Der SRG steht ein wei­te­rer Ver­teil­kampf be­vor

Die Di­gi­ta­li­sie­rung ver­schärft die Kon­flik­te um die Rol­le des au­dio­vi­su­el­len Ser­vice pu­b­lic

Neue Zurcher Zeitung - - MEDIEN - RAI­NER STAD­LER

Im No­vem­ber star­te­te SRF sei­nen News­room. Die­ser in­te­griert die ta­ges­ak­tu­el­len Fern­seh­re­dak­tio­nen mit dem Ziel, die Sach­kom­pe­tenz und die Ef­fi­zi­enz zu stei­gern. Da­mit ver­ab­schie­det sich der öf­fent­li­che Sen­der zu­se­hends vom Ra­diound Fern­seh­zeit­al­ter. Er rich­tet die Her­stel­lung sei­ner In­for­ma­tio­nen auf ei­ne di­gi­ta­le Ära aus, in der die Gren­zen zwi­schen den eta­blier­ten Me­di­en­gat­tun­gen Ra­dio, Fern­se­hen und Pres­se ver­schwim­men. Da­mit wächst das Kon­flikt­po­ten­zi­al im Hin­blick auf die Tä­tig­kei­ten der Zei­tungs­häu­ser.

Die Aus­ein­an­der­set­zun­gen um die Rol­le des öf­fent­li­chen Rund­funks im In­ter­net rei­chen weit zu­rück. Nur ein paar Ve­te­ra­nen dürf­ten sich an den Früh­ling 1998 er­in­nern, als die SRG be­kannt­gab, ei­ne On­line-Platt­form na­mens Me­ga­zi­ne zu grün­den. Die­se soll­te ne­ben In­for­ma­tio­nen auch Klein­an­zei­gen – un­ter an­de­rem für Stel­len – ver­brei­ten. Die Ver­le­ger pro­tes­tier­ten ve­he­ment ge­gen die­se ge­plan­te Ex­pan­si­on in ih­re Stamm­ge­bie­te. Nur drei Ta­ge spä­ter zog sich die SRG vom Vor­ha­ben zu­rück.

Doch das In­ter­net, des­sen Be­deu­tung da­mals be­reits ab­seh­bar war, blieb auf der Agen­da des öf­fent­li­chen Rund­funks. En­de 2004 teil­te der da­ma­li­ge SRFChef­re­dak­tor Ue­li Hald­i­mann sei­ner Be­leg­schaft mit, dass er den Sen­der zum «füh­ren­den News­por­tal» ma­chen wol­le. Die auf die­ser Sei­te be­kannt­ge­mach­te Bot­schaft fand je­doch we­nig Be­ach­tung un­ter den Zei­tungs­ver­le­gern. Sie stan­den un­ter Schock, weil ih­re Wer­be­ein­nah­men im Zei­chen des Me­di­en­wan­dels Jahr für Jahr schrumpf­ten, was dras­ti­sche Re­struk­tu­rie­run­gen er­zwang.

In die­sem Jahr­zehnt wur­de die On­line-Prä­senz des au­dio­vi­su­el­len Ser­vice pu­b­lic zum me­di­en­po­li­ti­schen Dau­er­the­ma. Zu­min­dest in kom­mer­zi­el­ler Hin­sicht kam es zu ei­ner Klä­rung. Der Staat un­ter­sag­te der SRG ent­spre­chen­de Tä­tig­kei­ten. Pu­bli­zis­tisch woll­te man sie in­des­sen nicht von den neu­en Ver­brei­tungs­ka­nä­len ab­schnü­ren.

Re­strik­tio­nen für die SRG

Um die Wett­be­werbs­ver­zer­rung zu min­dern, leg­te man ein paar Re­strik­tio­nen für die SRG fest. Da­nach hat sie ih­re On­line-An­ge­bo­te auf au­dio­vi­su­el­le Bei­trä­ge zu kon­zen­trie­ren. Wenn sie in den Spar­ten Nach­rich­ten, Sport und Re­gio­na­les Text­in­for­ma­tio­nen ver­brei­tet, wel­che sich nicht auf Sen­dun­gen be­zie­hen, darf de­ren Um­fang ma­xi­mal tau­send Zei­chen be­tra­gen. Drei Vier­tel al­ler ak­tu­el­le­ren Tex­te (bis dreis­sig Ta­ge nach Pu­bli­ka­ti­on) müs­sen fer­ner mit Ra­diound Fern­seh­bei­trä­gen ver­knüpft sein. So steht es in der al­ten und der neu­en SRGKon­zes­si­on.

Die­se Vor­ga­ben sol­len ver­hin­dern, dass die SRG schlei­chend ei­nen schrift­li­chen Ser­vice pu­b­lic ein­führt und da­durch den Auf­bau von pu­bli­zis­ti­schen On­line-Ge­schäf­ten durch die pri­va­ten Un­ter­neh­men be­ein­träch­tigt.

Nach dem kla­ren Volks­nein zur «No Bil­lag»-Initia­ti­ve streck­te die SRG den Ver­le­gern die Hand ent­ge­gen und er­klär­te, auf ih­ren Web­sites kei­ne On­li­neTex­te oh­ne Ver­bin­dung zu ei­nem Au­di­oo­der Vi­de­obei­trag mehr zu pu­bli­zie­ren. Gros­sen­teils schei­nen sich die Re­dak­tio­nen an die­se Vor­ga­be zu hal­ten. Teil­wei­se han­delt es sich in­des­sen um ei­ne for­ma­lis­ti­sche Hand­ha­bung, was heisst: Man pu­bli­ziert ei­ne ak­tu­el­le Text­nach­richt und ver­knüpft die­se mit ei­nem mehr oder we­ni­ger al­ten Au­dio- bzw. Vi­de­obei­trag aus dem Ar­chiv. Die Selbst­be­schrän­kun­gen der SRG sind in­so­fern we­ni­ger gross­zü­gig, als sie schei­nen.

Ein Reich­tums­ge­fäl­le

The­ma­tisch ist das SRF-An­ge­bot an ak­tu­el­len Ar­ti­keln in­des­sen schma­ler als je­nes der gros­sen Ta­ges­zei­tun­gen mit Abo-Mo­dell. Das schmä­lert den SRFWett­be­werbs­druck auf die Pri­va­ten. An­ge­sichts der Di­gi­ta­li­sie­rung dürf­te sich die Dis­kus­si­on um den Spiel­raum des öf­fent­li­chen Rund­funks im text­li­chen Be­reich oh­ne­hin ver­la­gern. Denn die pri­va­ten Me­di­en in­ves­tie­ren ver­stärkt in vi­su­el­le An­ge­bo­te. Da­für ste­hen ih­nen be­deu­tend we­ni­ger Mit­tel zur Ver­fü­gung als der SRG. Im di­rek­ten Wett­be­werb auf den di­gi­ta­li­sier­ten Märk­ten tritt die­ses «Reich­tums­ge­fäl­le» deut­li­cher zu­ta­ge als bis­her. Ent­spre­chend wer­den die Dis­kus­sio­nen um Wett­be­werbs­ver­zer­run­gen ver­mehrt aufs Au­dio­vi­su­el­le über­grei­fen. Ter­rain-Ab­gren­zun­gen las­sen sich im In­ter­net­zeit­al­ter nicht auf­recht­er­hal­ten.

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