Fünf Fra­gen

Neue Zurcher Zeitung Sunday - - Invest - An Gé­r­ard Pi­as­ko Interview: Mar­kus Stä­de­li

Der An­la­ge­ex­per­te ist seit Ja­nu­ar 2018 Chief In­vest­ment Of­fi­cer bei der Zürcher Pri­vat­bank Ma­er­ki Bau­mann & Co.

An den Bör­sen gibt es hef­ti­ge Schwan­kun­gen. Wird das nun so wei­ter­ge­hen?

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Bis es zu ei­ner de­fi­ni­ti­ven Lö­sung des Han­dels­kon­flikts kommt, muss man wei­ter­hin mit ei­ner sehr ho­hen Vo­la­ti­li­tät rech­nen. Der Han­dels­kon­flikt hat da­zu ge­führt, dass die Kon­junk­tur­in­di­ka­to­ren sich ab­schwä­chen – zu­erst in Ex­port­län­dern wie Deutsch­land und Chi­na, jetzt aber auch in den USA selbst. Je län­ger er an­dau­ert, des­to stär­ker drückt er auf die Ge­schäfts­stim­mung, mit dem Re­sul­tat, dass die Un­ter­neh­men we­ni­ger in­ves­tie­ren.

Sind der Han­dels­kon­flikt und die mit die­sem ver­bun­de­nen Kon­junk­tur­ängs­te die ein­zi­ge Er­klä­rung für die Vo­la­ti­li­tät?

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Nein, ein wich­ti­ger Fak­tor ist die Ver­rin­ge­rung der mo­ne­tä­ren Li­qui­di­tät, vor al­lem durch die Us-zen­tral­bank, die ih­re Bi­lanz um 50 Mrd. $ pro Mo­nat re­du­ziert und gleich­zei­tig die Zin­sen er­höht. Und in Pha­sen mit ge­rin­gen Han­dels­vo­lu­men wie En­de De­zem­ber kommt es oft zu be­son­ders hef­ti­gen Kurs­aus­schlä­gen, auch un­ter dem stark ge­wach­se­nen Ein­fluss von Han­delsal­go­rith­men.

Wie kön­nen An­le­ger auf sol­che Schwan­kun­gen re­agie­ren?

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Für In­ves­to­ren, de­nen die Vo­la­ti­li­tät zu ex­trem ist, gibt es drei Mög­lich­kei­ten, zu re­agie­ren: Auf Ak­ti­en mit ei­ner ge­rin­ge­ren Markt­sen­si­ti­vi­tät set­zen, USStaats­an­lei­hen kau­fen, die im Kurs stei­gen, wenn die Zin­sen we­ni­ger rasch er­höht wer­den als ge­dacht. Oder dann Gold stär­ker ge­wich­ten.

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Sich von Ak­ti­en zu ver­ab­schie­den, wä­re ge­fähr­lich. Die Be­wer­tung des Wel­t­ak­ti­en­in­de­xes ist um 25% zu­rück­ge­kom­men. Wenn es zu ei­ner de­fi­ni­ti­ven Lö­sung des Han­dels­kon­flik­tes kä­me, weil der Us-prä­si­dent ein­sä­he, dass ei­ne wei­te­re Ver­schär­fung des Han­dels­kon­flikts die hei­mi­sche Wirt­schaft ne­ga­tiv be­ein­flusst, oder wenn die Us-no­ten­bank klar kom­mu­ni­zie­ren wür­de, dass sie ei­ne Pau­se bei ih­rer Li­qui­di­täts­ab­schöp­fung macht, könn­te es zu ei­ner star­ken Auf­wärts­be­we­gung kom­men. Wir ha­ben jetzt wie­der ei­ne neu­tra­le Ak­ti­en­ge­wich­tung, nach­dem wir Ak­ti­en im vier­ten Quar­tal re­du­ziert hat­ten.

Soll­te man den Ak­ti­en­an­teil re­du­zie­ren? Wie gross ist die Wahr­schein­lich­keit ei­ner Re­zes­si­on?

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Die Kon­junk­tur­ab­schwä­chung hat sich jüngst be­schleu­nigt, so dass sich die Wahr­schein­lich­keit ei­nes star­ken Kon­junk­tur­ein­bruchs in den nächs­ten 18 Mo­na­ten er­höht hat – auf rund 35%.

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