Scha­ler Nach­ge­schmack

Un­durch­sich­ti­ger Ka­si­no-Ent­scheid

Neue Zurcher Zeitung - - Zürich Und Region - mbm.

Die Ge­schich­te des Ka­si­nos in der Stadt Zü­rich ist ei­ne lan­ge. Ei­ni­ge wer­den von ei­nem dor­nen­rei­chen Lei­dens­weg spre­chen, an­de­re dürf­ten wohl froh sein, dass in Zü­rich nicht schon frü­her als En­de 2012 ein Haus mit­Rou­let­te und Black Jack er­öff­net wur­de. Da­bei hät­te al­les an­ders kom­men kön­nen. Aber 2001, als der Bun­des­rat in der Schweiz die ers­ten Ka­si­no­li­zen­zen ver­gab, wur­de der Kan­ton Zü­rich über­ra­schend über­gan­gen. Auch sechs Jah­re spä­ter muss­te Zü­rich wie­der zu­rück­ste­hen, be­schloss doch der Bun­des­rat ein Mo­ra­to­ri­um von drei Jah­ren für die Kon­zes­sio­nie­rung von neu­en Ka­si­nos.

Als dann im Jahr 2010 der Bun­des­rat ein Kon­zes­si­ons­ver­fah­ren aus­schrieb, stan­den in der Stadt Zü­rich bald fünf In­ter­es­sen­ten be­reit. Vier der Pro­jek­te – Al­te Bör­se, EPA-Haus, Ober-Haus und Du-Pont-Ge­bäu­de – fan­den von der La­ge her fast auf ei­nem Bier­de­ckel Platz und mach­ten ei­nen gu­ten Ein­druck. Nur das Pro­jekt im Ein­kaufs-und Ver­gnü­gungs­zen­trum Sihl­ci­ty lag pe­ri­phe­rer, wur­de aber auch sonst im Ver­fah­ren we­ni­ger wahr­ge­nom­men.

Jetzt hat der Bun­des­rat ent­schie­den – zu­guns­ten des Swiss-Ca­si­nos-Pro­jekts im ehe­ma­li­gen Ober-Kauf­haus. Ob rich­tig aus­ge­wählt wur­de, kann oh­ne Dos­sier­kennt­nis nicht be­ur­teilt wer­den. Stö­rend am Ver­fah­ren der Eid­ge­nös­si­schen Spiel­ban­ken­kom­mis­si­on und des Bun­des­rats ist aber die in­trans­pa­ren­te Ent­schei­dungs­fin­dung. Man er­fährt nicht genau, was al­les für das Sie­ger­pro­jekt und was ge­gen die un­ter­le­ge­ne Kon­kur­renz ge­spro­chen hat. Da kommt schnell der Ver­dacht von Will­kür und Sub­jek­ti­vi­tät auf.

Tat­säch­lich kann man sich fra­gen, war­um aus­ge­rech­net das Pro­jekt der Swiss Ca­si­nos AG den Zu­schlag be­kam. Denn es ist nicht so, dass hin­ter das Sie­ger­pro­jekt kei­ne Fra­ge­zei­chen zu set­zen wä­ren. Erst kürz­lich wur­de es re­di­men­sio­niert und um das Par­terre ver­klei­nert. Der pro­gnos­ti­zier­te Brut­to­spie­ler­trag ba­siert aber auf dem grös­se­ren Pro­jekt. Ge­gen die­ses ist vor Ver­wal­tungs­ge­richt ei­ne Be­schwer­de von An­woh­nern hän­gig. Ver­zö­ge­run­gen sind nicht aus­ge­schlos­sen, deu­tet doch der An­walt der An­woh­ner auf An­fra­ge an, den Fall bis ans Bun­des­ge­richt wei­ter­zu­zie­hen. Der Bun­des­rat hät­te für al­le Be­tei­lig­ten bes­ser dar­an ge­tan, mehr Fak­ten auf den Tisch zu le­gen, um Mut­mas­sun­gen zu un­ter­bin­den und um den scha­len Bei­ge­schmack zu ver­mei­den.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.