Zu Em­ma­nu­el Ma­cron gibt es noch kei­ne Al­ter­na­ti­ve

Neue Zurcher Zeitung Sunday - - Meinungen - Lu­zi Ber­net

Es braut sich et­was zu­sam­men in Frank­reich. Tau­sen­de so­ge­nann­te «Gi­lets jau­nes» ha­ben am Sams­tag ge­gen die Er­hö­hung der Treib­stoff­prei­se und ge­gen Em­ma­nu­el Ma­cron de­mons­triert, der ih­nen als «Prä­si­dent der Rei­chen» er­scheint. Es sind kei­ne or­ga­ni­sier­ten Kräf­te, die in gel­ben Warn­wes­ten Stras­sen­sper­ren er­rich­ten und Ein­kaufs­zen­tren blo­ckie­ren, son­dern Leu­te, de­nen es schlicht an Geld zur Be­wäl­ti­gung ih­res All­tags man­gelt. Noch ist es kei­ner po­li­ti­schen Grup­pie­rung ge­lun­gen, die neue Pro­test­be­we­gung für ih­re Zwe­cke zu in­stru­men­ta­li­sie­ren. Und ge­nau dies ist das Be­droh­li­che für den jun­gen Prä­si­den­ten, der ja auch nicht von ei­ner Par­tei, son­dern ei­ner zi­vil­ge­sell­schaft­li­chen Be­we­gung in den Ely­sée-pa­last ge­tra­gen wur­de. Es fällt Ma­cron schwer, ei­ne Ant­wort auf die «Gi­lets jau­nes» zu fin­den Kann er die Kri­se aus­sit­zen und dar­auf hof­fen, dass sich die Fran­zo­sen all­mäh­lich über die Blo­cka­den är­gern und sich die öf­fent­li­che Mei­nung zu sei­nen Guns­ten kehrt? Es ist ein of­fe­nes Spiel – ei­nes, das zeigt, wie sehr Frank­reich im Um­bruch ist. Die eta­blier­ten Kräf­te sind weg, die neu­en ha­ben un­kla­re Kon­tu­ren. Ei­ne Al­ter­na­ti­ve zu Ma­cron gibt es noch nicht. Das ist sei­ne Chan­ce. Noch hat er Gestal­tungs­spiel­raum.

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