Pflanz­li­che Duft­stof­fe för­dern die Leis­tung

Äthe­ri­sche Öle kön­nen Weh­weh­chen ab­weh­ren und lin­dern. Das macht sie wert­voll für Sport­ler – gera­de in der Er­käl­tungs­zeit.

Neue Zurcher Zeitung Sunday - - Freizeitsport - Von Fla­via von Gun­ten

Sti­cki­ge Gar­de­ro­ben, müf­feln­de Tri­kots. Sport und gu­te Düf­te wer­den sel­ten in ei­nem Atem­zug ge­nannt. Ath­le­ten schrau­ben an der Aus­rüs­tung, op­ti­mie­ren ih­re Er­näh­rung und pla­nen idea­le Trai­nings­zy­klen. Die Na­se las­sen sie im Stich. Zu Un­recht, schlum­mert doch viel Po­ten­zi­al in die­sem Or­gan.

«Äthe­ri­sche Öle sind die klei­nen Freun­de der Sport­ler», sagt Chris­ti­na Eg­gen­schwi­ler, Sport­wis­sen­schaf­te­rin und Sport­the­ra­peu­tin. Seit drei Jah­ren emp­fiehlt sie ih­ren Ath­le­ten die pflanz­li­chen Duft­stof­fe zur Stei­ge­rung von Leis­tung und Wohl­be­fin­den. Et­wa Pfef­fer­min­z­öl für die Vor­be­rei­tung auf das Trai­ning oder den Wett­kampf. Es sti­mu­liert die Durch­blu­tung und stei­gert die Kon­zen­tra­ti­ons­fä­hig­keit. Die Ar­ten der Ein­nah­me sind viel­fäl­tig: Ei­nen Trop­fen zwi­schen den Hand­flä­chen ver­rei­ben und ein­at­men, ein bis zwei Trop­fen in ei­nen Ess­löf­fel Jo­joba­ oder Oli­ven­öl mi­schen und an Ar­men und Bei­nen ein­mas­sie­ren oder die Schlä­fen mit ei­ni­gen Trop­fen ein­rei­ben. Eg­gen­schwi­ler be­tont den Ef­fekt auf men­ta­ler Ebe­ne: «Wer re­gel­mäs­sig den glei­chen Duft vor dem Sport ein­at­met, ent­wi­ckelt ein Ri­tu­al. So­bald der Ge­ruch in die Na­se strömt, weiss der Kör­per, dass er leis­ten muss.»

Ho­kus­po­kus oder Wis­sen­schaft?

Mehr leis­ten dank dem rich­ti­gen Duft – das mag nach ei­ner Glau­bens­sa­che klin­gen. Eri­ka Haus­se­ner wi­der­spricht: «Vie­le Leu­te un­ter­schät­zen die Aro­ma­the­ra­pie.» Die Lei­te­rin der Schu­le für Aro­ma­the­ra­pie stützt sich in ih­rem Un­ter­richt – ne­ben the­ra­peu­ti­scher Pra­xis­er­fah­rung – auf wis­sen­schaft­li­che Stu­di­en, wel­che die Wir­kung äthe­ri­scher Öle be­le­gen. Et­wa auf je­ne des Neu­ro­wis­sen­schaf­ters Hart­mut Göbel, der ent­deckt hat, dass Pfef­fer­min­z­öl Kopf­schmer­zen ge­nau­so gut lin­dert wie Par­acet­amol. An­de­re Un­ter­su­chun­gen er­ga­ben, dass Ro­sen­öl Atem­fre­quenz und Blut­druck sen­ken kann.

Dass äthe­ri­sche Öle im Kör­per ih­re Wir­kung ent­fal­ten, ver­dan­ken sie den che­mi­schen Ei­gen­schaf­ten ih­rer Mo­le­kü­le, die fett­lie­bend und be­son­ders klein sind. Da­durch über­win­den sie die Dop­pel­li­pid­mem­bran der Zel­len, in de­nen sie dann ar­bei­ten: Schleim lö­sen, Mus­keln ent­span­nen. Je nach Art und Ort des Auf­tra­gens un­ter­schei­det sich die Wir­kung. Schnell setzt sie ein, wenn das Öl ein­mas­siert wird, noch schnel­ler durch In­ha­la­ti­on. Die Tem­pe­ra­tur spielt ei­ne Rol­le, eben­so die che­mi­sche Zu­sam­men­set­zung ei­nes Öls.

We­gen die­ser kom­ple­xen Wir­kungs­wei­sen rät Haus­se­ner Sport­lern mit ernst­haf­te­ren Be­schwer­den, sich von ei­ner Fach­per­son ei­ne Mi­schung zu­sam­men­stel­len zu las­sen. Weil es kein La­bel für qua­li­fi­zier­te Aro­ma­the­ra­peu­ten gibt, soll­ten Kun­den dar­auf ach­ten, wo der The­ra­peut sei­ne Aus­bil­dung ab­sol­viert hat, ob es ei­ne Schnell­blei­che für den Well­ness­be­reich war oder ob auch me­di­zi­ni­sches Wissen ge­lehrt wur­de.

Haus­se­ner be­tont die Gren­zen der Aro­ma­the­ra­pie: «Wenn Be­schwer­den trotz der Aro­ma­the­ra­pie nicht ab­klin­gen, muss man zum Arzt.» Sport­ler, die mit den Ölen ein­zig ihr Wohl­be­fin­den und die Leis­tungs­fä­hig­keit stei­gern möch­ten, brau­chen laut Haus­se­ner kei­nen The­ra­peu­ten: «Ge­sun­de Men­schen kön­nen die Öle gut sel­ber an­wen­den.»

Das äthe­ri­sche Öl des Ore­ga­no et­wa, das «An­ti­bio­ti­kum der Na­tur», wie es Eg­gen­schwi­ler nennt. «Be­son­ders im Win­ter ist Ore­ga­no­öl be­liebt, weil es die Im­mun­ab­wehr stär­ken kann.» Sie emp­fiehlt, ei­ni­ge Trop­fen des Öls nach dem Ko­chen in die To­ma­ten­sau­ce zu ge­ben. Nie soll­te es un­ver­dünnt ein­ge­nom­men oder auf die Haut auf­ge­tra­gen wer­den – es ist der­art stark, dass Ver­bren­nun­gen ent­ste­hen kön­nen. Wen ei­ne Er­käl­tung plagt, der in­ha­liert mit ei­nem Was­ser­dampf­bad: ein Li­ter ko­chen­des Was­ser mit drei Trop­fen Eu­ka­lyp­tus­öl.

Nach der Ak­ti­vi­tät kommt La­ven­del­öl zum Zug: Es be­ru­higt und för­dert die re­ge­ne­ra­ti­ven Pro­zes­se des Kör­pers. «Auch bei Bla­sen oder blau­en Fle­cken kann La­ven­del­öl hel­fen», sagt Eg­gen­schwi­ler. Wenn die Er­ho­lung im Vor­der­grund steht, rät sie, ent­span­nen­de Kon­su­ma­ti­ons­ar­ten zu wäh­len. Et­wa ei­nen Trop­fen La­ven­del­öl in ei­ne Tas­se Tee mi­schen oder zwei, drei Trop­fen auf ei­nem lau­war­men Wa­sch­lap­pen ver­tei­len und die­sen um Bei­ne oder Kopf wi­ckeln.

Ge­gen den Mief

Der Re­ge­ne­ra­ti­on dien­lich ist auch das «Mor­gen­was­ser», das Eg­gen­schwi­ler ih­ren Ath­le­ten emp­fiehlt: Vor dem Früh­stück ein Glas lau­war­mes Was­ser trin­ken, ver­mischt mit dem Saft und et­was Scha­le ei­ner Zi­tro­ne. «Das weckt das Ver­dau­ungs­sys­tem, regt den Stoff­wech­sel an und hebt die Stim­mung.»

Selbst ih­re Trai­nings­kol­le­gen kön­nen Sport­ler mit den Ölen be­glü­cken. Je fünf Trop­fen Zi­tro­nen­, Tee­baum­ und Ros­ma­rin­öl mit Back­pul­ver mi­schen und in ei­ne Pu­der­do­se fül­len. Das Ge­misch ver­strömt an­ge­neh­me Düf­te – und be­kämpft sti­cki­ge Gar­de­ro­ben und müf­feln­de Tri­kots.

Sich sel­ber und an­de­re be­glü­cken: Öle wir­ken auf un­ter­schied­li­che Ar­ten.

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