Im Han­dels­krieg wird es per­sön­lich

Die USA las­sen die Hua­wei-Fi­nanz­che­fin ver­haf­ten

Neue Zurcher Zeitung - - VORDERSEITE - MAR­TIN LANZ, WA­SHING­TON

Ei­ne Top­ma­na­ge­rin des chi­ne­si­schen Tech-Kon­zerns wird in Ka­na­da fest­ge­hal­ten. Was ihr vor­ge­wor­fen wird, ist un­klar. Die Af­fä­re trägt zur Un­ru­he an den Fi­nanz­märk­ten bei und be­las­tet die ame­ri­ka­nisch­chi­ne­si­schen Be­zie­hun­gen. Die ka­na­di­schen Be­hör­den ha­ben am 1. De­zem­ber in Van­cou­ver auf Er­su­chen der US-Jus­tiz die Fi­nanz­che­fin des chi­ne­si­schen Tech-Kon­zerns Hua­wei fest­ge­nom­men. Das wur­de am Mitt­woch­abend (Orts­zeit) be­kannt. Meng Wanz­hou, die auch als stell­ver­tre­ten­de Ver­wal­tungs­rats­che­fin von Hua­wei am­tiert, ist die Toch­ter des Fir­men­grün­ders Ren Zhengfei. Hua­wei ist der welt­gröss­te Her­stel­ler von An­la­gen für Mo­bil­funk­an­ten­nen, In­ter­net­netz­wer­ken und von da­mit ver­wand­ter In­fra­struk­tur.

Die Fest­nah­me scheint im Zu­sam­men­hang mit Vor­wür­fen der USA zu ste­hen, wo­nach Hua­wei und Meng das ame­ri­ka­ni­sche Em­bar­go ge­gen Iran um­gan­gen hät­ten. Hua­wei soll, wie schon der klei­ne­re chi­ne­si­sche Te­le­kom-Ri­va­le ZTE, Pro­duk­te ame­ri­ka­ni­schen Ur­sprungs an Iran und an­de­re von den USA ge­äch­te­te Län­der wie Nord­ko­rea, Ku­ba, Su­dan und Sy­ri­en ge­lie­fert ha­ben. Das ka­na­di­sche Jus­tiz­mi­nis­te­ri­um er­klär­te, die USA hät­ten um die Aus­lie­fe­rung von Meng er­sucht. Chi­nas Aus­sen­mi­nis­te­ri­um be­klag­te sich über die un­be­grün­de­te und bei­spiel­lo­se Fest­nah­me von Meng.

Ge­schäf­te mit Iran be­trie­ben?

Es ist be­kannt, dass US-Straf­ver­fol­ger seit ei­ni­ger Zeit ge­gen Hua­wei er­mit­teln. Zu­stän­dig für den Fall ist das Bun­des­ge­richt des öst­li­chen New-York-Di­strikts (Brook­lyn). Wie im­mer in sol­chen Fäl­len äus­sern sich die ame­ri­ka­ni­schen Straf­ver­fol­gungs­be­hör­den nicht zu lau­fen­den Un­ter­su­chun­gen. Meng könn­te un­ter an­de­rem des­halb im Fo­kus der Er­mitt­lun­gen ste­hen, weil sie ei­ne Zeit­lang im Ver­wal­tungs­rat der in Hong­kong ba­sier­ten Sky­com Tech Co Ltd. war, die ver­sucht ha­ben soll, Com­pu­ter­aus­rüs­tun­gen des ame­ri­ka­ni­schen Her­stel­lers Hew­let­tPa­ckard an Irans gröss­ten Mo­bil­funk­be­trei­ber zu ver­kau­fen.

Hua­wei steht aber nicht nur we­gen der an­geb­li­chen Ver­let­zung von US-Ge­set­zen im Re­gen. Noch grös­ser sind in Wa­shing­ton die Be­fürch­tun­gen, dass in den USA und welt­weit ver­wen­de­te Hua­wei-Tech­no­lo­gie zu mi­li­tä­ri­schen und kom­mer­zi­el­len Spio­na­ge­zwe­cken miss­braucht wer­de. De fac­to sind des­halb Hua­wei-Te­le­kom­aus­rüs­tun­gen aus den USA ver­bannt, und die US-Re­gie­rung lob­by­iert bei be­freun­de­ten Län­dern, da­mit die­se die chi­ne­si­sche Fir­ma eben­falls boy­kot­tie­ren.

Chi­ne­si­schen Ein­fluss ab­weh­ren

Die USA ver­su­chen ins­be­son­de­re Hua­weis Stre­ben nach der 5G-Tech­no­lo­gie zu brem­sen. Mo­bil­funk­be­trei­ber rund um die Welt war­ten der­zeit dar­auf, die neue Tech­no­lo­gie in Be­trieb zu neh­men, wel­che dem In­ter­net der Din­ge den ent­schei­den­den Schub ver­lei­hen soll. Dank der viel hö­he­ren Ge­schwin­dig­keit und Ka­pa­zi­tät des 5G-Mo­bil­funk­stan­dards, so lau­tet die Hoff­nung, kön­nen künf­tig er­heb­lich mehr Ge­rä­te und Ar­beits­schrit­te mit dem In­ter­net ver­bun­den wer­den. Die US-Re­gie­rung möch­te ver­mei­den, dass aus­län­di­sche An­bie­ter wie Hua­wei hier ei­ne Füh­rungs­rol­le über­neh­men, wel­che der chi­ne­si­schen Re­gie­rung oder auch an­de­ren ri­va­li­sie­ren­den Staa­ten als Ein­falls­tor für Ein­fluss­nah­me und Spio­na­ge in den USA und in be­freun­de­ten Län­dern die­nen könn­te.

Die­ser Ta­ge woll­ten die USA und Chi­na ei­gent­lich Ver­hand­lun­gen über die Ent­schär­fung des bi­la­te­ra­len Han­dels­streits auf­neh­men. Da­bei geht es auch um die chi­ne­si­sche In­dus­trie­po­li­tik zur För­de­rung des tech­no­lo­gi­schen Auf­stiegs in­klu­si­ve der Ent­wick­lung des 5GStan­dards. Die Fra­ge ist nun, wel­chen Ein­fluss die Hua­wei-Af­fä­re dar­auf hat. Im Fall von ZTE hat­te die US-Re­gie­rung im April 2018 ein Ver­bot für ame­ri­ka­ni­sche Fir­men ver­hängt, mit ZTE zu han­deln. Sie be­haup­te­te, es hand­le sich um ein rein ad­mi­nis­tra­ti­ves Vor­ge­hen oh­ne po­li­ti­schen Hin­ter­grund. Vor dem Hin­ter­grund des es­ka­lie­ren­den Han­dels­streits in­ter­ve­nier­te dann aber Prä­si­dent Trump und sorg­te auf Wunsch des chi­ne­si­schen Füh­rers Xi da­für, dass ZTE sanf­ter an­ge­fasst wur­de.

Das Ver­bot hat­te die Fir­ma an den Rand des Ab­grunds ge­bracht, weil ZTE für ih­re Tä­tig­keit auf ame­ri­ka­ni­sche Tech­no­lo­gi­en an­ge­wie­sen ist. Es wur­de im Ju­ni durch ei­nen Ver­gleich auf­ge­ho­ben, ge­mäss dem ZTE un­ter an­de­rem ei­ne Mil­li­ar­den­bus­se zah­len muss­te. Der­zeit kann nur spe­ku­liert wer­den, ob im Fal­le von Hua­wei und Meng auch Ver­glei­che mit den US-Be­hör­den re­sul­tie­ren könn­ten.

Hua­wei im Fa­den­kreuz

Rück­schlag an den Bör­sen

Das Weis­se Haus äus­ser­te sich am Don­ners­tag nicht zu der Af­fä­re. Be­mer­kens­wer­ter­wei­se hielt es aber glei­chen­tags ein Tref­fen mit ame­ri­ka­ni­schen Tech­no­lo­gie­fir­men ab, bei dem es auch um den 5GMo­bil­funk­stan­dard ging. Die Ver­haf­tung der Hua­wei-Fi­nanz­che­fin trug am Don­ners­tag welt­weit zu er­neut sehr vo­la­ti­len Fi­nanz­markt­be­we­gun­gen bei. Der ja­pa­ni­sche Nik­kei-In­dex ging um fast 2 Pro­zent, der eu­ro­päi­sche Stoxx 600 um über 3 Pro­zent zu­rück. In den USA büss­te der Do­wJo­nes-In­dex zeit­wei­se über 2 Pro­zent ein, nach­dem er schon am Di­ens­tag um 3 Pro­zent zu­rück­ge­gan­gen war. Ne­ga­tiv wir­ken sich auf die Bör­sen al­ler­dings auch fal­len­de Öl­prei­se und Re­zes­si­ons­ängs­te aus.

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