Alex­an­der J. Sei­ler, 90

Neue Zurcher Zeitung Sunday - - Hintergrund -

Er hat den neu­en Schwei­zer Film mit­lan­ciert, den ci­ne­as­ti­schen Auf­bruch der 68er Ge­ne­ra­ti­on, die sich ge­gen den al­ten pa­trio­ti­schen Schwei­zer Film wand­te und dem hie­si­gen Au­to­ren­ki­no zu Welt­ruf ver­half. Mit sei­nem ers­ten Kurz­film «In wech­seln­dem Ge­fäl­le» schaff­te es Sei­ler 1963 ans Fes­ti­val von Can­nes und ge­wann die Gol­de­ne Pal­me. Mit sei­nem ers­ten Lang­film «Sia­mo ita­lia­ni» schuf er 1964 ein Meis­ter­werk. Er do­ku­men­tier­te die men­schen­un­wür­di­gen Le­bens­be­din­gun­gen der als «Tsching­gen» ver­schrie­nen Süd­län­der, die in den sech­zi­ger Jah­ren in die Schweiz ka­men. Er gab ih­nen ei­ne Stim­me.

Der 1928 in Zü­rich ge­bo­re­ne Sei­ler stamm­te aus gut­bür­ger­li­chem Haus: Sei­ne Mut­ter war Psy­cho­ana­ly­ti­ke­rin, sein Va­ter Prä­si­dent ei­nes Wirt­schafts­ver­ban­des. Sei­ler wur­de So­zia­list, blieb aber ein Bil­dungs­bür­ger, der ne­ben sei­ner Ar­beit als Re­gis­seur Film­kri­ti­ken mit li­te­ra­ri­scher Qua­li­tät in der «Welt­wo­che» und der «WOZ» schrieb. Er war ein Qu­er­den­ker, ein «er­ra­ti­scher Block», wie ihn Pe­ter Bich­sel im Vor­wort von Sei­lers ver­steck­ter Au­to­bio­gra­fie «Da­ne­ben ge­schrie­ben» tref­fend nennt. Un­ver­söhn­lich wet­ter­te er ge­gen die wirt­schaft­li­che Aus­rich­tung der Film­för­de­rung. Sei­nen letz­ten film­po­li­ti­schen Kampf ge­wann er 2014: Der Bund woll­te ihn mit dem Eh­ren­preis des Schwei­zer Film­prei­ses aus­zeich­nen. Sei­ler in­sis­tier­te, er wür­de ihn lie­ber an­neh­men, wenn er nicht bloss Eh­re wä­re. Seit­her ist er mit 30 000 Fran­ken do­tiert. Sei­ler starb in Zü­rich.

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