnei­det, müs­sen sich ins­be­son­de­re Bank­ak­ti­en, die in den In­di­zes ein ho­hes Ge­wicht ha­ben, gut ent­wi­ckeln. Vor­aus­set­zung da­für wie­der­um sind stei­gen­de Zin­sen in Eu­ro­pa. Da­mit ist al­ler­dings frü­hes­tens im zwei­ten Halb­jahr 2019 zu rech­nen.

Tech­no­lo­gie­wer­te im Fo­kus

In den USA treibt die Ent­wick­lung der Tech­no­lo­gie­ak­ti­en die Bör­sen­per­for­mance. Die Na­men der Fir­men sind om­ni­prä­sent, man kennt sie als Kon­su­ment. Die Cham­pi­ons des eu­ro­päi­schen Tech­no­lo­gie­sek­tors ste­hen hin­ge­gen nicht im Ram­pen­licht, weil sie Ge­schäfts­kun­den be­lie­fern, sagt Anis LahlouA­bid, Port­fo­lio-ma­na­ger bei J. P. Mor­gan As­set Ma­nage­ment. Da­bei sind ih­re Pro­duk­te in zu­kunfts­träch­ti­gen Fel­dern wie et­wa der Wei­ter­ent­wick­lung der in­dus­tri­el­len Pro­duk­ti­on es­sen­zi­ell.

Als Bei­spiel er­wähnt er die Soft­ware So­lid­works, mit der neue Pro­duk­te am Bild­schirm ge­zeich­net und ent­wor­fen wer­den. Sie wird laut An­ga­ben des Un­ter­neh­mens von über 3 Mio. De­si­gnern und In­ge­nieu­ren welt­weit ver­wen­det, so­gar Un­ter­wä­sche wird da­mit ent­wor­fen. Die Soft­ware ge­hört zum fran­zö­si­schen Kon­zern Das­sault Sys­tè­mes. Bei in­dus­tri­el­ler Soft­ware sei­en noch di­ver­se an­de­re eu­ro­päi­sche Fir­men füh­rend, sagt Lahlou-abid. «Die In­dus­trie 4.0 ist eu­ro­pä­isch», sagt er.

Für An­le­ger kann es sich loh­nen, nach sol­chen Stär­ken der hie­si­gen Wirt­schaft Aus­schau zu hal­ten, statt den Kon­ti­nent gleich­sam als Ent­täu­schung ab­zu­schrei­ben. Al­ler­dings emp­feh­le es sich, auch wenn sich noch kei­ne Re­zes­si­on am Ho­ri­zont ab­zeich­net, das Port­fo­lio auf ei­ne wirt­schaft­li­che Ab­schwä­chung vor­zu­be­rei­ten, sagt Ka­ren Ward. Das ist mit ver­schie­de­nen Mit­teln mög­lich, et­wa mit ei­ner Ve­rän­de­rung der sek­t­o­ri­el­len Zu­sam­men­set­zung hin zu de­fen­si­ven Wer­ten wie Ge­sund­heits­we­sen und Ver­sor­ger. In Zei­ten der Kri­se nimmt aus­ser­dem die Li­qui­di­tät an den Fi­nanz­märk­ten ab, dar­um emp­fiehlt Ward, die Lar­ge-caps ge­gen­über il­li­qui­den Small-caps stär­ker zu ge­wich­ten. Aus­ser­dem sei es Zeit da­für, die Fir­men dar­auf zu prü­fen, ob sie ei­ne so­li­de Bi­lanz ha­ben, und sich von sol­chen zu tren­nen, die stark fremd­fi­nan­ziert sind.

Die Cham­pi­ons des eu­ro­päi­schen Tech­no­lo­gie­sek­tors ste­hen nicht im Ram­pen­licht, weil sie Ge­schäfts­kun­den be­lie­fern.

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