Die Lü­gen von Hills­bo­rough

Neue Zurcher Zeitung Sunday - - Sport Stadion -

Es ist ein war­mer Früh­lings­tag, als am 15. April 1989 im Hills­bo­rough Sta­di­um die Höl­le los­bricht. 96 Fans des FC Li­ver­pool kom­men in ei­ner Mas­sen­pa­nik auf ei­ner über­füll­ten Steh­platz­tri­bü­ne ums Le­ben. Sie wer­den zer­quetscht, ster­ben an Kreis­lauf­ver­sa­gen oder an Atem­still­stand.

Bbc-jour­na­list Pe­ter Jo­nes ist in Sh­ef­field, um über das Spiel zu be­rich­ten, das nach we­ni­gen Mi­nu­ten ab­ge­bro­chen wird. In den fol­gen­den Stun­den schil­dert Jo­nes sei­ne Be­ob­ach­tun­gen mit der Ru­he­lo­sig­keit so­wie dem schau­ri­gen Hang zu Ne­ben­säch­li­chem, die für Fussball-live­schal­tun­gen ty­pisch sind: «Das Gym­na­si­um hier, in Hills­bo­rough, wird als Lei­chen­hal­le ver­wen­det. In die­sem Mo­ment er­hal­ten Ord­ner klei­ne Pa­pier­ta­schen, um die per­sön­li­chen Ge­gen­stän­de der Zu­schau­er zu sam­meln. Rot-weis­se Schals von Li­ver­pool, rot-weis­se Bom­mel­müt­zen von Li­ver­pool, rot-weis­se Ro­set­ten von Li­ver­pool, und sonst nichts. Und die Son­ne scheint.»

Die Tra­gö­die ver­än­dert den Fussball bis heu­te, was auch dar­an liegt, wie sie zu­nächst be­wäl­tigt wird: Die Fans selbst wer­den zu den Schul­di­gen er­klärt. Das Bou­le­vard­blatt «The Sun» dif­fa­miert die Li­ver­pool-an­hän­ger und wirft ih­nen un­ter an­de­rem vor, Ret­tungs­kräf­te be­hin­dert zu ha­ben. Der ver­ant­wort­li­che Po­li­zei­auf­se­her Da­vid Du­cken­field be­haup­tet, Zu­schau­er hät­ten die Öff­nung ei­nes zu­sätz­li­chen Ein­gangs­to­res er­zwun­gen, das ei­gent­lich nur als Aus­gang ge­dacht war, ob­wohl

Die ste­hen mit dem Rü­cken zur Wand, und wir knal­len sie durch die Wand hin­durch. Jür­gen Klins­mann als deut­scher Bun­des­trai­ner in ei­ner Ka­bi­nen­an­spra­che an der WM 2006.

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