Der Rück­tritt To­ni Brun­ners trifft sei­ne Par­tei zur fal­schen Zeit

Neue Zurcher Zeitung Sunday - - Meinungen - Fran­ces­co Ben­i­ni

«To­ni kann man über­all hin­schi­cken, der er­zählt nie ei­nen Seich», sag­te Chris­toph Blo­cher über To­ni Brun­ner. Der Aus­spruch of­fen­bar­te die wah­ren Macht­ver­hält­nis­se in der SVP – in der Amts­zeit Brun­ners als Par­tei­prä­si­dent von 2008 bis 2016 be­stimm­te Blo­cher die Li­nie. Der St. Gal­ler Na­tio­nal­rat, der sich nun mit erst 44 aus der Po­li­tik zu­rück­zieht, pack­te die Po­si­ti­ons­be­zü­ge in ei­ge­ne Wor­te, wirk­te au­then­tisch und zu­pa­ckend, er­reich­te als Land­wirt die Par­tei­ba­sis mü­he­los. Auch be­güns­tigt von der Flücht­lings­kri­se, er­reich­te die SVP 2015 ei­nen Wäh­ler­an­teil von 29,4 Pro­zent – ein Tri­umph für Blo­cher und Brun­ner. Der Über­va­ter ver­such­te, den Prä­si­den­ten zu ei­ner Bun­des­rats­kan­di­da­tur zu über­re­den – Brun­ners Des­in­ter­es­se am ho­hen Amt war aber nicht wie bei vie­len Po­li­ti­kern ge­spielt, son­dern echt. Sein Ab­gang trifft die SVP zu ei­nem schlech­ten Zeit­punkt. In kan­to­na­len Wah­len häu­fen sich die Ver­lus­te, Volks­ab­stim­mun­gen ge­hen klar ver­lo­ren, die Zürcher Sek­ti­on – die kurz vor Wah­len steht – ist nicht gut ge­führt. Die The­men, auf wel­che die Par­tei lan­ge setz­te, sind nicht im Schwan­ge. Die Schwei­zer sor­gen sich um die Ge­sund­heits­kos­ten, um die AHV – die Zu­wan­de­rung in­ter­es­siert sie zur­zeit we­ni­ger. Dass sie oh­ne Brun­ner ins Wahl­jahr 2019 stei­gen muss, be­deu­tet für die SVP ei­nen Rück­schlag.

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