Mein liebs­tes Sta­di­on

Neue Zurcher Zeitung Sunday - - Sport Stadion - Sie plä­die­ren für we­ni­ger Ro­man­tik.

Aber wenn wir wie­der den Flut­licht­mast mit­ten in die Kur­ve stell­ten, weiss ich nicht, ob al­le zu­rück­wol­len in die Ver­gan­gen­heit. Mo­der­nen Sta­di­en wirft man vor, sie sä­hen al­le gleich aus. Ja, durch­aus, aber sie sind eben auch auf die Sicht, die Si­cher­heit, die Wirt­schaft­lich­keit hin op­ti­miert.

Schö­ner: Die Ro­man­tik er­gibt sich aus dem Ge­sche­hen. Es ist doch nicht das Sta­di­on, das die­ses 7:0 so be­deu­tend macht, son­dern das 7:0 – dass ich Teil da­von war. Das ist das His­to­ri­sche.

Sie ge­stal­te­ten die ers­ten Sta­di­on­ent­wür­fe für die Fussball-welt­meis­ter­schaft für Ka­tar. Al­le Sta­di­en se­hen da sehr spe­zi­ell aus, ei­nes wie ein Fi­scher­boot, ein an­de­res wie ein Wüs­ten­zelt. Da fra­ge ich mich: Wie­so se­hen bei uns in Eu­ro­pa nicht al­le Sta­di­en so iko­nisch aus?

Schö­ner: War­um soll­te ich in ei­nem Zweck­ge­bäu­de, das in ei­ner be­stimm­ten Re­gi­on steht, ir­gend­wel­che Din­ge aus die­ser be­stimm­ten Re­gi­on zi­tie­ren? In ei­nem Sta­di­on geht es um Sport, um die Show auf dem Ra­sen. Ich ge­he ja auch nicht ins Ki­no und sa­ge: «Mensch, was für ein schö­ner Saal!» Das Licht geht aus, der Film geht an. Das Spiel steht im Mit­tel­punkt, nicht das Sta­di­on.

Bi­en­haus: In Ka­tar ha­ben wir da­mals kul­tu­rel­le Ei­gen­hei­ten zi­tiert, um die Sta­di­en zu ver­or­ten. Man er­kann­te früh, dass man Ka­tar über­haupt erst über die Sta­di­en wahr­nehm­bar ma­chen kann. Vie­le Men­schen muss­ten erst ein­mal nach­schau­en, wo die­ses Ka­tar ei­gent­lich liegt.

Wie ka­men Sie zu dem Auf­trag?

Bi­en­haus: Der ers­te Kon­takt ent­stand an ei­ner Mes­se im Jahr 2009. Wir wur­den ge­fragt, ob wir ein Sta­di­on pla­nen woll­ten. Das war die Zeit, in der die so­ge­nann­te «Whi­te Ele­phant»-dis­kus­si­on lief. Es war of­fen­sicht­lich, dass man in Ka­tar ei­ne Sta­di­ons­tra­te­gie brauch­te, da­mit am En­de nicht acht weis­se Ele­fan­ten in der Wüs­te ste­hen. Wir be­stan­den des­halb dar­auf, ein Kon­zept für al­le Sta­di­en zu ent­wi­ckeln; zu schau­en, ob man die Sta­di­en tem­po­rär bau­en kann, mit ei­ner Co2-frei­en Küh­lung.

Ha­ben Sie sich über­legt, aus po­li­ti­schen Grün­den nicht für Ka­tar zu ar­bei­ten?

Bi­en­haus: Wenn wir nicht nach­hal­tig hät­ten pla­nen kön­nen, wä­re der Auf­trag für uns ein No-go ge­we­sen. Ka­tar will sich mit der WM in den Fo­kus spie­len, es gibt ei­ne Öff­nung zur Welt. Das fan­den wir, als wir dar­über nach­dach­ten, ten­den­zi­ell po­si­tiv. Wir hat­ten spä­ter An­fra­gen für die Welt­meis­ter­schaft in Russ­land, wo man un­be­dingt ein völ­lig über­di­men­sio­nier­tes Sta­di­on woll­te, als ei­ne Art Denk­mal. Da lehn­ten wir ab. Las­sen Sie uns ein paar ewig­wäh­ren­de De­tail­fra­gen klä­ren. Wird es Steh­plät­ze auch künf­tig ge­ben?

Bi­en­haus: Ja.

Schö­ner: Steh­plät­ze ge­hö­ren da­zu – sonst geht die Stim­mung ver­lo­ren.

Wie­so lie­gen die Fan­kur­ven im­mer hin­ter dem Tor?

Schö­ner: Da liegt die Hei­mat, da steht der Tor­wart, das ist mei­ne Burg, die ich ver­tei­di­ge als Fan.

Bi­en­haus: Die Leu­te auf der Haupt­tri­bü­ne wol­len ja vor al­lem das Spiel se­hen. Bei den Ul­tras – und das fin­de ich sehr sym­pa­thisch – sind vie­le da­bei, die vor al­lem sin­gen, fei­ern, an­feu­ern wol­len. Zu­dem gibt es so ei­ne stär­ke­re Kon­fron­ta­ti­on zu den Gäs­te­fans auf der an­de­ren Sei­te.

Was ist die idea­le Grös­se für ein Sta­di­on: Wenn es erst beim Top­spiel aus­ver­kauft ist?

Schö­ner: Ich muss mein Sta­di­on zu sieb­zig Pro­zent aus­ver­kauft hal­ten. Und des­halb hal­te ich es im Ide­al­fall ein biss­chen zu klein, da­mit ich den Druck dar­auf er­hö­hen kann. Wir ra­ten im­mer da­zu, die Grös­se nicht zu über­zie­hen. Vie­le Sta­di­en sind zu gross.

Iko­ni­sche Sta­di­en sind oft kei­ne ar­chi­tek­to­ni­schen Meis­ter­wer­ke, Patch­work­bau­ten. Ist das für ei­nen Ar­chi­tek­ten frus­trie­rend?

Erich Hän­zi, Yb-le­gen­de.

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