Wo­hin es die Wer­bung trägt

Neue Zurcher Zeitung Sunday - - Meinungen - Ron­nie Grob Ron­nie Grob ist Re­dak­tor beim «Schwei­zer Mo­nat». (ron­nieg­[email protected])

Wie vie­le po­la­ri­sie­ren­de po­li­ti­sche Fra­gen ist auch die Selbst­be­stim­mungs­in­itia­ti­ve ein Glücks­fall für den Jour­na­lis­mus. Die La­ger su­chen nach Auf­merk­sam­keit und fin­den sie, zum Bei­spiel auf ei­ner Wer­be­sei­te, die der Ti­tel­sei­te von «20 Mi­nu­ten» vor­ge­schal­tet ist.

Sie wur­de im No­vem­ber so­wohl von Initia­tiv­be­für­wor­tern als auch von Initia­tiv­geg­nern ge­bucht – ins­ge­samt drei­mal. Wur­de stets der Lis­ten­preis be­zahlt, hat das fast ei­ne hal­be Mil­li­on Fran­ken in die Kas­sen von Ta­me­dia ge­spült.

Doch die Jour­na­lis­ten freu­en sich nicht über die Ein­nah­men der Ver­la­ge, sie em­pö­ren sich dar­über. Mark Ditt­li, einst Chef­re­dak­tor der Ta­me­dia-zei­tung «Fi­nanz und Wirt­schaft», frag­te beim zwei­ten ProIn­se­rat auf Twitter: «Wie schlecht muss es ei­nem ei­gent­lich ge­hen, dass man als Me­di­en­pro­dukt in der Schweiz sein Lo­go für der­ar­ti­gen Schund her­gibt?»

Tat­säch­lich hat­ten es Zei­tun­gen frü­her nicht nö­tig, ih­ren Ti­tel­sei­ten In­se­ra­te vor­zu­schal­ten. Und gä­be es aus­rei­chend Kun­den, die im Blatt selbst wer­ben wol­len, wür­den sie das wohl auch nicht an­bie­ten. Da­bei gibt es die­se. Doch als Un­ter­neh­mer Mar­kus Blo­cher (Dot­ti­kon ES Hol­ding) kürz­lich in ver­schie­de­nen Zei­tun­gen halb­sei­ti­ge An­zei­gen für die Initia­ti­ve schal­te­te, ging das Ge­läch­ter los, ob es denn kei­ne bes­se­ren Weih­nachts­ge­schen­ke ge­be für Va­ter Chris­toph Blo­cher – der sei­ner­seits seit Jahr­zehn­ten In­se­ra­te in Zei­tun­gen be­zahlt (und so in­di­rekt wohl schon Mil­lio­nen­be­trä­ge in den Jour­na­lis­mus in­ves­tiert hat).

Dass es auch an­ders geht, zeigt mir mein per­sön­li­cher Ins­ta­gram-stream, in dem ich ge­gen die Initia­ti­ve ge­spon­ser­te An­zei­gen von Schutz­fak­tor M, Eco­no­mie­su­is­se, SP Schweiz, Am­nes­ty In­ter­na­tio­nal und Neinz­urs­bi.ch ge­fun­den ha­be. Hier geht das Wer­be­geld an den in­ter­na­tio­na­len Us-kon­zern Face­book. Frei­er Markt, freie Ent­schei­dung.

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