Phonak prüft Hör­ge­rä­te für Su­per­markt

Neue Zurcher Zeitung Sunday - - Wirtschaft - Ue­li Kneu­büh­ler ( frp.)

Schwei­zer Fern­se­hen ver­ab­schie­det sich vom WEF

Das Schwei­zer Fern­se­hen spart und sen­det nur noch ein mar­gi­na­les Live-pro­gramm vom Welt­wirt­schafts­fo­rum in Da­vos. In die Lü­cke springt CNN Mo­ney Swit­z­er­land.

Am Welt­wirt­schafts­fo­rum (WEF) in Da­vos tref­fen sich die Mäch­ti­gen die­ser Welt. Top-shots aus Wirt­schaft und Po­li­tik ge­ben sich je­weils im Ja­nu­ar in der höchst­ge­le­ge­nen Stadt Eu­ro­pas ein Stell­dich­ein. Die Ge­sich­ter der aus Wa­shing­ton, Pe­king oder Ber­lin an­ge­reis­ten Staats­füh­rer flim­mern dann wäh­rend vier Ta­gen und in End­los­schlau­fe über die Schwei­zer Tv-bild­schir­me.

Doch da­mit ist jetzt Schluss – zu­min­dest beim Schwei­zer Fern­se­hen. Der Tross an Jour­na­lis­ten und Tech­ni­kern, der sich je­weils vom Leut­schen­bach Rich­tung Da­vos auf­mach­te, bleibt zwi­schen dem 22. und 25. Ja­nu­ar zu gros­sen Tei­len in den Stu­di­os. Das Schwei­zer Fern­se­hen (SF) hat die Live-be­richt­er­stat­tung für das kom­men­de WEF prak­tisch gänz­lich ein­ge­stellt, wie Ste­fan Wyss, Me­dien­spre­cher des Schwei­zer Ra­di­os und Fern­se­hens (SRF), be­stä­tigt. Hin­ter­grund des Ver­zichts ist das Spar­pro­gramm über 100 Mio. Fr., das sich die Schwei­ze­ri­sche

Ra­dio- und Fern­seh­ge­sell­schaft (SRG) auf­er­legt hat. SRF und die Pro­duk­ti­ons­fir­ma TPC müs­sen das Bud­get auf 2019 um ins­ge­samt 30 Mio. Fr. re­du­zie­ren. Das Spar­ziel kön­ne lei­der nicht oh­ne ge­wis­se Ab­stri­che beim Pro­gramm er­reicht wer­den, so Wyss, «dar­um ist die Re­duk­ti­on der Live­über­tra­gun­gen vom WEF ei­ne von vie­len Mass­nah­men». Die «SRF live De­ba­te» am Nach­mit­tag des 23. Ja­nu­ar, mo­de­riert von Pa­tri­zia Lae­ri, ist die ein­zi­ge Live-sen­dung, an der das SRF fest­hält. Sonst be­rich­ten die be­kann­ten Sen­dun­gen wie «Schweiz ak­tu­ell», «Ta­ges­schau» oder «10 vor 10».

Ob das SRF mit dem Ver­zicht auf die Live-be­richt­er­stat­tung am WWF am rich­ti­gen Ort spart, liegt in der Per­spek­ti­ve des Be­trach­ters. Bei der Kon­kur­renz lässt die Wef-ab­senz je­den­falls die Au­gen leuch­ten. Ins­be­son­de­re beim An­fang Jahr ge­star­te­ten eng­lisch­spra­chi­gen Wirt­schafts­sen­der CNN Mo­ney Swit­z­er­land. «Dass sich das SRF aus Da­vos zu­rück-

zieht, er­ach­ten wir als Chan­ce für uns. Der An­lass strahlt glo­bal aus und ist für uns ei­ne Top-platt­form», freut sich Chris­to­phe Rasch, Grün­der und Chef von CNNMS. «Wir über­tra­gen wäh­rend vier Ta­gen live aus Da­vos und in­ves­tie­ren da­für zwi­schen 100 000 und 150 000 Fr.» Der Wirt­schafts­ka­nal schickt rund die Hälf­te sei­nes Teams nach Da­vos. CNNMS er­reicht heu­te mo­nat­lich 75 000 Zu­schau­er (Ok­to­ber). Bis En­de 2019 soll die Zahl auf 115 000 stei­gen.

Da­mit über­nimmt ein ab­so­lu­ter Ni­schen­play­er das Li­vezep­ter in Da­vos. Zum Ver­gleich: Al­lei­ne die «SRF Bör­se» er­reich­te die­sen Don­ners­tag 373 000 Zu­schau­er. Die Sen­dung wird um 19 Uhr 24, kurz vor der Haupt­aus­ga­be der «Ta­ges­schau» bei SRF 1, aus­ge­strahlt. Auch das Wirt­schafts­ma­ga­zin «Eco», das je­weils Mon­tag­abend um 22 Uhr 25 auf dem glei­chen Sen­der über die Matt­schei­be flim­mert, lock­te die­se Wo­che 125 000 Zu­schau­er vor die Bild­schir­me.

CNN Mo­ney Swit­z­er­land ist ein Winz­ling, aber ei­ner, der sich cle­ver zu po­si­tio­nie­ren weiss. «Wir ha­ben im Ok­to­ber mit dem WEF ei­nen Ver­trag ab­ge­schlos­sen, der uns er­laubt, re­dak­tio­nel­le In­hal­te ge­gen­sei­tig aus­zu­tau­schen», so Rasch. «Un­ter dem Jahr nut­zen wir Wef-in­hal­te und ver­brei­ten sie über die so­zia­len Netz­wer­ke, di­gi­tal, über un­se­re Web­site oder über das klas­si­sche Fern­se­hen.» CNNMS be­rich­tet nicht nur aus Da­vos, son­dern auch von WEFAn­läs­sen wie zu­letzt in Chi­na oder bald auch aus In­di­en.

Mit dem glo­ba­len CNN Netz­werk im Rü­cken kann der Schwei­zer Ab­le­ger ei­ne enor­me Reich­wei­te ge­ne­rie­ren. In Da­vos hat er ein ei­ge­nes Stu­dio und ar­bei­tet mit CNN In­ter­na­tio­nal zu­sam­men. «Wir wer­den In­hal­te für un­se­ren Sen­der, aber auch für CNN glo­bal pro­du­zie­ren», sagt Rasch. Chef­re­dak­tor Urs Gre­dig, lang­jäh­ri­ger Srf-mo­de­ra­tor, wird dann über das Si­gnal von CNN In­ter­na­tio­nal für ein glo­ba­les Pu­bli­kum be­rich­ten. Das Phonak-mut­ter­haus So­no­va prüft, Hör­ge­rä­te im De­tail­han­del di­rekt an Pa­ti­en­ten zu ver­kau­fen. «Wir den­ken über Ge­rä­te nach, die oh­ne Be­ra­tung ei­nes Akus­ti­kers ver­kauft wer­den», er­klär­te Fir­men­chef Arnd Kal­dow­ski am Diens­tag vor In­ves­to­ren. Apo­the­ken und Op­ti­ker ge­win­nen als Ab­satz­ka­nal an Be­deu­tung, die Prei­se für Hör­ap­pa­ra­te sin­ken nicht nur in der Schweiz.

Hör­ge­rä­te oh­ne Be­ra­tung sei­en ei­ne «Chan­ce für die Markt­ent­wick­lung ins­ge­samt», sagt ein So­no­va-spre­cher. Ob und in wel­chen Län­dern sie an­ge­bo­ten wer­den könn­ten, ist laut Kal­dow­ski of­fen. Bis an­hin ver­trieb So­no­va ih­re Mar­ken aus­schliess­lich über Akus­tik-fach­ge­schäf­te. Kal­dow­skis Vor­gän­ger Lu­kas Braun­schwei­ler hat­te 2013 noch er­klärt: «Pro­fes­sio­nell an­ge­pass­te Hör­ge­rä­te wer­den auch in Zu­kunft nicht an der Tank­stel­le ge­kauft wer­den kön­nen.»

Al­lei­ne in Da­vos: Pa­tri­zia Lae­ri.

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