Kif­fen ist ge­fähr­li­cher ge­wor­den

Der Thc-ge­halt im Can­na­bis hat sich seit 2006 ver­dop­pelt. Für Kon­su­men­ten steigt da­mit das Ge­sund­heits­ri­si­ko.

Neue Zurcher Zeitung Sunday - - Mensch & Medizin - Von The­res Lü­thi

Noch nie wur­de so viel Can­na­bis kon­su­miert wie heu­te. Schät­zungs­wei­se 192 Mil­lio­nen Men­schen welt­weit nut­zen die Dro­ge. In letz­ter Zeit ma­chen sich in­des im­mer mehr Pro­ble­me be­merk­bar, die mit Can­na­bis in Ver­bin­dung ste­hen. Da­zu ge­hö­ren Ab­hän­gig­kei­ten und Psy­cho­sen. In­wie­fern die­se mit der Men­ge des in der Dro­ge ent­hal­te­nen psy­cho­ak­ti­ven Wirk­stoffs Te­tra­hy­dro­can­na­bi­nol, kurz THC, zu tun ha­ben, ist un­klar. Ei­ne Stu­die der Eu­ro­päi­schen Be­ob­ach­tungs­stel­le für Dro­gen und Dro­gen­sucht hat nun un­ter­sucht, wie sich der Thc-ge­halt von Can­na­bis zwi­schen 2006 und 2016 ver­än­dert hat. Da­zu ana­ly­sier­ten sie be­schlag­nahm­te Can­na­bis­pro­duk­te in 20 eu­ro­päi­schen Län­dern.

Die Re­sul­ta­te zei­gen, dass sich der Th­c­ge­halt in Gras von durch­schnitt­lich 5 auf 10 Pro­zent ver­dop­pelt hat. Zu­oberst ran­gier­ten nie­der­län­di­sches und fran­zö­si­sches Gras mit ei­nem Thc-ge­halt von 15 Pro­zent. Hö­her ist der Thc-ge­halt im Ha­schisch, das aus dem Harz der Pflan­ze ge­won­nen wird: Die­ser stieg von 8 auf 17 Pro­zent an. In Dä­ne­mark und Frank­reich la­gen die Durch­schnitts­wer­te bei 30 bzw. 25 Pro­zent («Ad­dic­tion»).

Theo­re­tisch kön­nen Kon­su­men­ten bei stei­gen­dem Thc-ge­halt die Do­sis re­du­zie­ren. «Ei­ni­ge Stu­die wei­sen dar­auf hin, dass Leu­te die Do­sis tat­säch­lich an­pas­sen, in­dem sie zum Bei­spiel we­ni­ger Vo­lu­men in­ha­lie­ren», sagt Tom Free­man von der bri­ti­schen Uni­ver­si­ty of Bath, der die Stu­die lei­te­te. «Ins­ge­samt führt ein ho­her Thc-ge­halt aber zu ei­ner hö­he­ren Ex­po­si­ti­on.»

Hö­he­re Thc-kon­zen­tra­tio­nen sind kli­nisch re­le­vant. «Mit stei­gen­dem Thc-ge­halt lan­den auch im­mer mehr Leu­te, meist mit Ver­wirrt­heits­zu­stän­den, in den Not­fall­auf­nah­men», sagt Bo­ris Qued­now von der Psych­ia­tri­schen Uni­ver­si­täts­kli­nik Zü­rich. Die Leu­te sei­en oft nicht an die ho­he Do­sis ge­wöhnt. Meis­tens hand­le es sich aber um ei­ne vor­über­ge­hen­de psy­cho­ti­sche Wir­kung. Es gibt aber auch Hin­wei­se, dass Hoch­do­sis­thc das Ri­si­ko für chro­ni­sche Psy­cho­sen er­höht. So zeig­te 2015 ei­ne Stu­die aus Süd­lon­don, dass Per­so­nen, die hoch­po­ten­ten Can­na­bis kon­su­mier­ten, ein deut­lich hö­he­res Psy­cho­se­ri­si­ko auf­wie­sen als Per­so­nen, die kei­nen oder ei­nen schwä­che­ren Can­na­bis zu sich nah­men.

Re­le­vant für die Si­cher­heit von Can­na­bis ist ne­ben dem THC auch das Can­na­b­idi­ol, kurz CBD. Als phar­ma­ko­lo­gi­scher Ge­gen­spie­ler des THC scheint es die Wir­kung die­ser Rausch­sub­stanz zu mil­dern. Ob­schon die For­scher die Can­na­bis­pro­duk­te nicht auf ih­ren Cbd-ge­halt un­ter­such­ten, gibt es zahl­rei­che Hin­wei­se da­für, dass die­ser ge­sun­ken sein muss. Denn es liegt in der Bio­che­mie der Hanf­pflan­ze, dass ein er­höh­ter Thc-ge­halt stets mit ei­nem nied­ri­gen Cbd-ge­halt ein­her­geht und um­ge­kehrt.

«Al­les, was wir heu­te über die ge­sund­heit­li­chen Fol­gen von Can­na­bis wissen, ba­siert auf äl­te­ren Stu­di­en mit Kon­su­men­ten, die da­mals viel tie­fe­ren Thc-ge­hal­ten aus­ge­setzt wa­ren», sagt Qued­now. «Der Can­na­bis, der in den 1970er und 1980er und zum Teil auch in den 90er Jah­ren ge­raucht wur­de, ist mit dem, was heu­te kon­su­miert wird, kaum mehr zu ver­glei­chen.» Wie sich der Kon­sum von hoch­do­sier­tem THC lang­fris­tig aus­wirkt, bleibt des­halb der­zeit ei­ne Un­be­kann­te.

Das Can­na­bis, das in den 1970er und 1980er Jah­ren ge­raucht wur­de, ist mit dem, was heu­te kon­su­miert wird, kaum mehr zu ver­glei­chen.

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