Fünf Fra­gen

Neue Zurcher Zeitung Sunday - - Invest - An Ste­fan Hof­rich­ter In­ter­view: Eu­gen Stamm

Seit 1996 ar­bei­tet Hof­rich­ter bei Al­li­anz Glo­bal In­ves­tors. Er ist Chef­öko­nom und ver­folgt die glo­ba­le Wirt­schaft.

Wie prä­sen­tiert sich die Welt­wirt­schaft?

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Auch wenn das Wachs­tum noch so­li­de ist, ver­flacht es sich lang­sam. Vor­lau­fen­de In­di­ka­to­ren zei­gen ei­ne wei­te­re Ver­lang­sa­mung an. Die Geld­po­li­tik nor­ma­li­siert sich, die In­fla­ti­on steigt gra­du­ell. Die po­li­ti­sche Un­si­cher­heit ist wei­ter­hin hoch. Die Ver­schul­dung ist welt­weit an­ge­stie­gen, und die Be­wer­tun­gen in ei­ni­gen wich­ti­gen An­la­ge­klas­sen sind so hoch, dass sie kei­nen Schutz ge­gen Rück­schlä­ge bie­ten.

Was soll man an­ge­sichts die­ser Aus­gangs­la­ge tun?

2

Wir emp­feh­len, in star­ken Bör­sen­pha­sen das Ri­si­ko zu re­du­zie­ren und nicht in Schwä­che­pha­sen noch mehr Ak­ti­en zu kau­fen. Ge­gen En­de des Kon­junk­tur­zy­klus sind die Re­turns meist un­ter­durch­schnitt­lich. Im ge­gen­wär­ti­gen Um­feld mahnt das Ver­hält­nis von Chan­cen zu Ri­si­ken zur Vor­sicht.

3

Nein, die Da­ten­la­ge deu­tet nicht dar­auf hin. Wenn das Fed mit den Er­hö­hun­gen den Zin­sen wei­ter­macht wie er­war­tet, dann wer­den wir En­de 2019 ein Zins­ni­veau er­rei­chen, das neu­tral bis re­strik­tiv ist. Im Jahr 2020 könn­te die USWirt­schaft des­halb ei­ne har­te Lan­dung hin­le­gen, gera­de weil der Un­ter­neh­mens­sek­tor sich stark ver­schul­det hat. Wir se­hen am Ver­hal­ten von Fed­chef Po­well, dass er ge­willt ist, den Weg von Zins­er­hö­hun­gen wei­ter­zu­ge­hen, auch wenn es an den Märk­ten schüt­telt.

Ist ei­ne Re­zes­si­on in den USA ab­seh­bar? Wie vie­le Mög­lich­kei­ten wer­den die No­ten­ban­ken ha­ben, um auf ei­ne all­fäl­li­ge Re­zes­si­on zu re­agie­ren?

4

Selbst in den USA wird es schwie­rig. Das Fed hat frü­her vor und wäh­rend ei­ner Re­zes­si­on die Zin­sen um 5% ge­senkt. So gros­sen Spiel­raum wird es die­ses Mal nicht ha­ben. In Eu­ro­pa, wo sich bei den Zin­sen gar noch nichts ge­tan hat, wä­re auf der mo­ne­tä­re Sei­te fast nichts mög­lich.

Wird die Welt­wirt­schaft vi­el­leicht noch vor 2020 durch po­li­ti­sche Ri­si­ken ge­bremst?

5

Wir kön­nen den Han­dels­krieg, die Si­tua­ti­on in Ita­li­en und den Br­ex­it un­ter dem Stich­wort Po­pu­lis­mus zu­sam­men­fas­sen. Je­de Be­stre­bung, den Welt­han­del zu hem­men, dämpft das Wirt­schafts­wachs­tum und er­höht die Prei­se. Wir ge­hen in den Port­fo­li­os kei­ne Po­si­tio­nen nur auf po­li­ti­sche Er­eig­nis­se hin ein. Wahr­schein­lich wird sich Eu­ro­pa wie­der in letz­ter Mi­nu­te ei­ni­gen, und die ita­lie­ni­sche Re­gie­rung wird al­lein schon we­gen des Drucks der Fi­nanz­märk­te nach­ge­ben müs­sen.

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