Droh­nen-ver­kehr bald über dem Zü­rich­see

Neue Zurcher Zeitung Sunday - - Wirtschaft - Bir­git Voigt

Die Post will er­neut Droh­nen zum Pa­ket­t­rans­port über den Zü­rich­see ein­set­zen. Beim Bun­des­amt für Zi­vil­luft­fahrt ist ein An­trag pen­dent.

Zwei­ter An­lauf für den Ein­satz ei­ner Lie­fer­droh­ne, die quer über das Zürcher See­be­cken flie­gen wird: In Kür­ze soll ge­mäss In­for­ma­tio­nen der «NZZ am Sonn­tag» ei­ne Droh­ne der Post wie­der Päck­chen zwi­schen dem Zen­tral­la­bor Zü­rich und dem Not­fall­la­bor der Hirs­lan­den-kli­nik «Im Park» trans­por­tie­ren.

Wie beim Start der Test­flü­ge im Ju­ni kom­mu­ni­ziert, er­hof­fen sich die Ver­ant­wort­li­chen durch die Lie­fe­run­gen per Luft­weg gros­se Zeit­ge­win­ne. Wäh­rend ein Ku­rier­fah­rer für den Weg von der Zürcher Forch­stras­se zur an­de­ren See­sei­te in Stoss­zei­ten ge­gen ei­ne St­un­de ein­rech­nen muss, be­nö­tigt die Flug­ma­schi­ne für die rund 4,5 km lan­ge Stre­cke we­ni- ger als zehn Mi­nu­ten. Das Ge­rät kann ma­xi­mal 2 kg be­för­dern. Die Spit­zen­ge­schwin­dig­keit liegt bei 70 km/h. Für den Not­fall ver­fügt es über ei­nen Fall­schirm. Die Rou­te über den See folgt ei­ner fest­ge­leg­ten Bahn auf et­wa 110 m Hö­he.

Die Test­flü­ge hat­ten zu Pro­tes­ten ge­führt. In der Nä­he der Start­und Lan­de­punk­te fühl­ten sich An­woh­ner vom Lärm be­läs­tigt. Mitt­ler­wei­le sei­en Flug­rou­te und Lan­de­punk­te op­ti­miert wor­den, sagt ein am Pro­jekt Be­tei­lig­ter.

Das Bun­des­amt für Zi­vil­luft­fahrt (Bazl) muss aber die­se neue Rou­te noch ge­neh­mi­gen. Der Bazl-spre­cher be­stä­tig­te, dass ein An­trag vor­liegt. Wann die Be­wil­li­gung er­teilt wird, ist of­fen.

Die Post hat schon gute Er­fah­run­gen mit dem Droh­nen­dienst ge­sam­melt. Seit 2017 hat sie im Tes­sin mehr als tau­send Lie­fe­run­gen zwi­schen zwei Spi­tä­lern durch­ge­führt. Zum Stand des Pro­jekts in Zü­rich woll­te sich ei­ne Post-spre­che­rin nicht äus­sern.

Der Ein­satz von Droh­nen hat in den letz­ten Wo­chen zu Zwi­schen­fäl­len ge­führt, die für De­bat­ten sor­gen. Am 29. Sep­tem­ber kam es um Haa­res­brei­te zu ei­ner Kol­li­si­on mit ei­ner Swiss-ma­schi­ne mit 103 Pas­sa­gie­ren an Bord. Das Flug­zeug be­fand sich laut Vor­be­richt der Si­cher­heits­un­ter­su­chungs­stel­le (Sust) im Lan­de­an­flug auf den Flug­ha­fen. Ei­ne Droh­ne kreuz­te in ei­nem Ab­stand von we­ni­ger als 20 m den Flug­weg der A319. Der laut Sust «schwe­re Vor­fall» wird wei­ter un­ter­sucht. Die Droh­ne be­fand sich un­er­laub­ter­wei­se in ei­nem für sie ge­sperr­ten Pe­ri­me­ter. Da es aber bis heu­te kaum mög­lich ist, fern­steu­ern­de Pi­lo­ten sol­cher Ve­hi­kel aus­fin­dig zu ma­chen, dürf­te der Vor­fall für den Schul­di­gen oh­ne Kon­se­quen­zen blei­ben.

Der Stadt­zür­cher Ge­mein­de­rat Mar­kus Kn­auss hat dar­über hin­aus ei­ne Dis­kus­si­on über die Lärm­be­läs­ti­gung durch Droh­nen an­ge­stos­sen. Den Grü­nen-po­li­ti­ker alar­mier­te an ei­nem frü­hen Sonn­tag­mor­gen mit­ten im Kreis 3 der Pro­pel­ler­lärm ei­ner Droh­ne. Ein Vi­deo­team mach­te (mit po­li­zei­li­cher Be­wil­li­gung) Quar­tier-auf­nah­men für ei­nen Wer­be­film.

Kn­auss und wohl ein grös­se­rer Teil der Be­völ­ke­rung nah­men er­staunt zur Kennt­nis, dass Zi­vil­per­so­nen Flug­ob­jek­te bis 30 kg Ge­wicht grund­sätz­lich auch in der Stadt flie­gen dür­fen. In ei­ner An­fra­ge an den Stadt­rat will Kn­auss nun wis­sen: «Ab wel­cher Schwel­le der Lärm­be­las­tung kommt die all­ge­mei­ne Po­li­zei­ver­ord­nung zum Ein­satz?» Ziel der An­fra­ge sei, so Kn­auss, dass «Pri­vat­per­so­nen Droh­nen nicht mehr im öf­fent­li­chen Raum zum Ver­gnü­gen flie­gen las­sen kön­nen.»

Zu­min­dest für kom­mer­zi­el­le Droh­nen­flü­ge sol­len ab Ju­ni 2019 kla­re Re­geln gel­ten. Dann will die Schwei­zer Flug­si­che­rung Sky­gui­de das eu­ro­pa­weit ers­te Luft­ver­kehrs­ma­nage­ment­sys­tem für Droh­nen in Be­trieb neh­men. Laut ei­nem Sky­gui­de-spre­cher ist die Ent­wick­lung «im Zeit­plan».

Das Sys­tem na­mens U-space ist ein ge­samt­eu­ro­päi­sches Pro­jekt. Es soll die di­gi­ta­le In­fra­struk­tur lie­fern, um ei­nen Him­mel vol­ler Droh­nen weit­ge­hend au­to­ma­ti­siert zu ma­na­gen. Da­bei ist vor­ge­se­hen, dass sich Droh– nen­pi­lo­ten vor ei­nem Flug on­line re­gis­trie­ren müs­sen. Sie er­hal­ten ei­nen Zeits­lot und Flug­plan, dem sie im über­wach­ten Luf­t­raum dann auch fol­gen müs­sen.

U-space legt die tech­ni­sche Ba­sis, um den Ver­kehr zu re­geln. Noch völ­lig of­fen ist die schwie­ri­ge Fra­ge, ob al­le In­ter­es­sen­ten am Ver­kehr teil­neh­men dür­fen – oder ob man den Luf­t­raum über un­se­ren Köp­fen ein paar es­sen­zi­el­len Di­ens­ten vor­be­hal­ten soll.

Soll bald wie­der flie­gen: Test-droh­ne der Post. (Zü­rich, 20. Ju­ni 2018)

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