Haupt­ak­tio­när von Pa­nal­pi­na macht Weg frei für den Ver­kauf

Neue Zurcher Zeitung Sunday - - Invest - Fran­zis­ka Pfis­ter

Spe­ku­la­tio­nen über ei­nen Zu­sam­men­schluss trie­ben die­se Wo­che die Ak­ti­en­kur­se der Schwei­zer Lo­gis­tik­kon­zer­ne Pa­nal­pi­na und Küh­ne + Na­gel (K+N) an. Pa­nal­pi­na sind in Wo­chen­frist um 11% vor­ge­rückt, K+N zo­gen in ei­nem rück­läu­fi­gen Ge­samt­markt im­mer­hin 6% an. Der Chef der sonst eher zu­ge­knöpf­ten K+N si­gna­li­sier­te gleich in zwei In­ter­views Ge­sprächs­be­reit­schaft für ei­nen Kauf Pa­nal­pi­nas. «Wir su­chen trans­for­mie­ren­de Ele­men­te», sag­te Det­lef Trefz­ger am Don­ners­tag der Agentur «Bloom­berg» und leg­te am Sams­tag in der «Fi­nanz + Wirt­schaft» nach. Dort be­kun­de­te er In­ter­es­se an zu­sätz­li­chen Fracht­vo­lu­men.

Zur­zeit lau­fen je­doch kei­ne Ge­sprä­che zwi­schen den Kon­zer­nen, wie Per­so­nen aus dem Um­feld bei­der Häu­ser er­klä­ren. Aber sie tas­ten sich vor­sich­tig an­ein­an­der her­an. Trefz­gers Äus­se­run­gen le­sen sich wie ei­ne Ein­la­dung an die Bas­ler, zu­mal er ei­ne feind­li­che Über­nah­me ex­pli­zit aus­schliesst. Sie kommt zu ei­nem wohl­ge­wähl­ten Zeit­punkt, nur Ta­ge nach dem Rück­tritt von Pa­nal­pi­naPrä­si­dent Pe­ter Ul­ber. Nach nur drei Jah­ren will der Ver­tre­ter der Haupt­ak­tio­nä­rin den Ses­sel an der nächs­ten Ge­ne­ral­ver­samm­lung im Früh­jahr 2019 räu­men.

Die Ernst­göh­ner­stif­tung kon­trol­liert 45,9% der Ak­ti­en und sperr­te sich bis­her ge­gen Ver­hand­lun­gen. Nun gab sie dem Druck der drei nächst­grös­se­ren Ak­tio­nä­re nach. Sie hat­ten In­ter­es­sen­kon­flik­te mo­niert, weil die Stif­tung zu­gleich den Prä­si­den­ten und Vi­ze­prä­si­den­ten stellt. «Das war tat­säch­lich ei­ne un­glück­li­che Kon­stel­la­ti­on, wir möch­ten das fort­an sau­ber tren­nen», sagt ei­ne Per­son aus de­ren Um­feld.

«An­de­re Lö­sun­gen» auf dem Tisch

Mit der Wahl ei­nes un­ab­hän­gi­gen Prä­si­den­ten sei dem Un­ter­neh­men «am bes­ten ge­dient», teil­te Pa­nal­pi­na am Diens­tag mit. Die Göh­ner­stif­tung sei be­reit, den Weg frei zu ma­chen für an­de­re Lö­sun­gen, ver­lau­tet aus der Stif­tung. Doch wie könn­ten die aus­se­hen? Ei­ne Op­ti­on wä­re, nach ei­nem Ver­kauf Pa­nal­pi­nas ei­nen klei­nen An­teil am neu­en Un­ter­neh­men zu hal­ten. Die Stif­tung sei be­reit, hier­für Hand zu bie­ten, möch­te aber An­ker­ak­tio­när blei­ben.

Pa­nal­pi­na kämpft seit Jah­ren mit gros­sen Pro­ble­men und ar­bei­tet deut­lich we­ni­ger pro­fi­ta­bel als K+N (sie­he Ta­bel­le). Die Fi­nanz­ana­lys­ten von Gold­man Sachs rech­nen 2018 mit ei­nem Be­triebs­ge­winn (Stu­fe Ebit) auf ver­gleich­ba­rem Ni­veau wie im Jahr 2013. Das Un­ter­neh­men zah­le sei­ne Di­vi­den­de aus der Sub­stanz, die Aus­schüt­tung von 89 Mio. Fr. über­stei­ge den frei­en Cash­flow deut­lich. Rund die Hälf­te der Di­vi­den­de fliesst an die Göh­ner­stif­tung – mit ein Grund, wes­halb sie bis­her stra­te­gi­sche Än­de­run­gen blo­ckier­te.

«Ei­ne Fu­si­on oder Über­nah­me wä­re ein mög­li­cher Schlüs­sel zur Selbst­hil­fe», schreibt Gold­man Sachs in ei­ner Stu­die von Diens­tag. Mehr Grös­se und ei­ne hö­he­re Pro­duk­ti­vi­tät könn­ten hel­fen, sich im ak­tu­el­len Um­feld des stei­gen­den Preis­drucks zu be­haup­ten.

Das stark zer­split­ter­te Trans­port­ge­schäft steht vor ei­ner Kon­so­li­die­rung, denn nur die Gros­sen schaf­fen es noch, ih­re Ge­winn­mar­gen zu ver­tei­di­gen. Da­zu ge­hört auch K+N, die sich als Ziel ge­setzt hat, dop­pelt so stark zu wach­sen wie der Markt. Zur­zeit hält der Kon­zern ei­nen An­teil von 7% des Welt­markts, wäh­rend Pa­nal­pi­na auf 4% kommt. Nach ei­nem Zu­sam­men­schluss kä­men sie auf knapp 90 000 Mit­ar­bei­ter.

K+N ar­bei­tet über­aus er­folg­reich und tä­tig­te zu­letzt vor­wie­gend klei­ne­re Ak­qui­si­tio­nen. Des­halb horch­ten die In­ves­to­ren auf, als Fir­men­chef Trefz­ger plötz­lich In­ter­es­se an ei­nem gros­sen De­al ver­kün­de­te. Auch wenn er be­ton­te, ihm ge­he es mehr um neue Tech­no­lo­gi­en, ei­ne star­ke Prä­senz in Asi­en und Stär­ken in den Be­rei­chen Au­to­ma­ti­sie­rung und Di­gi­ta­li­sie­rung. Denn gera­de die IT gilt als Schwä­che Pa­nal­pi­nas.

Zu­grei­fen, be­vor ein an­de­rer es tut

Doch kom­men Un­ter­neh­men der Grös­se Pa­nal­pi­nas höchst sel­ten auf den Markt. Das könn­te K+N da­zu ver­lei­ten, zu­zu­grei­fen, be­vor es ein Kon­kur­rent tut. Im Luft­ und See­fracht­ge­schäft könn­ten die zu­sätz­li­chen Vo­lu­men aus ei­nem Zu­kauf Pa­nal­pi­nas Raum für sub­stan­zi­el­le Ein­spa­run­gen schaf­fen, kom­men­tier­te die Bank Be­ren­berg die­sen Som­mer in ei­ner Stu­die. «Das be­kä­me K+N mit klei­ne­ren Ak­qui­si­tio­nen nie­mals hin.» Die Ana­lys­ten schät­zen die Sy­ner­gi­en im Fal­le ei­nes Zu­sam­men­ge­hens auf 160 bis 300 Mio. Fr.

Als Fa­vo­rit im Ren­nen um Pa­nal­pi­na galt bis­her die dä­ni­sche DSV. Die Dans­ke Bank schätz­te in ei­ner Stu­die von April 2018 die Sy­ner­gi­en im Falls ei­nes Zu­sam­men­schlus­ses auf 1,75 Mrd. dä­ni­sche Kro­nen (um­ge­rech­net 265 Mio. Fr.).

Ein Fracht­flug­zeug wird be­la­den.

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