Trou­ble in Pa­ra­di­se

Neue Zurcher Zeitung Sunday - - Invest - Jens Kor­te, New York

Nach Thanks­gi­ving star­tet in den USA nicht nur die Zeit für die Weih­nachts­ein­käu­fe, son­dern auch die Lang­fin­ger ha­ben Hoch­kon­junk­tur. Laut Schät­zun­gen des Us-de­tail­han­del­ver­ban­des kos­tet or­ga­ni­sier­te Kri­mi­na­li­tät den De­tail­han­del 777 877 $ pro 1 Mrd. $ Um­satz. Ge­gen­über dem Vor­jahr, und das war schon ein Re­kord­jahr im ne­ga­ti­ven Sinn, be­deu­tet das ein er­neu­ter An­stieg um 7%. 92% der Be­frag­ten Un­ter­neh­men gab an, Op­fer von Kri­mi­na­li­tät ge­wor­den zu sein. Doch es gibt auch gute Nach­rich­ten für die Bran­che. Ame­ri­ka­ner wer­den 2018 ge­gen 720 Mrd. $ für ih­re Liebs­ten und sich selbst zum Fest aus­ge­ben. Das wä­re eben­falls ein Re­kord.

Den viel­ver­spre­chen­den Ab­satz­pro­gno­sen zum Trotz ha­ben die Ak­ti­en der De­tail­händ­ler zu­letzt we­nig ge­glänzt. Das liegt we­ni­ger am Blick auf die kom­men­den Wo­chen, son­dern viel mehr an den Pro­gno­sen für 2019. Mit hö­he­ren Zöl­len müss­ten vor al­lem die gros­sen Ket­ten mit hö­he­ren Kos­ten rech­nen. Das gilt auch für die Löh­ne. Die Ar­beits­lo­sen­quo­te be­fin­det sich auf dem tiefs­ten Stand seit fast 50 Jah­ren. Die Löh­ne ha­ben zu­letzt den stärks­ten Schub seit fast ei­ner De­ka­de ver­bucht. Der De­tail­han­del muss für Mit­ar­bei­ter und auch Trans­port mehr zah­len. Zu­dem kom­men ver­stärkt Spe­ku­la­tio­nen auf, dass die glo­ba­le Wirt­schaft 2019 ei­ne leich­te Ab­küh­lung er­le­ben könn­te. Das wür­de auch an den USA nicht spur­los vor­bei­zie­hen.

Die ge­dämpf­ten Pro­gno­sen ha­ben nicht nur den De­tail­han­del, son­dern den ge­sam­ten Markt be­las­tet. Die Thanks­gi­ving­wo­che gilt üb­li­cher­wei­se als eher öde, aber po­si­ti­ve Zeit an der Wall Street. Doch in der hin­ter uns lie­gen­den Wo­che stan­den die Ak­ti­en mas­siv un­ter Druck. Der Dow Jo­nes ver­lor über 1000 Punk­te oder rund 4,4% an Wert. Ei­gent­lich prä­sen­tiert sich die Us-wirt­schaft sehr so­li­de. Aber re­du­zier­te Wachs­tums­pro­gno­sen für kom­men­des Jahr dämp­fen die Stim­mung.

Ge­wal­ti­ge Ver­schie­bun­gen er­lebt der­zeit auch der Öl­markt. Der Öl­preis ist seit sie­ben Wo­chen in Fol­ge ge­fal­len. Rund 30% ist der Preis pro Bar­rel Roh­öl der Sor­te West Te­xas In­ter­me­dia­te ein­ge­bro­chen. Al­lei­ne am Frei­tag gab Öl über 6% nach. Für den Öl­markt lief zu­letzt so ziem­lich al­les schief, was schief­lau­fen kann. Die ge­dämpf­ten Wachs­tums­pro­gno­sen könn­ten Vor­bo­ten für ei­ne ge­rin­ge­re Nach­fra­ge sein. Mit den Aus­nah­me­re­ge­lun­gen der Us-re­gie­rung wird mehr Öl aus dem Iran ge­lie­fert, als noch En­de Sep­tem­ber er­war­tet wur­de. In den USA läuft die Pro­duk­ti­on auf Re­kord­ni­veau. Und es ka­men Zwei­fel auf, ob Sau­di­ara­bi­en auf der nächs­ten Opec­sit­zung

Die Löh­ne im De­tail­han­del ha­ben zu­letzt den stärks­ten Schub seit fast ei­ner De­ka­de ver­bucht.

am 6. De­zem­ber die Staa­ten tat­säch­lich zu ei­ner deut­li­chen Kür­zung der För­der­quo­ten be­we­gen kann.

Das Opec­tref­fen am 6. De­zem­ber wird ei­ner von drei we­sent­li­chen Ter­mi­nen sein, die bis zum Jah­res­en­de den Kurs an den glo­ba­len Ak­ti­en­märk­ten be­stim­men dürf­ten. En­de der Wo­che, am 30. No­vem­ber, be­ginnt das G-20-tref­fen in Bu­e­nos Ai­res. Dort wol­len Do­nald Trump und Xi Jin­ping den Stand der Han­dels­be­zie­hun­gen aus­lo­ten. Ei­ne wei­te­re Es­ka­la­ti­on wür­de nicht nur den De­tail­han­del tref­fen. Und am 19. De­zem­ber wird die USNo­ten­bank ein letz­tes Mal im Jahr 2018 ta­gen. Noch ste­hen die Wet­ten auf die vier­te Zins­er­hö­hung des Jah­res. Wich­tig wer­den da­bei vor al­lem auch Kom­men­ta­re zum wei­te­ren Kurs für 2019 sein. Zu­letzt ka­men ver­ein­zelt Spe­ku­la­tio­nen auf, dass No­ten­bank­chef Je­ro­me Po­well und sei­ne Kol­le­gen den Fuss et­was vom Gas­pe­dal neh­men könn­ten. Das könn­te zu­min­dest den Ak­ti­en­kur­sen ei­ne ge­wis­se Ver­schnauf­pau­se ver­schaf­fen.

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