Ri­che­mont: Der Schmuck fun­kelt, aber die Uh­ren sind matt

Neue Zurcher Zeitung Sunday - - Invest - Da­ni­el Hug

Gleich um 6,4 % bra­chen die Ak­ti­en des Gen­fer Lu­xus­gü­ter­kon­zerns Ri­che­mont am Frei­tag ein, nach der Ver­öf­fent­li­chung des Halb­jah­res­be­richts. Das ist ei­ne hef­ti­ge Be­we­gung für den ge­stan­de­nen Smi-ti­tel. Die An­le­ger ha­ben den Uh­ren­kon­zern Swatch Group in Sip­pen­haft ge­nom­men und auch die­sen Ti­tel um 5,1% zu­rück ge­stuft. Was hat die­sen Ab­wärts­trend aus­ge­löst? Das Re­sul­tat der sechs Mo­na­te bis En­de Sep­tem­ber, das Ri­che­mont pu­bli­ziert hat­te, lag un­ter den Er­war­tun­gen der meis­ten Fi­nanz­ana­lys­ten. Rech­net man die Zu­käu­fe her­aus, ver­moch­te Ri­che­mont den Um­satz um 8% zu stei­gern. Die Be­triebs­ge­winn­mar­ge sank im Ver­gleich zum Vor­jahr von 20,7% auf 16,6%.

Über­ra­gen­de Car­tier

Schaut man das Er­geb­nis ge­nau­er an, fällt auf, dass der ope­ra­ti­ve Ge­winn bei Ri­che­mont fast nur noch von Car­tier kommt: Die Schmuck­mar­ke er­zielt zu­sam­men mit der klei­ne­ren Van Cleefs 80%, wäh­rend der Uh­ren­be­reich mit den be­kann­ten Na­men IWC, Ja­e­ger-le­coult­re, Pia­get, Va­che­ron Con­stan­tin, Bau­me und Pa­ne­rai nur noch 20% bei­steu­ert. Bei Car­tier läuft das Ge­schäft wie ge­schmiert, die Ver­käu­fe nah­men um 9% zu. Die Ge­winn­mar­ge ist un­glaub­lich hoch: Geht ein Schmuck­stück für 1000 Fr. über den La­den­tisch, blei­ben da­von im Schnitt 338 Fr. als Ge­winn in der Kas­se von Ri­che­mont.

Der Uh­ren­be­reich sta­gniert mit nur 2% Um­satz­zu­wachs hin­ge­gen bei­na­he. Das dürf­te auch der Grund sein, war­um an der Bör­se Swatch Group zu­rück­ge­stuft wor­den ist. Doch die Da­ten der Schwei­zer Uh­ren­in­dus­trie deu­ten dar­auf hin, dass Ri­che­mont mit haus­ge­mach­ten Pro­ble­men kämpft: In den ers­ten neun Mo­na­ten des Jah­res sind die Uh­ren­ex­por­te um 7,5% an­ge­stie­gen, al­so deut­lich mehr als bei Ri­che­mont. Die Swatch Group als gröss­ter Her­stel­ler hat sich in die­sem Jahr bis­her bes­ser als die Ge­samt­ex­por­te ent­wi­ckelt. In den Mo­na­ten Sep­tem- Die Ri­che­mont­schmuck­mar­ke Car­tier läuft wie ge­schmiert: Der Um­satz wächst kräf­tig, die Mar­gen sind un­glaub­lich hoch. ber und Ok­to­ber kühl­te sich das Kli­ma für die Ex­por­te vor al­lem nach Asi­en und Eu­ro­pa et­was ab, aber man kann über die ers­ten zehn Mo­na­te im­mer noch mit ei­nem Um­satz­zu­wachs von rund 8% rech­nen.

Un­kla­re Füh­rungs­struk­tu­ren

Es gibt al­so Ri­che­mont-spe­zi­fi­sche Pro­ble­me, et­wa die un­kla­re Füh­rung: Der Gen­fer Kon­zern ver­fügt nun mit Jé­rô­me Lam­bert zwar über ei­nen CEO, aber bei der weit­aus wich­tigs­ten Mar­ke Car­tier hat er nichts zu sa­gen, denn die­se wird von Cy­ril­le Vi­g­ne­ron ge­führt. Vi­g­ne­ron sitzt zu­dem wie auch Lam­bert im Ver­wal­tungs­rat, der ja ei­gent­lich die ope­ra­ti­ve Füh­rung be­auf­sich­ti­gen soll­te. Aber am En­de ent­schei­det wohl oh­ne­hin im­mer Jo­han Ru­pert, der den Kon­zern mit sei­ner Stim­men­mehr­heit kon­trol­liert.

Im Ver­kauf der Uh­ren harzt vor al­lem der Ab­satz über die un­ab­hän­gi­gen Händ­ler, die Ri­che­mont als über­flüs­sig be­zeich­net hat. Doch das Vo­lu­men die­ses Ka­nals ist für man­che Ri­che­mont-mar­ken es­sen­zi­ell.

Tech­nisch müs­sen die Ri­che­mont-uh­ren­mar­ken auf­pas­sen, dass sie den An­schluss nicht ver­lie­ren. Das Trio Pa­tek, Ro­lex und Swatch Group hat sich die Si­li­zi­um-tech­no­lo­gie ge­si­chert und er­laubt nun Ro­lex und Ome­ga, die Ga­ran­tie auf ih­ren Uh­ren auf fünf Jah­re aus­zu­deh­nen und sie prä­zi­sier zu re­gu­lie­ren. Ri­che­mont hat kürz­lich das Pa­tent des Kon­sor­ti­ums an­ge­grif­fen. Es ist un­klar, wie der Streit bei­ge­legt wird – eben­so, wo Ri­che­mont künf­tig die Uhr­wer­ke be­zieht, die sie bis­her un­ter an­de­rem bei der Swatch Group ein­ge­kauft hat.

Viel Res­sour­cen hat Ri­che­mont jüngst in den Aus­bau des On­li­ne-han­dels ge­steckt. Mit dem Ein­satz von Mil­li­ar­den hat man die ge­sam­te Yoox-grup­pe über­nom­men und sie mit Net-a-por­ter fu­sio­niert. Der On­li­ne-han­del ge­ne­riert be­reits 14% des Um­sat­zes, aber noch kei­nen Ge­winn. Grund sind Ab­schrei­bun­gen auf im­ma­te­ri­el­len Ver­mö­gens­wer­ten, die in Zu­kunft weg­fal­len dürf­ten. Für die jüngs­te Ak­qui­si­ti­on na­mens Watch­fin­der, den Händ­ler von Uh­ren aus Vor­be­sitz, hat Ri­che­mont 231 Mio. € be­zahlt. Im ers­ten Halb­jahr kam Watch­fin­der erst auf ei­nen Um­satz von 63 Mio €. Der On­li­ne-han­del hat Zu­kunft, aber die Ge­winn­mar­gen wer­den nie so hoch lie­gen wie im Schmuck­ge­schäft.

Für Re­né We­ber, den Ana­lys­ten der Bank Von­to­bel, zeigt das Ri­che­mont-er­geb­nis ein ver­lang­sam­tes Wachs­tum im Sep­tem­ber und «ein un­ein­heit­li­ches Bild beim Be­triebs­ge­winn». Das Re­sul­tat blei­be «hin­ter den Er­war­tun­gen» zu­rück und er­for­de­re «ei­ni­ge Er­klä­run­gen». Das Kurs­ziel von 106 Fr., das rund 44% über dem heu­ti­gen Wert liegt, wer­de über­prüft.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.