Kel­ler-sut­ter lan­ciert Kampf ums Waf­fen­recht

Neue Zurcher Zeitung Sunday - - Schweiz - Ste­fan Büh­ler, Biel

Kei­ne zwei Wo­chen im Amt, lan­ciert die Fdp-bun­des­rä­tin den Kampf für ein neu­es Waf­fen­recht. Die Schweiz ha­be in Brüs­sel er­folg­reich ver­han­delt, sagt sie.

Ei­ne Woh­nung in Bern be­zie­hen, den Bun­des­rat an Kom­mis­si­ons­sit­zun­gen ver­tre­ten, Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter re­kru­tie­ren, und schon nach zwölf Ta­gen der ers­te öf­fent­li­che Auf­tritt – ei­ne Schon­frist für neue Bun­des­rä­te, das war ein­mal. Am Sams­tag hat Ka­rin Kel­ler-sut­ter in Biel vor den De­le­gier­ten der FDP Schweiz ei­ne pro­gram­ma­ti­sche An­tritts­re­de als Bun­des­rä­tin ge­hal­ten: «Der Staat muss ge­währ­leis­ten, dass je­der ei­ne fai­re Chan­ce be­kommt. Der Staat ist nicht da­für da, je­dem ein Le­ben nach sei­nem Gus­to zu ga­ran­tie­ren.» Zugleich schlug sie ers­te Pf­lö­cke als Jus­tiz­mi­nis­te­rin ein. Na­ment­lich zum neu­en Waf­fen­recht.

Vor­aus­sicht­lich im Mai wird das Volk über die Re­vi­si­on des Waf­fen­rechts ab­stim­men, mit der die Schweiz Neue­run­gen der EU über­nimmt. Sonst ge­fähr­det sie ih­re Mit­glied­schaft bei Schen­genDu­blin, je­nen bei­den Ver­trä­gen, mit der in Eu­ro­pa die Zu­sam­men­ar­beit der Po­li­zei und im Asyl­be­reich ge­re­gelt wird. Die Schwei­zer Schüt­zen ha­ben ge­gen die Re­vi­si­on der Be­stim­mun­gen zum Waf­fen­be­sitz und dem Schiess­we­sen das Re­fe­ren­dum er­grif­fen; sie se­hen un­ter an­de­rem die Schwei­zer Tra­di­ti­on in Ge­fahr.

«Nie­mand wird ent­waff­net, und un­se­re Schiess­an­läs­se wie das Feld­schies­sen, das Ob­li­ga­to­ri­sche oder das Kn­a­ben­schies­sen, aber auch der wett­kampf­mäs­si­ge Schiess­sport – nichts da­von wird durch die Re­vi­si­on ge­fähr­det», er­klär­te Kel­ler-sut­ter da­zu in Biel. Und sie lob­te die Un­ter­händ­ler des Bun­des. Die Schweiz ha­be bei der Er­ar­bei­tung der neu­en Waf­fen­richt­li­nie der EU mit­ge­re­det und ih­ren Spiel­raum als Schen­gen-mit­glied sou­ve­rän ge­nutzt: Der Bund ha­be sich «in Brüs­sel er­folg­reich da­für ein­ge­setzt, dass die neu­en Re­ge­lun­gen nicht zu weit ge­hen. Da­mit konn­ten wir si­cher­stel­len, dass un­se­re gu­teid­ge­nös­si­sche Tra­di­ti­on im Schiess­we­sen nicht ge­fähr­det wird.» Hin­ge­gen wür­de ein Nein die Mit­glied­schaft bei Schen­genDu­blin aufs Spiel set­zen und da­mit «auch die Vor­tei­le, die wir im Be­reich der Si­cher­heit, des Asyl­we­sens und als Volks­wirt­schaft von die­ser Mit­glied­schaft ha­ben», so Kel­ler-sut­ter.

Dass die Eu-staa­ten den be­son­de­ren Be­dürf­nis­sen der Eid­ge­nos­sen­schaft weit ent­ge­gen­ka­men, zeigt sich un­ter an­de­rem dar­in, dass ei­ne Be­stim­mung der neu­en Waf­fen­richt­li­nie mit­un­ter als «Lex Hel­ve­ti­ca» be­zeich­net wird. Sie be­trifft die Ab­ga­be der Ar­mee­waf­fe nach Er­fül­lung der Wehr­pflicht und gilt nur für Staa­ten, «in de­nen all­ge­mei­ne Wehr­pflicht herrscht und in de­nen seit über 50 Jah­ren ein Sys­tem der Wei­ter­ga­be mi­li­tä­ri­scher Feu­er­waf­fen an Per­so­nen be­steht, die die Ar­mee nach Er­fül­lung ih­rer Wehr­pflicht ver­las­sen», wie es in der Richt­li­nie heisst. Die­se Kri­te­ri­en er­füllt nur die Schweiz. Das hat die Re­gie­rung Tsche­chi­ens, wel­che die Re­vi­si­on des Waf­fen­rechts ab­lehnt, im ver­gan­ge­nen Jahr zu ei­ner Kla­ge beim Eu­ro­päi­schen Ge­richts­hof ver­an­lasst: Die Be­stim­mung sei dis­kri­mi­nie­rend, ar­gu­men­tiert Prag un­ter an­de­rem. Der Fall ist hän­gig.

Am Ran­de der De­le­gier­ten­ver­samm­lung er­klär­te Kel­ler-sut­ter im Ge­spräch, sie stre­be mit ih­ren Fach­leu­ten im De­par­te­ment ei­ne «mög­lichst un­kom­pli­zier­te Um­set­zung» je­ner neu­en Be­stim­mun­gen an, die ei­ne bes­se­re Kon­trol­le des Waf­fen­be­sit­zes und des Schiess­we­sens ver­lang­ten. Denn sie ha­be durch­aus Ver­ständ­nis für die Schüt­zen: «Ich bin ehe­ma­li­ge Pis­to­len­schüt­zin.» Die neu­en Auf­la­gen sei­en aber in kei­nem Ver­hält­nis zu den Ri­si­ken, soll­te die Schweiz Nein sa­gen zum neu­en Waf­fen­recht und in der Fol­ge im Po­li­zei- und Asyl­be­reich auf sich al­lein ge­stellt sein, statt von der Ko­ope­ra­ti­on mit der EU zu pro­fi­tie­ren.

Zwar kri­ti­sier­ten ei­ni­ge frei­sin­ni­ge Schüt­zen am Sams­tag in Biel die Ge­set­zes­re­form scharf: Sie brin­ge be­züg­lich des Schut­zes vor Ter­ror nichts, för­de­re die Bü­ro­kra­tie und stel­le das Schüt­zen­we­sen in Fra­ge. Doch die De­le­gier­ten folg­ten ih­rer neu­en Bun­des­rä­tin deut­lich: 245 stimm­ten für die Ja-pa­ro­le zur Re­form des Waf­fen­rechts, 45 sag­ten Nein.

Ehe­ma­li­ge Pis­to­len­schüt­zin: Ka­rin Kel­ler-sut­ter. (Biel, 12. Ja­nu­ar 2019)

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