Al­les auf Grün – oder doch nicht?

Neue Zurcher Zeitung Sunday - - Invest - Jens Kor­te, New York

Es hät­te ei­ne so schö­ne Män­ner­freund­schaft sein kön­nen. Zwan­zig Jah­re lang dien­te Jeff Ses­si­ons sei­nem Glied­staat Ala­ba­ma als Se­na­tor in Wa­shing­ton. Dann be­rief ihn Prä­si­dent Do­nald Trump als Ge­ne­ral­staats­an­walt in sein Ka­bi­nett. Ses­si­ons ge­hör­te zu den frü­hen und be­din­gungs­lo­sen Un­ter­stüt­zern Trumps. Der 71-Jäh­ri­ge ge­hör­te zu den Ar­chi­tek­ten der har­ten Im­mi­gra­ti­ons­li­nie. Ses­si­ons un­ter­stütz­te zu­dem Un­ter­neh­men, die aus re­li­giö­sen Mo­ti­ven Ver­si­che­rungs­leis­tun­gen für die Ge­bur­ten­kon­trol­le tor­pe­die­ren. Doch dann be­ging er ei­nen Kar­di­nal­feh­ler. Ses­si­ons wusch sei­ne Hän­de bei den Russ­land-er­mitt­lun­gen in Un­schuld und liess Son­der­er­mitt­ler Ro­bert

freie Hand. Das ver­zieh ihm der Prä­si­dent nicht, und nur we­ni­ge Stun­den nach den Kon­gress­wah­len muss­te Ses­si­ons ge­hen.

An der Bör­se setz­te nach Ses­si­ons’ Ab­schied der gros­se Kauf­rausch ein. Das galt zu­min­dest für die Ak­ti­en der ka­na­di­schen Ma­ri­hua­na-pro­du­zen­ten. Ame­ri­ka­ni­sche Can­na­bis-un­ter­neh­men dür­fen bis jetzt ih­re An­tei­le nicht an der Bör­se han­deln. Wer in den Sek­tor in­ves­tie­ren will, muss an der New Yor­ker Bör­se ent­spre­chend auf die ka­na­di­schen An­bie­ter set­zen. Die Ak­ti­en von Til­ray schos­sen am Mitt­woch in der Spit­ze um rund 30% in die Hö­he. Ses­si­ons zeig­te sich zu sei­ner Amts­zeit ab­leh­nend ge­gen­über ei­ner Le­ga­li­sie­rung von Ma­ri­hua­na in den USA. Soll­te sich sein Nach­fol­ger dem Sek­tor ge­gen­über of­fe­ner zei­gen, dann könn­ten sich neue Geld­quel­len für den Sek­tor und die Staats­kas­sen er­schlies­sen. Die Eu­pho­rie an der Wall Street war al­ler­dings nicht von lan­ger Dau­er. Ana­lys­ten mei­nen war­nend, dass bei In­ves­ti­tio­nen gros­se Ri­si­ken blei­ben.

Nach dem Ge­ne­ral­staats­an­walt wür­de Do­nald Trump lie­bend ger­ne sei­nen No­ten­bank­chef Je­ro­me Po­well los­wer­den. Doch es ist ver­fas­sungs­recht­lich nicht ganz ein­deu­tig, ob der Prä­si­dent die­se Be­fug­nis hat. Mit dem Sieg der De­mo­kra­ten im Re­prä­sen­tan­ten­haus wird der Hand­lungs­spiel­raum Trumps oh­ne­hin ein­ge­schränkt. Wie die No­ten­bank nach der jüngs­ten Sit­zung am Don­ners­tag kom­mu­ni­zier­te, ist im De­zem­ber mit der vier­ten Zins­er­hö­hung des Jah­res zu rech­nen. Vor al­lem die wei­ter­hin star­ken Zah­len vom Us-ar­beits­markt un­ter­strei­chen den Kurs des Fed. Am Frei­tag zeig­ten die Pro­du­zen­ten­prei­se zu­sätz­lich in­fla­tio­nä­re Ten­den­zen.

Dass die Re­pu­bli­ka­ner ei­nen Teil der Kon­trol­le über den Kon­gress ver­lo­ren ha­ben, lässt die Wall Street re­la­tiv kalt. His­to­risch be­trach­tet, schlägt sich der Ak­ti­en­markt am bes­ten un­ter ei­nem de­mo­kra­ti­schen Prä­si­den­ten und

Das drit­te Amts­jahr ei­nes Prä­si­den­ten gilt als das bes­te Bör­sen­jahr des Prä­si­dent­schafts­zy­klus.

ei­nem ge­spal­te­nen Kon­gress. Wenn schon ein Re­pu­bli­ka­ner im Oval Of­fice sitzt, dann ist eben­falls ein ge­spal­te­ner Kon­gress am bes­ten für die Bör­se. Trumps Plan, ei­ne wei­te­re

Steu­er­sen­kung vor­zu­neh­men, wird kaum rea­li­sier­bar sein. Was an­ge­sichts der ho­hen Ver­schul­dung an den Bond­märk­ten eher für Er­leich­te­rung sorg­te. Oh­ne­hin gilt das drit­te Amts­jahr ei­nes Prä­si­den­ten als das bes­te Bör­sen­jahr des Prä­si­dent­schafts­zy­klus.

Das sind gu­te Vor­bo­ten für die kom­men­den Mo­na­te an der Wall Street. Al­ler­dings sind die Kur­se in den ver­gan­ge­nen zwei Jah­ren auch mas­siv ge­stie­gen. Es bleibt die Fra­ge, wie vie­le die­ser po­si­ti­ven Nach­rich­ten längst in den Kur­sen ein­ge­preist sind. Und mit den hö­he­ren Zin­sen, der ho­hen den schwe­len

oder ei­ner glo­ba­len blei­ben je­de Men­ge Ri­si­ko­fak­to­ren im Markt. Hin­zu kom­men die stark fal­len­den

Öl­prei­se. Seit An­fang Au­gust ist der Öl­preis in New York um über 20% ein­ge­bro­chen und da­mit in ei­nen Bä­ren­markt ab­ge­sackt. den

Mu­el­ler

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